Eier gegen das Haus

Anwohner beklagen ausufernde Jugend-Feier

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Die Hütten auf dem Steinheimer Burggartengelände sind Treffpunkt für Jugendliche – bis spät in die Nacht.

Steinheim - Jugendliche, die lautstark und in großer Zahl im Steinheimer Burggraben feiern, bringen Anwohner auf die Palme. Sie klagen nicht nur über den Lärm, sondern auch über den Müll, denn die Jugendlichen hinterlassen – und über deren Aggressivität. Die Polizei wurde alarmiert. Die Stadt will mit verstärkten Kontrollen reagieren. Von Holger Hackendahl 

Die Jugendlichen, die regelmäßig in Holzhütten auf dem Burggartengelände anzutreffen sind, bereiten Anwohnern und Gassigehern in Steinheims Grüngürtel, zu dem ein Spielplatz, zwei Basketballfelder, Bolzplatz, Seilbahn und Sitzbänke gehören, Sorgen. Geklagt wird über Lärm bis spät in die Nacht und die Verschmutzung nach besonders feierintensiven Abenden. Von herunter getretenen Papierkörben und Glasscherben ist die Rede – eine Verletzungsgefahr. „Spaziergänger und Anwohner räumen Unmengen an Scherben weg und schieben den Müll zumindest beiseite“, schreibt Sandra B. in einer Mail an die Redaktion. Und: Seit mehreren Monaten werde „das abendliche Betreten des Geländes wirklich zum Spießrutenlauf“. Früher hätten sich kleinere Gruppen im Burggarten getroffen und geraucht – alles weitgehend friedlich. Zuletzt seien es mehr als 100 junge Leute gewesen, die gefeiert hätten, „teilweise angetrunkenen oder bekifft“. „In jedem Fall sind sie verbal angriffslustig und uneinsichtig“, berichtet B., die eine verstärkte Polizeipräsenz fordert.

Der Burggarten sei als Treffpunkt für Jugendliche bekannt. Daher gehöre das Areal zu den Bereichen, die regelmäßig von der Stadtpolizei bestreift werden, so die Stadt auf Anfrage. „Fällt eine Vermüllung auf, wird der Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service entsprechend informiert“, so Ordnungsdezernent Thomas Morlock (FDP). Routinemäßig würden die Papierkörbe zweimal wöchentlich geleert und es werde im Umkreis von sechs Metern gereinigt. Das Gesamtgelände werde mindestens einmal wöchentlich gereinigt.

Dass sich eine Jugendszene aus der Innenstadt nach Steinheim verlagert hat, wie Sandra B. vermutet, glaubt man bei der Stadt nicht: „Das halten wir für höchst unwahrscheinlich, da der Aktionsradius von Jugendlichen im Allgemeinen kleiner ist. Eine Verlagerung der Treffpunkte innerhalb von Steinheim war auch in der Vergangenheit immer wieder zu beobachten.“ Die Beschwerdelage in dem geschilderten Umfang, so Stadtrat Morlock, decke sich auch nicht mit den Feststellungen der Hanauer Stadtpolizei und von HIS, die beide regelmäßig vor Ort seien.

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Im Gegensatz hierzu stehen Beobachtungen weiterer Anwohner und Gassigeher. „10 bis 20, manchmal auch 30 Jugendliche feiern mitunter bis spät in die Nacht, vor allem im Sommer“, berichtet ein Steinheimer, der regelmäßig mit seinem Hund im Burggarten ist. Als unlängst bis nachts um 3.30 Uhr gefeiert wurde, hätten Anwohner die Polizei gerufen. Und am Vorabend von Christi Himmelfahrt haben 60 bis 100 Jugendliche im Burggarten gefeiert, bestätigt die Polizei. Es gab Beschwerden, so Rudi Neu, Sprecher des Polizeipräsidium Südosthessen. Die Polizei sehe auch ab und zu im Burggarten nach dem Rechten. Das Gelände sei aber „kein dauerhaftes Problem für die Polizei“.

Ein anderer Anwohner berichtet „von 15- bis 16-Jährigen, die sich an der Hütte am Bolzplatz oder auch in der Hütte auf dem Spielplatzhügel treffen“. Der Burggarten sei schon lange ein Jugendtreffpunkt. „Mal ist es schlimmer, mal weniger. Aber wenn übers Wochenende gefeiert wird, sieht’s aus, als wäre im Burggarten noch nie gereinigt worden: Die Wege voller Glasscherben, aufgetretene Mülleimer und herausgefallene Hundekackbeutel liegen verstreut herum“. Eine direkte Anwohnerin berichtet, sie habe die Feiernden wegen der Lautstärke angesprochen und um Rücksicht gebeten. Kurz danach sei ihr Haus mit Eiern beworfen worden.

Die Stadt will die Hinweise nun aufgreifen und in der nächsten Zeit vermehrt Kontrollgänge einplanen, so Stadtrat Morlock. „Außerdem werden wir das Thema im nächsten Jour fixe mit der Landespolizei besprechen, um zu klären, ob es weitergehende Erkenntnisse zum Burggarten-Gelände gibt.“

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