Tafel der Toleranz ein

Von Angesicht zu Angesicht

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Auf 110 Meter Länge brachte es die Tafel der Toleranz 2016. Im Reformationsjubiläumsjahr würden sich die Organisatoren freuen, wenn noch ein paar Meter hinzukämen und sich noch mehr Menschen von Angesicht zu Angesicht begegnen.  

Hanau - Sich an einer Tafel von Angesicht zu Angesicht begegnen, mit Menschen verschiedener Religionen, Nationalitäten, Altersgruppen und Lebenseinstellungen ins Gespräch kommen und dabei zugleich ein Zeichen setzen, das ist die Intention der Tafel der Toleranz. Von Laura Hombach 

Im Reformationsjubiläumsjahr lädt der Evangelische Kirchenkreis Hanau zum fünften Mal zu der Veranstaltung ein, die inzwischen schon zu einer echten Institution geworden ist. „Wir wollen die Menschen einfach miteinander ins Gespräch bringen“, sagt Dekanin Claudia Brinkmann-Weiß vom Kirchenkreis Hanau. Deshalb gibt es auch kein Programm, wenn am Sonntag, 20. August, die 5. Tafel der Toleranz in der Hanauer Altstadt aufgebaut wird. Der Kirchenkreis stellt lediglich die Bierzeltgarnituren, an denen sich die Menschen begegnen können.

Mit drei Festgarnituren auf dem Altstädter Markt fängt es an, je mehr Gäste kommen, desto mehr wächst die Tafel. Bei Organisation und Aufbau wird der Kirchenkreis von Ehrenamtlichen der Kirchengemeinde Mittelbuchen sowie von Flüchtlingen unterstützt. Auf ganze 110 Meter wuchs die Tafel im vergangenen Jahr an. Für das Reformationsjubiläumsjahr wünschen sich die Veranstalter noch mehr Teilnehmer und damit auch noch ein paar Längenmeter mehr. Auch wenn Brinkmann-Weiß betont, dass bei der Veranstaltung die Begegnung im Mittelpunkt steht und es nicht darum geht, irgendwelche Rekorde aufzustellen. Trotzdem wird bereits seit der ersten Tafel 2013 jeweils um 15.17 Uhr (in Erinnerung an die Reformation im Jahr 1517) gemessen, auf wie viel Metern die Hanauer ein Zeichen für Toleranz setzen. Ein Job, bei dem Brinkmann-Weiß bisher von Oberbürgermeister Claus Kaminsky unterstützt wurde. Die Aufgabe wird dieses Jahr Bürgermeister Axel Weiss-Thiel übernehmen.

Zwar stand bereits die erste Tafel ganz im Zeichen der Dekade des Luther-Jubiläums, dass die Veranstaltung bis zum großen Jubiläumsjahr fortgesetzt werden soll, war indes gar nicht angedacht. „Eigentlich sollte es eine einmalige Veranstaltung zum Themenjahr der Toleranz sein“, erklärt Brinkmann-Weiß. Doch die Veranstalter wurden vom Erfolg ihrer Initiative überrascht, schon gleich am Ende der Veranstaltung häuften sich die Anfragen, wann denn die nächste Tafel stattfinden wird. Und so wird die Veranstaltung, die als einmalig geplant war, nun bereits im fünften Jahr fortgesetzt, ist zu einer Institution geworden.

„Wir bekommen jedes Jahr gute Rückmeldungen“, sagt die Dekanin. Und auch das was sie und Pfarrer Jens Heller, der ebenfalls seit Anfang an bei der Tafel für Toleranz dabei ist, beobachten, macht immer wieder Lust darauf, die Menschen zur Begegnung einzuladen. Begegnungen bei kulinarischen Genüssen aus aller Herren Länder, denn viele der Teilnehmer bringen Essen und Getränke mit, manche sogar Blumen und andere Tischdekorationen. Und das in so reichlichen Mengen, dass alle zum Probieren eingeladen sind und es auch noch für die Verköstigung von Passanten reicht, die sich spontan mit an die Tafel setzen. Genauso bunt und vielfältig wie das Essen sind die Begegnungen, die an der Tafel stattfinden. „Die Leute setzen sich dann auch noch einmal um, um mit anderen ins Gespräch zu kommen“, hat Brinkmann-Weiß beobachtet. „Das Prinzip, dass man dem anderen an der Tafel gegenübersitzt und ihn bewusst wahrnimmt, und dass das das A und O des toleranten Umgangs mit anderen ist, wird verstanden, auch ohne dass man dabei große theologische Betrachtungen anstellen muss“, so die Dekanin. Die Themen, über die an der Tafel gesprochen wird, seien so vielfältig wie die Menschen, die hier zusammenkommen: Vom Rezept für das leckere mitgebrachte Essen bis hin zum Politischen reicht die Palette.

Die Teilnehmer der Tafel spiegeln dabei auch das multikulturelle Miteinander in der Goldschmiedestadt wider: Der muslimische Arbeitskreis Hanau und der Ausländerbeirat sind seit der ersten Veranstaltung engagiert dabei. Und viele Gäste kommen wieder, sind geradezu schon Stammgäste. Aber natürlich sind auch Erstbesucher gerne gesehen, wenn am 20. August von 14 bis 16 Uhr die Tafel der Toleranz aufgeschlagen wird. Schließlich soll sie ja auch über sich hinaus wachsen. Würden alle bereitgelegten Garnituren gefüllt, dann könnten die Hanauer im Reformationsjubiläumsjahr auf 170 Metern ein Zeichen für Toleranz setzen.

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