Lob und Kritik

Mini-Solar-Fahrrad für den Stadtrat

Hanau - Überbordendes Lob aus den eigenen Reihen, Kritik von der CDU-Opposition - das ist das Spannungsfeld, in dem sich Andreas Kowol, der künftige hauptamtliche Stadtrat, derzeit wiederfindet. Von Christian Spindler

Kowol selbst war bei den Reden vor seiner Wahl am Montagabend (wir berichteten) im Congress Park nicht im Saal. Erst als alles gelaufen war, kam er herein - zurückhaltend, so wie er auch bisher in Hanau auftrat.

Der 50-Jährige aus Walluf im Rheingau, der seit 1989 bei den Grünen ist, war vielfältig kommunalpolitisch aktiv und zuletzt beruflich als Referent für Wirtschaftsförderung in Wiesbaden tätig.

Kowol ist erster Grüner Stadtrat

Von einem „historischen Tag“ sprach Kamil Kasalak, der Fraktionschef der Grünen, angesichts der Tatsache, dass die Stadtverordnetenversammlung mit Kowol erstmals einen Grünen zum hauptamtlichen Stadtrat in Hanau gewählt hat. Kasalak, der Kowols politische Erfahrung und fachliche Qualifikation in höchsten Töne lobte („Er hat dieses Amt verdient“), sprach von einer „wohl begründeten Personalentscheidung“. Das parteiinterne Nominierungsverfahren hatte indes bei den Grünen für heftigen Zwist gesorgt. Auch darauf spielte Oppositionsführer Dieter Hog (CDU) in seiner Rede an. Zudem hätten sich die Grünen in der Regierungskoalition „stets als wankelmütiger Partner erwiesen“.

Bei der geheimen Wahl bekam Kowol 35 Stimmen - fünf mehr als erforderlich und drei mehr als die Koalition aus SPD, Grünen und BfH aufzubieten hatte. Für Verstimmung sorgte im Vorfeld offenbar, dass sich der designierte Stadtrat nicht bei den Oppositions-Fraktionen vorgestellt hat. Das hätte zum politischen Stil und Anstand gehört, so Hog. Bert-Rüdiger Förster (Republikaner) wertet das gar als „Arroganz“.

Dank an Familie und Kollegen

Für den gerade gewählten Kowol, der direkt danach von Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck vereidigt wurde, war das am Wahlabend, bei dem auch seine Frau und seine beiden Kinder dabei waren, kein Thema. Er dankte nicht nur seinen Parteifreunden und den Stadtverordneten, sondern auch seinen beiden künftigen Kollegen im hauptamtlichen Magistrat. OB Claus Kaminsky und Stadtrat Axel Weiss-Thiel (beide SPD) hätten ihm einen großen Vertrauensvorschuss entgegengebracht.

Kowol, der sein Amt zum 1. Juli antritt, wird unter anderem für die Eigenbetriebe Hanau Verkehr und Entsorgung sowie Immobilien und Baumanagement zuständig sein. Mit seiner Wahl endete eine lange Diskussion in Hanau über die Frage, ob es weiterhin drei oder künftig vier hauptamtliche Stadträte gibt. CDU-Mann Hog warf der Regierungskoalition, die die Posten ausweiten wollte, im Rückblick einen „unsäglichen Zick-Zack-Kurs“ vor.

Kowol - er bekam zur Wahl als Präsent ein solarbetriebenes Fahrradmodell - ist ebenso wie Stadtrat Axel Weiss-Thiel bis 2019 gewählt. FDP-Dezernent Dr. Ralf-Rainer Piesold scheidet bekanntlich zum 30. Juni aus dem Amt.

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