Kein Platz für Alte?

Anwohner-Protest gegen Seniorenzentrum

Klein-Auheim - Dass in Klein-Auheim eine Seniorenwohnanlage mit Pflegezentrum gebaut werden soll, ist unstrittig. Gleichwohl gibt es Wirbel. Anwohner protestieren gegen den Standort im Wohngebiet Im Mühlfeld. Von Christian Spindler

Darauf schaltete sich OB Claus Kaminsky ein und erklärte, die Standortsuche beziehe sich nicht allein auf dieses Grundstück. Der Ortsbeirat indes will just an dem Areal festhalten. Mit so viel Gegenwind hat Ortsvorsteher Sascha Feldes (Grüne), der zusammen mit der früheren Ortsvorsteherin Ingrid Ehmes (CDU) von der erfolgreichen Suche nach einem Grundstück und einem Investor berichtet hatte, wohl nicht gerechnet. Und nicht mit so vielen Turbulenzen. Feldes und Ehmes erklärten, man habe nach langer Suche einen Investor für eine innovative Seniorenwohnanlage mit Pflegeinrichtung sowie mit einer 3500 Quadratmeter großen, unbebauten Fläche zwischen den Straßen An den Mainwiesen und In den Krautgärten endlich den geeigneten Standort gefunden. Dies sei mit der Stadt abgesprochen.

Auf dem städtischen Grundstück (ehemals Gummi-Peter), das zunächst für den Bau einer Kindertagesstätte vorgesehen war, dafür laut Stadtrat Andreas Kowol (Grüne) aber nicht mehr benötigt wird, solle die innovative Wohnanlage mit angeschlossener Tages- und Kurzzeit-, aber auch stationärer Pflege für 40 bis 60 Senioren entstehen. Man wolle nun in die Planungsphase gehen.

Eine Nachricht, die dortige Anwohner aufgeschreckt hat. Sie sehen bei einer Realisierung der Seniorenwohnanlage „erhebliche Schwierigkeiten auf das gesamte Wohngebiet zukommen.“ Man sei „im Vorfeld nicht informiert worden“, kritisiert Sylvia Lexow im Namen einer Anwohner-Initiative. In den schmalen Straße in dem Wohnquartier sei das Verkehrsaufkommen schon jetzt sehr groß, es gebe kaum Bürgersteige. Mit einer Altenwohnanlage werde der Autoverkehr stark zunehmen. Zudem sei die Zahl der Parkplätze „bereits jetzt am absoluten Limit“.

Während Feldes und Ehmes im Namen des Ortsbeirats und eines Arbeitskreises, der sich seit langem für das Seniorenwohnprojekt engagiert, den Standort dafür als ideal ansehen, meinen Anwohner, das Grundstück sei „schlicht zu klein, um eine derart große Anlage zu errichten“. Auf der unbebauten Grünfläche neben einem Spielplatz waren zuletzt ein Spazierweg angelegt und Bäume gepflanzt worden. Sie sei eine „wichtige Aufenthaltsfläche“ für Kinder und Erwachsene, so Lexow. In einem Gespräch zwischen Anwohnern sowie Ortsvorsteher Sascha Feldes und Volker Taeger als Vertreter des Arbeitskreises verhärteten sich diese Woche die Fronten offenbar. Es sei nicht auf Argumente eingegangen worden, sagen beide Seiten.

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Die Folge: Etliche interne E-Mails, gestern zunächst die Pressemitteilung der protestierenden Anwohner, wenig später dann eine Reaktion von OB Claus Kaminsky (SPD). Er erklärte im städtischen Pressedienst, die Suche nach einem geeigneten Standort beziehe sich nicht allein auf das Areal Im Mühlfeld. Als mögliche Alternativen führt er das Gelände des früheren Schlachthofs an der Fasaneriestraße an und den Bereich an der ehemaligen Verwaltungsstelle (Schönfelder Straße) mit dem mittlerweile ungenutzten Schützenhaus. Dort lasse sich eventuell das Zentrum für Ortsgeschichte des Heimat- und Geschichtsvereins und das Seniorenzentrum „in einem Zug verwirklichen.“

In den vergangenen drei Jahren seien 15 Grundstücke für die Seniorenwohnanlage geprüft und mit der Stadt besprochen worden, sagt Feldes. Er zeigt sich verwundert darüber, dass Kaminsky nun wieder Grundstücke nenne, die zuvor „von der Stadt abmoderiert wurden“. Beim Schlachthof-Areal müssten für eine Seniorenwohnanlage mit Pflegezentrum private Grundstücke zugekauft werden. Das sei möglich, sagt Kaminsky. Es verteuere und verzögere das Projekt, sagt Feldes. Und: Das Gelände an der Verwaltungsstelle sei in jedem Fall zu klein.

Zudem wirft Feldes einigen Anwohnern im Mühlfeld Egoismus vor. Sie seien strikt gegen jegliche Bebauung und „nicht einmal bereit, ergebnisoffen zu diskutieren“. Der Ortsbeirat halte nach Abwägung aller Aspekte weiter einhellig an dem dortigen Standort fest. Feldes: „Entweder bekommt Klein-Auheim das Pflegezentrum dort oder Klein-Auheim bekommt (mal wieder) nichts.“ Für heute, 15 Uhr, hat die Anwohner-Initiative zu einer Protestversammlung An den Mainwiesen aufgerufen.

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Rubriklistenbild: © dpa

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