19. Februar

Angehörige äußern sich zur Kritik an der geplanten Ehrung der Opfer der Terroranschläge in Hanau

Kerzen am Fuß des Brüder-Grimm-Denkmals zu Ehren der Opfer des 19. Februars
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Das Brüder-Grimm-Denkmal ist zu einer Art Gedenkstätte für die Opfer des 19. Februars geworden.

Die Angehörigen der Opfer des 19. Februar zeigen sich bei aller Wertschätzung für die angekündigte Teilnahme Heiko Kasseckerts an der der Demonstration am 22. August und seinem Wunsch nach Aufklärung des Anschlags von Hanau sehr irritiert vom Beitrag des CDU-Landtagsabgeordneten.

Hanau – „Wir lesen ihn als offizielle Aufforderung dazu, die Augen vor dieser schrecklichen Tat zu verschließen. Wie sonst ist seine Haltung ‘man solle loslassen und am besten alles entfernen, was mit der Tat zu tun hat’ zu verstehen?“, fragen sie. Und weiter: „Zu welcher Normalität soll unsere Stadt zurückkehren?“ In den Augen der Angehörigen darf es kein Zurück zu einer Normalität geben. Es müsse sich etwas ändern in dieser Gesellschaft, betonen sie. Deshalb sei ihnen das offene und vielfältige Gedenken in dieser Stadt sehr wichtig.

Täglich bekämen sie positive Rückmeldungen von Hanauerinnen und Hanauern, die äußerten, dass es ihnen etwas bedeute, dass frische Blumen und die Bilder zu Füßen der Brüder-Grimm dafür sorgen, dass diese Tat nicht vergessen wird. Dass sie als Betroffene ihre Trauer und die offenen Fragen, die sie bewegten, mit ihnen teilen. Dass recherchiert werde. Dass sie täglich um Aufklärung kämpften. „Wir sind froh, dass wir in dieser Stadt nicht alleine stehen, dass der Oberbürgermeister eine klare Haltung vertritt und dass sehr viele unserer MitbürgerInnen auch sagen, wir dürfen nicht vergessen.

Terroranschlag in Hanau sei aus blankem Rassismus geschehen

Der Anschlag vom 19. Februar sei nicht „einfach so passiert”, sondern aus blankem Rassismus. Die Erinnerung an einen der dunkelsten Momente in der Geschichte dieser Stadt sei für immer mit der Frage verknüpft, was man tun könne, damit so etwas nie wieder geschieht. Deshalb verstehen die Opferfamilien Kasseckerts Wunsch loszulassen als Aufforderung weiterzumachen, als wäre nichts gewesen. „Das ist für uns unerträglich“, sagen sie.

Die Ehrenplakette finden die Angehörigen angemessen. Sie erinnern in diesem Zusammenhang an die Zivilcourage von Vili Viorel Paun, der versucht habe, den Täter zu stoppen. Diese habe Paun mit seinem Leben bezahlt.

Kassekerts Frage stößt bei den Angehörigen der Anschläge in Hanau auf Unverständnis

Auch Kasseckerts Frage, ob die Ehrenplakette in Gold die richtige Würdigung sei, stößt bei den Opferfamilien auf Unverständnis. „Diese neun jungen Menschen wurden alleine aufgrund von Menschenhass aus ihren Leben gerissen. Keine Ehrung der Welt kann und wird jemals den Schmerz der Hinterbliebenen tatsächlich mindern können“, erklären sie.

Dennoch sei es trotz der rassistischen Tat in Hanau weder zu Ausschreitungen noch zu einer Spaltung in der Stadtgesellschaft gekommen. Direkt danach habe diese sich das Motto „Hanau steht zusammen“ zu eigen gemacht. Dass dies bis heute so sei, sei insbesondere auch den Familien und Angehörigen der Todesopfer zu verdanken, geben die Mitglieder der Familien Hashemi, Gültekin, Gürbüz, Kurtovic, Unvar, Paun, Goman/Kierpacz, Velkov und Saracoglu in ihrer Stellungnahme zu bedenken. Denn diese Menschen hätten sich trotz ihres unendlichen Verlustes und der tiefen Trauer bisher immer für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ausgesprochen. Dafür gebühre ihnen höchste Anerkennung. ju

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