Nachbarschaftshilfe, Bücherschrank und Theatergruppe

Aufwertung des Freigerichtviertels: Stadtteilwerkstatt präsentiert Mitmachvorschläge

Das Freigerichtviertel soll aufgewertet werden. Dazu gibt es einige Ideen. 
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Das Freigerichtviertel soll aufgewertet werden. Dazu gibt es einige Ideen.

Die Aufwertung des Freigerichtviertels als Wohnstandort ist nicht nur Ziel der städtebaulichen Förderung durch das Bund-Länder-Programm „Sozialer Zusammenhalt“ (vormals „Soziale Stadt“). Darüber hinaus geht es Quartiersmanagerin Ann-Christian Dwight darum, dass Bewohner selbst die Initiative ergreifen, um die Straßen und Plätze zwischen Dunlop und Ehrensäule sowie zwischen Leipziger Straße und Hauptfriedhof mit Angeboten für die Freizeit attraktiver zu machen.

Hanau – Sowohl die ersten Gestaltungsskizzen für ein Verkehrskonzept als auch Mitmachvorschläge für die rund 3500 Menschen dort standen laut Mitteilung der Stadt Hanau kürzlich im Mittelpunkt der zweiten Stadtteilwerkstatt.

Die Bürgerbeteiligung lief per Videokonferenz. Dabei dankte Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) für die Quartiersarbeit und begrüßte den von Dwight in Spiel gebrachten Vorschlag, eine Nachbarschaftsinitiative aufzubauen. Mit solchen habe die Stadt Hanau in mehreren Stadtteilen als „Instrument des Zusammenhalts“ gute Erfahrungen gesammelt.

Das zuständige Amt im Rathaus sei beim Aufbau gerne behilflich, auch was ein ebenso erwünschtes Repair-Cafe angehe. Dwight kann sich vorstellen, dass in Handarbeit geschickte Frauen anderen Menschen im Viertel helfen, Kleidungsstücke auszubessern und mit Häkel- oder Stricknadel Neues entstehen lassen. Eine Gegenleistung dafür könnte etwa in einer Fahrradreparatur bestehen, wofür im Stadtteilzentrum bereits in Ansätzen eine Werkstatt besteht.

Dwight will auch die Theaterarbeit „schmackhaft machen“, wie sie sagte. Sie stellt sich „Schnupper-Workshops“ vor, um Schritt für Schritt eine Laienspielgruppe zu entwickeln. Der interkulturelle Dialog werde hierbei gefördert. Das beginne schon mit dem Herstellen von Kostümen und Requisiten für die Bühne, wobei Menschen aus dem Quartier helfen könnten.

Ihrer Aufforderung, Kopfbedeckungen und ausrangierte Kleidungsstücke bei ihr im Quartiersbüro, Freigerichtstraße 67, z 06181 9884834, vorbeizubringen, wollte eine Teilnehmerin an der Stadtteilwerkstatt als Erste rasch nachkommen.

Dwight gab auch eine Anregung aus der Bürgerschaft weiter, einen öffentlichen Bücherschrank aufzustellen. Der Standort könnte an der Anne-Frank-Schule oder vor dem Quartiersbüro sein. Aus den Reihen der Werkstatteilnehmer kam ergänzend die Idee, den Bücherschrank zusammen mit Firmen und deren Auszubildenden zu bauen.

Die Quartiersmanagerin informierte, dass es ab 2021 einen Verfügungsfonds über 3000 Euro gebe, um Einzelpersonen, Vereine und Institutionen aus dem Viertel zu unterstützen, die Ideen für die Gemeinschaft umsetzen wollen. So meinte ein Teilnehmer, der Bücherschrank lasse sich durch einen unentgeltlichen Mini-Flohmarkt ergänzen.

Beim Aufbau von Nachbarschaftshilfen und der Theaterarbeit profitiert die Stadt Hanau von einer zusätzlichen Finanzhilfe des Landes Hessen.

Denn seit September 2020 können neben dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“ Mittel für die Gemeinwesenarbeit eingesetzt werden, um zusätzliche soziale Projekte anzustoßen und umzusetzen. Einen entsprechenden Antrag bewilligte das hessische Ministerium für Soziales und Integration für die Dauer von fünf Jahren. Dabei steuert das Land 90 Prozent der benötigten Mittel und die Stadt Hanau zehn Prozent.

Menschen aus dem Freigerichtviertel kritisierten bei der Stadtteilwerkstatt, dass die Straßenbeleuchtung an vielen Stellen nicht hell genug sei und dass Mieterprobleme mit einer Wohnungsbaugesellschaft nicht ernsthaft genug behoben würden. Die Quartiersmanagerin versprach Unterstützung. Für eine bessere Kommunikation kündigte Dwight über die üblichen Kontaktmöglichkeiten hinaus einen Stadtteil-Briefkasten an ihrem Büro an und eine Auftaktveranstaltung zum Stärken der Nachbarschaftshilfe.

Was Verkehrsfragen anging, diskutierten die Werkstatt-Teilnehmer vor allem über Vor- und Nachteile von Bewohner-Parkausweisen und über die unterschiedlichen Modelle des Quartiersplatzes an der Kreuzung Alfred-Delp-Straße/Leipziger Straße – eine durchgehende autofreie Variante und eine, wo die Stadtbusse den Platz durchqueren und die Haltestellen für mehrere Buslinien am nördlichen Platzrand gebündelt würden.    das

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