Für Auftritte ein altes Radio zum Verstärker umgebaut

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Kinder wie die Zeit vergeht: Die "Rock Players" anno 2009 (von links) Volker Giese, Karl-Heinz Weihs, Jacky Höhn, Timi Giese und Hans-Joachim Giese.

Steinheim - Die alte Weisheit, dass die Zeit nicht stehen bleibt, sie trifft auch auf die vor 50 Jahren in Steinheim gegründete Band „Rock Players“ zu. Von Dieter Kögel

Doch wenn die Herren der „Generation 60Plus“ im Keller vom Gitarristen Hans-Joachim Giese am Laubersberg mittwochs die Instrumente zur Probe für das im März stattfindende Geburtstagskonzert in Hainstadt auspacken, dann merkt man den Musikern ihr Alter nicht an. Rock'n'Roll hält scheinbar jung, die Finger huschen zu den Gitarrensoli wie eh und je über die Bünde und die Pianoparts machen den Liedern aus der Ära Elvis und Fats Domino alle Ehre. Auch wenn Karlheinz Weihs (Gitarre, Gesang), Hans-Joachim Giese (Gitarre), Jacky Höhn (Gesang), Volker Giese (Bass), Paul Musch (Schlagzeug) und Enkel Timi Giese (Keyboard) heute nur noch aus Spaß an der Freude Musik machen.

Das war nicht immer so. Vor mehr als 50 Jahren schlossen sich Hans-Joachim Giese, Karlheinz Weihs und Paul Eppert zu den „Moonlight Boys“ zusammen, unterhielten mit Tanzmusik und Schlagern. Erst in den späten 50er Jahren kam die Umorientierung. Und mit der Umstellung des Repertoires auf Rockmusik, der Erweiterung des Ensembles und der Reform der Instrumentierung - Karlheinz Weihs musste vom Akkordeon auf Gitarre umsteigen - kam auch der Name „Rock Players“, der bis heute Programm ist. Auch wenn sich der eine oder andere deutsche Schlager aus jener Zeit in das Repertoire geschlichen hat. Jedenfalls bewährte sich die Gruppe zu ihrer Premiere bei einem nachmittäglichen Tanztee in Klein-Krotzenburg bestens, erinnern sich die Gründungsmitglieder. Bald waren alle Getränke ausverkauft gewesen, der Wirt hoch zufrieden, zur Gage von zwei Mark pro Musiker gab es sogar noch ein Gratisessen und die Einladung zu weiteren Auftritten.

Der Weg dahin war freilich nicht einfach. Die Bandmitglieder erinnern sich lachend daran, wie die gebrauchte Pauke mit dem Fahrradanhänger am Moped abgeholt oder die Gitarre bei einem Mittelbuchener Gitarrenbauer erstanden wurde. Die nötige Technik für die Auftritte, sie war zu jenen Zeiten schier unerschwinglich. Um die 2200 Mark hätte die Band für einen Verstärker auf den Tisch legen müssen. Aber die Band wusste sich zu helfen und konstruierte ein altes Radio zum Verstärker um.

Hans-Joachim Giese war es auch, der mit bastlerischem Geschick und technischem Verständnis ein Echogerät für die elektrische Gitarre konstruierte. So ausgerüstet wagten sich die „Rock Players“ schließlich auch „in die Höhle des Löwen“, nach Hanau, wie sie sagen. Im „Goldenen Fass“, im CT Kaffee, in der Tanzschule Berné, im großen Saal der Polizeisporthalle und in der Stadthalle gastierte die Steinheimer Band, zu der mittlerweile Jacky Höhn als Sänger und Keyboarder sowie Volker Giese als Bassist gestoßen waren. Mit Paul Musch ersetzten die „Rock Players“ schließlich ihren Schlagzeuger Paul Eppert, der zum Wehrdienst musste.

Die Karriere der „Rock Players“ ging weiter, sie kannten die Hanauer Szene und die Hanauer Szene kannte sie. Selbst vor den amerikanischen Soldaten bestanden die jungen Musiker, die sich schließlich auch schwarze Anzüge zugelegt hatten, um ihre Optik aufzuwerten. Lediglich Bandleader Karlheinz Weihs steckte im Glitzerfrack.

Das Ende der Musikkarriere kam im Jahr 1971. Beruflich orientierte man sich neu, und auch der Enthusiasmus war nicht mehr derselbe, meint Hans-Joachim Giese: „Man spielt ja schließlich immer wieder das gleiche.“ Doch der Abschied von den professionellen Auftritten bedeutete keineswegs das Ende der Band. Rund Geburtstage, silberne Hochzeiten und ähnliche Anlässe brachten die Musiker immer wieder zusammen. 1997 wurde sogar gemeinsam in einem Tonstudio gearbeitet, und beim Bundesäppelwoifest rockten die Musiker rund 800 Besucher. Beim Geburtstagskonzert für enge Freunde und Fans wollen die „Rock Players“ zeigen, dass sie es noch drauf haben. „50 Jahre Rock Players - Und kein bisschen leise“ ist das treffende Motto.

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