„Angst ist kein guter Berater“

+
Setzt auf Beratung von Senioren durch Senioren: Der pensionierte Polizeibeamte Walter Janouschek hat ein Konzept entwickelt, nach dem erfolgreiche Präventionsarbeit bei älteren Mitbürgern geleistet wird.

Hanau - „Senioren müssen lernen, Nein zu sagen". Ob zum Mitleid erweckenden Zeitschriftenwerber, ob zum um ein Glas Wasser bittenden Frauenduo vor dem Wohnungseingang oder zur Stimme am Telefon, die sich als Enkel ausgibt und wegen einer angeblichen Notlage um finanzielle Unterstützung bittet. Von Dieter Kögel

Das jedenfalls meint der ehemalige Hanauer Polizeibeamte Walter Janouschek, der bereits 1996 während seiner aktiven Dienstzeit an einem Konzept „gestrickt“ hat, das Senioren vor solchen Fallen warnen und schützen soll.

Im ehemaligen Offizierskasino an der Lamboystraße wurden damals nach diesem Konzept 19 Männer und Frauen zu „Seniorenberatern“ ausgebildet. Doch mit Janouscheks Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2002 sei das sinnvolle Projekt „ein wenig eingeschlafen,“ erinnert sich der ehemalige Polizeibeamte. Gleichwohl hat Janouschek auch als Pensionär weiter an seiner Idee gefeilt und mittlerweile hat er dafür den Segen „von ganz oben“: Sowohl die Leitung des Polizeipräsidiums Südosthessen in Offenbach, das auch für die Stadt Hanau und den Main-Kinzig-Kreis zuständig ist, als auch der heutigen Ministerpräsident Volker Bouffier, damals noch in seiner Funktion als Innenminister, haben das Präventionskonzept Janouscheks als vorbildlich auch für andere Polizeipräsidien gewürdigt.

Ende März beenden zertifizierte Seniorenberater Seminar

Was der Minister allerdings vergessen hatte, war die Bereitstellung der vergleichsweise bescheidenen Geldmittel zur Verwirklichung des Präventionsprojekts. Hier griff dann die Unterstützung der Polizei Sozialhilfe Hessen e.V., in deren stellvertretendem Vorsitzenden Bernhard Langer der Hanauer Walter Janouschek einen engagierten Mitstreiter in Sachen Senioren-Prävention an seiner Seite hatte.

Und so beendeten Ende März weitere zwölf zertifizierte Seniorenberater ein mehrtägiges Seminar in Hanau, um das dort erlernte Wissen an ältere Mitbürger weiterzugeben.

Dabei gehören die Berater zur gleichen Generation wie ihre Zuhörer. „Es ist glaubwürdiger, wenn die älteren Menschen etwas von Beratern erfahren, die auf gleicher Augenhöhe sind“, meint Janouschek. Das steigere die Bereitschaft der Zuhörer, die Informationen anzunehmen und zu beherzigen. Und so gehen die neuen zertifizierten Seniorenberater zurück in die jeweiligen Vereine und Organisationen, und geben das Wissen um die Vermeidung unliebsamer Überraschungen im Alltag weiter.

17 weitere Seniorenberater werden in einer Ausbildungsstaffel Mitte April in Offenbach ausgebildet und wirken dann als Multiplikatoren an der Basis.

Aha-Erlebnis stellt sich ein

Und dort dürfen die Sicherheitsberater ruhig in den Vorträgen einen der zuhörenden Senioren auffordern, die mitgeführte Tasche aufzumachen und den Inhalt offen zu legen. „Sie glauben nicht, was sich da so alles findet“, lächelt Janouschek. Denn nicht nur große Mengen Bargeld führen die Senioren oft mit sich, auch persönliche Unterlagen, die eher an eine sicheren Ort gehören, tragen ältere Mitbürger häufig bei sich - eine leichte und zurückverfolgbare Beute für potenzielle Diebe. Bei solchen Anlässen stellt sich bei den Zuhörern ein Aha-Erlebnis ein, dass sie dann hoffentlich in ihren Kreisen weitergeben.

Vorträge steigern das Sicherheitsgefühl

Walter Janouschek hat die Erfahrung gemacht, dass derartige Vorträge das Sicherheitsgefühl bei den älteren Bürgern steigern können. Und mit einem sicheren Gefühl nähmen die Senioren dann auch wieder mehr am öffentlichen Leben teil. Denn Angst sei kein guter Berater, sie verleite dazu, dass sich Senioren weitgehend in ihre vertraute Umgebung zurückziehen und sich dort einigeln. Mit dem Wissen um Gefahren- oder Bedrohungssituationen und entsprechenden Verhaltensstrategien könne diese selbst gewählte Isolation durchbrochen werden.

Begleitet wird das in Hanau angebotene Präventionsprogramm zuweilen auch von der Hanauer Mundartgruppe „Krawallcher.“ Im Zwiegespräch greift die Truppe die Bedrohungssituationen auf und stellt die richtigen Verhaltensweisen in den Fokus: witzig, spritzig, und in Mundart. „Das funktioniert wunderbar“, sagt Walter Janouschek, der diese schauspielerische Ergänzung seiner Bemühungen um mehr Sicherheitsgefühl bei den älteren Bürgern sehr hoch schätzt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare