Brüder-Grimm-Festspiele

Auch das Schneiderlein macht Homeoffice: Vorbereitungen für Brüder-Grimm-Festspiele laufen

Hat die Hygieneregeln für Bühnenbau und den Backstage-Bereich erdacht: der technische Leiter Knud Kragh.
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Hat die Hygieneregeln für Bühnenbau und den Backstage-Bereich erdacht: der technische Leiter Knud Kragh.

Die Proben sind gestartet, im Amphitheater wird gesägt, gehämmert und gebohrt, und auch die Mitarbeiter der Kostümwerkstatt und der Maske sind schon emsig. Am Freitag, 14. Mai, wird das Musical „Das tapfere Schneiderlein“ Premiere feiern.

Hanau - Bevor Schauspieler, Schreiner und Schneider überhaupt mit ihrer Arbeit beginnen konnten, wurde hinter den Kulissen gegrübelt, wurden Hygienekonzepte geschrieben, damit die Festspiele stattfinden können und nicht – wie 2020 – noch einmal abgesagt wegen müssen aufgrund der Corona-Pandemie.

Was ist eigentlich noch erlaubt? Was nicht? Welche Räume sind zu klein? Wie sind die aktuellen Verordnungen? Worauf müssen wir achten? „Wir haben alles auf den Prüfstand gestellt“, sagt Wiebke Quenzel. Sie leitet die Abteilung Maske. Elf Jahre ist sie dabei. Quenzel arbeitet eng mit Kostümbildnerin Ulla Röhrs zusammen, schließlich „muss der Kopf zum Rest passen“, wie sie lachend erzählt.

Da ihr Arbeitsbereich direkt an den der Friseure und Barbiere anschließe, sei es ihr schon sehr früh wichtig gewesen, die Regel-Theorie auch in die Praxis umzusetzen, so die staatlich geprüfte Maskenbildnerin, die Hessen schon vor vielen Jahren als neue Heimat auserkoren hat. Quenzel muss sich für ihre Arbeit in jedes Stück einlesen, Pläne schreiben, wer wann wo zu sein hat. Wenn das Ensemble kommt, geht’s an die Umsetzung.

Corona und Hygienekonzepte: Festspiele-Macher müssen neue Wege gehen

Doch diesmal ging’s erst mal um Corona. Gemeinsam mit Knud Kragh, seit über 30 Jahren technischer Leiter der Festspiele, hat Quenzel das Hygienekonzept ausgearbeitet. „Wir sind einmal durch die gesamten Abläufe gegangen“, erzählt sie. Das Schwierigste dabei sei es, gewohnte Pfade zu verlassen.

Auch neu und ganz coronakonform: Jeder Schauspieler bekommt sein eigenes Schminktäschchen. Für den jeweils richtigen Inhalt sorgt Maskenbildnerin Wiebke Quenzel.

Kragh, der den Entwurf des Bühnenbildners technisch umsetzt und zudem für den Auf- und Abbau der Spielstätte verantwortlich zeichnet, nickt. Aktuell arbeiten zwischen zehn und 15 Personen im Amphitheater, kurz vor der ersten Premiere sind es einige mehr. Maskenpflicht, Abstandsregeln – all das musste Kragh in den Arbeitsschutz integrieren.

Mehr Räume, neue Abläufe und ein motiviertes Team

Im Hintergrund hat in den vergangenen Wochen auch Petra Gismann gewirbelt. Sie ist die neue Verwaltungsleiterin der Brüder-Grimm-Festspiele, hat das Controlling unter sich. Seit Februar 2020 ist sie an Bord „und damals direkt mit den Festspielen in den Lockdown gegangen“, wie sie beim Video-Interview berichtet. Gismann ist seit 35 Jahren in Frankfurt zu Hause, war hier viele Jahre Geschäftsführerin am Stalburg Theater, das unter anderem für das Festival Stoffel, eine vierwöchige Freiluft-Veranstaltung im Günthersburgpark, bekannt ist.

„Wir mussten auf zusätzliche Räume ausweichen“, erzählt Gismann. Zusätzlich zur Remise, wo bisher Schneiderei und Maske untergebracht waren, darf das Team jetzt auch den Kassettensaal nutzen. Die Wege seien länger geworden, die Abläufe neu, „aber alle sind hoch motiviert bei der Sache“, lobt Gismann.

Stücke müssen wegen Corona-Bedingungen umgeschrieben werden

Auch die Stücke seien angepasst, teilweise umgeschrieben worden, sagt Quenzel. „Das klingt einfach, ist aber umfassend.“ Vor allem, wenn Kostüme gewechselt werden müssen. „Wir können nicht mehr mit drei Leuten beim Umzug helfen. Der Schauspieler muss sein Kostüm selbst mit wenig Hilfe tauschen können. Da sind alle gefragt.“

Umgezogen: Die Anprobe der Kostüme findet in diesem Jahr im Kassettensaal statt. Hier gibt es genug Platz.

Kragh musste dafür sorgen, dass auch Backstage genug Platz ist. „Das war sehr schwierig“, räumt er ein. Zu den 25 Containern kommen in dieser Saison sechs zusätzliche direkt an der Bühne. Die Schauspieler sind hier alleine, maximal zu zweit, Maskenpflicht inklusive. Im Teehaus, wo sonst nur Maske und Kostüme untergebracht sind, ziehen diesmal – weil kein Platz für weitere Container ist - temporäre Gruppen wie zum Beispiel Orchester fürs Musical ein. Näharbeiten wurden ins Home Office verlagert.

Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau: Proben haben begonnen

Neue Räume mussten auch für die Proben her, die Ende der Woche begonnen haben, denn die in der Paradiesgasse waren deutlich zu klein. Die Stadt stellte dem Schauspiel-Ensemble das alte Kanzleigebäude am Schlossplatz zur Verfügung, das Musicalensemble probt wie bisher auch im Herbert-Dröse-Stadion.

„Es ist wichtig, dass wir arbeiten können, dass die Festspiele stattfinden können“, sagen Quenzel und Gismann. „Aber man wird auf der Bühne natürlich sehen, dass Corona ist“, ergänzt Knud Kragh, der auch den Einsatz von Schnelltests im Auge hat. Ihm und seinen beiden Kolleginnen ist wichtig, dass die Hanauer wissen, „dass jeder einzelne im Team sehr intensiv daran arbeitet, dass der Geist der Brüder-Grimm-Festspiele trotz Corona erhalten bleibt“.

Von Yvonne Backhaus-arnold

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