Arbeitsagentur steigt in Förderprogramm für Flüchtlinge ein

Deutsch als Schlüssel zur Arbeit

Hanau/Main-Kinzig-Kreis - „PerF“ heißt ein neues Programm der Bundesagentur für Arbeit. Die Abkürzung steht für „Perspektiven für Flüchtlinge“. Die Fördermaßnahme zielt darauf ab, die Chancen für Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Von Dirk Iding 

Die Hanauer Agentur für Arbeit will in dieses Programm ab Herbst massiv einsteigen. Nach Angaben des Hanauer Agentur-Chefs Alexander Noblé will seine Behörde insgesamt 120 Plätze im Rahmen des Programms zur Verfügung stellen. Zum Vergleich: Die wesentlich größere Arbeitsagentur Frankfurt hat für diese Maßnahme lediglich einen Bedarf von 25 Plätzen angemeldet. Doch Noblé ist davon überzeugt, dass unter den weit mehr als 3000 Flüchtlingen, die am Ende dieses Jahres im Main-Kinzig-Kreis zu betreuen sein werden, ausreichend viele Betroffene sind, die von dem Programm profitieren könnten, mit dem die Bundesagentur für Arbeit ein Stück weit auch Neuland betritt.

Denn erstmals wird bei einer Maßnahme der Agentur für Arbeit das Hauptaugenmerk auf die Sprachförderung für die Teilnehmer gelegt und nicht auf berufsfördernde Maßnahmen im eigentliche Sinne. Denn Agenturchef Alexander Noblé weiß: Sprachkenntnisse sind der grundlegende Schlüssel, um überhaupt realistische Chancen zum erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu haben. Man habe eine ganze Fülle von arbeitsfördernden Maßnahmen und Programmen im Angebot, die theoretisch auch für Flüchtlinge geeignet wären, meint Noblé, aber sie könnten oft nicht genutzt werden, weil es einfach an Sprachkenntnissen fehle.

Hier setzt „PerF“ an. Allerdings weiß Noblé auch um die Grenzen des neuen Programms. Ein Mindestmaß an Deutschkenntnissen der Teilnehmer, die die auf sechs Monate angesetzte Maßnahme durchlaufen werden, sollte schon vorhanden sein. Und für Analphabeten, die es unter den Flüchtlingen auch nicht selten gibt, sei diese Maßnahme gar nicht geeignet. Noblé: „Für diesen Personenkreis braucht man ganz andere Zugänge, die über die momentanen Möglichkeiten der Arbeitsagentur hinausgehen.“

Um für das „PerF“-Programm geeignete Bewerber zu finden, setzt die Arbeitsagentur Hanau insbesondere auf die Kooperation mit haupt- und ehrenamtlichen Integrationslotsen, die in vielen Flüchtlingsunterkünften – quer über den Main-Kinzig-Kreis verteilt – tätig sind. Bei einem ersten Treffen mit ehrenamtlichen Integrationslotsen dieser Tage in der Agentur für Arbeit Hanau ging es auch um diesen Aspekt (siehe Bericht unten).

Dabei machen die zwischen Agentur für Arbeit und dem Kommunalen Center für Arbeit (KCA) je nach Flüchtlingsstatus wechselnden Zuständigkeiten für Asylbewerber die Arbeit auch nicht gerade leichter. Solange ein Asylverfahren noch schwebend ist, fallen die Flüchtlinge in die Zuständigkeit der Agentur für Arbeit. Dies gilt auch für abgelehnte Asylbewerber mit Duldungsstatus. Für anerkannte Asylbewerber ist hingegen in der Regel das KCA zuständig.

Hinzu kommt, so Noblé, dass die Agentur für Arbeit und das Kommunale Center für Arbeit mit unterschiedlichen EDV-Systemen arbeiten und auch aus Gründen des Datenschutzes ein Austausch von Daten zwischen den beiden Behörden nicht ohne weiteres möglich ist.

Vor diesem Hintergrund haben sich die für das KCA zuständige Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD) und Agenturchef Noblé darauf verständigt, ab 1. Oktober gemeinsame Anlaufstellen in Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern für Flüchtlinge und Integrationshelfer einzurichten, damit dort auf kurzem Wege die Zuständigkeiten für den einzelnen Betroffenen geklärt und weitere Ansprechpartner vermittelt werden können. Nach den bisherigen Überlegungen soll die für Hanau zuständige Anlaufstelle bei der Agentur für Arbeit am Hauptbahnhof angesiedelt werden.

Rubriklistenbild: © dpa

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