Bürgerinitiative Mainfähre übt scharfe Kritik an den politischen Entscheidungsträgern

„Arroganz gegenüber den Bürgern“

Auch der Vorschlag eine Personenfähre einzusetzen, wie hier beim Fähraktionstag der BI, wurde abgelehnt.  Archiv
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Auch der Vorschlag eine Personenfähre einzusetzen, wie hier beim Fähraktionstag der BI, wurde abgelehnt. Archiv

Maintal – Seit Montag, 9. November, ist klar, dass es keine Personen- und Fahrradfähre in Maintal geben wird. Die Stadtverordneten der Stadt Maintal waren einem Vorschlag des Magistrats gefolgt und hatten sich gegen ein solches Projekt entschieden. Nun hat die Bürgerinitiative Mainfähre Mühlheim / Maintal (BI) in einer Pressemitteilung auf diese Entscheidung Bezug genommen.

In der Mitteilung, die mit den Worten „Arrogante Politik gegen die Bürger“ betitelt ist, ziehen die Fähraktivisten ein Resümee zu der Auseinandersetzung um die transmainische Fährverbindung. Hierbei werden vor allem die politischen Entscheidungsträger scharf kritisiert. Mit der Einstellung der Fähre „wurden eine über 120-jährige Tradition und ein wirkliches Kulturgut der beiden Städte politischen Erwägungen geopfert“, so die BI.

Von dem Stellenwert der Fähre zeugten laut den Aktivisten die Beteiligungen an diversen Aktionen der Bürgerinitiative. In der Pressemitteilung heißt es wörtlich: „Davon zeugen auch hunderte Postkarten, die in beiden Rathäusern die Briefkästen überquellen ließen, ebenso wie die über 2200 Unter-schriften unter eine Online-Petition. Dass das Interesse für eine Beibehaltung eines Fährbetriebs auch nach drei Jahren keineswegs nachgelassen hat, bewies die Beteiligung von mehreren Hundert Maintaler und Mühlheimer Bürgern trotz nasskalten Wetters beim Fährenaktionstag am 14. Oktober 2020.“

Im weiteren Verlauf der Mitteilung werden weitere Vorwürfe gegen die Politik erhoben und mit Spekulationen um deren Motivation kombiniert. So sei beispielsweise die „schnelle Vertragsauflösung mit dem Pächter, wohl in der Hoffnung, es würde bald Gras über die Sache wachsen und sich die Gemüter beruhigen, getätigt worden“. Auch die Tatsache, dass nicht angemessenes Fachpersonal in ausreichender Anzahl gefunden wurde, sieht die Initiative als Falschaussage. Es hatten sich nur zwei Interessenten gefunden, benötigt werden aber vier Besatzungsmitglieder.

Lediglich wenige politische Fraktionen hätten sich zudem innerhalb der Parlamente für die Fähre stark gemacht. „Alle anderen Fraktionen ignorierten den Bürgerwunsch. Vorschläge der Bürgerinitiative wurden nicht erörtert, bei öffentlichen Zusammenkünften glänzte man durch Abwesenheit, Anträge wurden abgebügelt“, heißt es vonseiten der Fähraktivisten.

Die ganze Thematik zeige laut BI, wie „selbstherrlich sich manche politischen Kräfte sind und welche Arroganz sie gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern an den Tag legen. Wer verstehen möchte, wie Politikverdrossenheit entsteht, hat hier geradezu ein Paradebeispiel.“ Die Bemühungen der Kreise Offenbach und Main-Kinzig sowie der Städte Maintal und Mühlheim finden kaum Erwähnung in der Pressemitteilung. So investierte der Kreis Offenbach so viel Geld in die Instandsetzung der Fähre, dass man mittlerweile sogar im Schwarzbuch 2020/2021 für Steuerverschwendung aufgeführt wurde. Auch die Städte und der Main-Kinzig-Kreis hatten sich finanziell in die Thematik eingebracht, mussten jedoch feststellen, dass die finanzielle Belastung in ihren Augen nicht dem Nutzen dieser Verbindung hätte gerecht werden können. Zudem sei die Akquirierung von ausreichend fähigem Fährpersonal schwer zu realisieren gewesen.

Der letzte Vorstoß in Richtung einer Fährverbindung kam aus Reihen der Stadt Maintal. Der Magistrat hatte im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung wirtschaftlich und rechtlich untersuchen sollen, inwiefern ein kommunaler Fährbetrieb zu realisieren sei (wir berichteten).

In dem daraus resultierenden Bericht wurden ebenfalls die Kosten und die Personalgewinnung als entscheidende Argumente gegen eine neuerliche transmainische Fähre angeführt, sodass der Magistrat von deren Umsetzung abriet.

Von Jan Max Gepperth

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