Theater

Corona-Theater „Hanauer Dialoge“ kann nur bedingt überzeugen

Seline Goetz und Mark Brauneis brachten als Autoren und Regisseure die Hanauer Dialoge auf die Bühne.
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Seline Goetz und Mark Brauneis brachten als Autoren und Regisseure die Hanauer Dialoge auf die Bühne.

Hanau – Wenn die Coronapandemie schon weltweit tobt, warum sie nicht auch zum Thema auf der Bühne machen. Das hat sich wohl das Ensemble des Hanauer Traumtheaters gedacht und Bedenkenswertes aus diesem Themenspektrum in einer komödiantischen Szenencollage unter dem Titel „Hanauer Dialoge“ zusammengefasst.

Am Freitagabend war das Stück aus der Feder der Ensemblemitglieder Mark Brauneis und Seline Goetz, die auch Regie führten, auf der Bühne des Amphitheaters im Rahmen der Kulturreihe „HanauDaheim“ zu sehen.

Natürlich unter Wahrung des Mindestabstandes. Sehr locker gestellt die Stuhlreihen, dazwischen Bierkastentischlein als Ablage für die Getränke, ein zunächst etwas ungewohntes Ambiente, von dem aus sich der Blick auf die Bühne bot. Ausgestattet mit Sesseln wie für eine Talkshow, einem Himmelbett in Weiß, einem 15 Meter langen Tisch mit schwarzem Tischtuch im Hintergrund. Dann die Anmoderation mit den Hinweisen auf den Image-film und die Sponsoren. Kameragerecht aufgearbeitet für die Übertragung per Internet in die Hanauer Wohnzimmer.

Denn auch dort ist die Theateraufführung, wie die vielen anderen Events auch, in Echtzeit mitzuerleben. Bis Samstagmittag waren es 229 Zuschauer, die sich das Theaterspiel „daheim“ angeschaut hatten. Und für die Zuschauer zu Hause wird dann auch eine Applausprobe gemacht. Denn die Menschen auf der Couch sollen sich gleich von Anfang an in einer bestens gelaunten Atmosphäre wähnen. Vier Kameras sorgten für den Überblick über das Bühnengeschehen auf den heimischen Monitoren.

Theater mit Abstand: Im großen Rund des Amphitheaters kann das problemlos umgesetzt werden.

Und über die Sicherheitsstandards macht sich auch das Hanauer Traumtheater so seine Gedanken und bedient sich dazu einiger der Figuren, die in den vom Traumtheater bereits inszenierten Stücken vorgekommen sind. Vorwiegend Filmstoffe wie „Ein Fisch namens Wanda,“ „Bram Stoker´s Dracula,“ oder „Das Bildnis des Dorian Gray,“ der sich allerdings keineswegs um Abstandsregeln kümmert und seinen Hang zur Körperlichkeit mit seiner Geliebten Sibyl genüsslich auf offener Bühne auslebt.

Aber auch Hollywood, wo Unmögliches in Filmen möglich wird, stößt an seine Grenzen, wenn das Virus grassiert. Wie soll Graf Dracula seine Liebste zur Untoten machen, ihr also in den Hals beißen, wenn er den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten muss? Und die Vertreibung des Blutsaugers scheitert, weil die Vampirjägerin das Weihwasser mit dem Fläschchen Desinfektionsmittel verwechselt.

Der Blick in andere Sphären – er ist auch nicht möglich. Denn Seancen ohne Händchen halten, darauf lässt sich kein Geist ein. Eine unsichere Zeit eben, in der andere Geister Morgenluft wittern. Wie der „Kinzigtalkanzler,“ der still und heimlich seine Exilregierung zwischen Maintal und Schlüchtern installiert hat, sich seiner intensiven Kontakte zu außerirdischen Intelligenzen rühmt und schon genau weiß, wie der bevorstehenden neuen Infektionswelle zu begegnen ist. Womit dann auch die Verschwörungstheoretiker im Rahmen einer Talkshow auf der Bühne satirisch thematisiert waren.

Talkshow mit dem Kinzigtalkanzler: Auch Verschwörungstheoretiker hatten ihren Platz bei den „Hanauer Dialogen“ rund um das Thema Corona.

Und auch für die Einhaltung der Abstandsregeln fand das Ensemble am Schluss die eingängige Maßgabe. Da kam er dann zum Einsatz, der 15 Meter lange Tisch. Und das Ensemble untermalte allgemein verständlich, was Bayerns Staatsminister Aiwanger vor kurzem etwas weniger verständlich mit den Kumpels am Biertisch zu erklären versuchte.

Das war durchaus lustig. Doch das Versprechen, dass die „Hanauer Dialoge“ ein Feuerwerk an Gags biete und dass dabei kein Auge trocken bleibe, das flackerte hin und wieder kurz auf, um genauso schnell wieder zu verlöschen und in Textpassagen zu münden, die eher für Fragezeichen in den Gesichtern mancher Zuschauer sorgten. Ganz rund jedenfalls wirkten die „Hanauer Dialoge“ nicht.

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