„Full Bucket Music“

Ausgezeichnete Soundeffekte aus Hanau: Amateurmusiker Björn Arlt digitalisiert Synthesizer

Umgeben von Synthesizern und Computern: Björn Arlt in seinem Studio.
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Umgeben von Synthesizern und Computern: Björn Arlt in seinem Studio.

Der Hanauer Björn Arlt baut – einfach gesagt – Synthesizer, wie Musiker sie auf der Bühne nutzen, auf dem Computer nach und stellt sie als Freeware ins Netz. Das Projekt von Björn Arlt ist im Internet unter „Full Bucket Music“ zu finden und in der Szene über Deutschland hinaus bekannt.

Hanau –Einige der digitalisierten Synthesizer sind im Original nur noch gebraucht oder zu horrenden Preisen erhältlich. Bei Full Bucket Music können sich Musiker aus aller Welt die Soundeffekte nun kostenlos als Plug-in auf ihre Computer laden. Hier findet sich beispielsweise die legendäre KORG 3000er-Reihe, die Arlt 2017 fertiggestellt hat. Für den neuen WhispAir, ein Software-Instrument für Microsoft Windows und Apple, hat Björn Arlt in der diesjährigen „KVR Developer Challenge“ den ersten Preis geholt. KVR Audio ist eine globale Online-Community, die vor etwa 20 Jahren im kalifornischen Woodside gegründet worden ist. KVR fokussiert sich ganz auf Musik- und Audio-Software-Technologien.

Wie kommt man aber auf Idee, Synthesizer zu programmieren und so viel Zeit mit einem Projekt zu verbringen, um andere Musiker glücklich zu machen? „Ein bisschen verrückt ist es schon“, sagt Björn Arlt. „2010 habe ich mir gedacht, bau doch mal den Synthesizer als Software-Version, den du gerne hättest. Die Rechner sind schnell genug, und da hab ich mir den ersten Synthi, den ,Blooo’, selbst ausgedacht und zusammengeschraubt. Dann dachte ich mir: Eigentlich könntest du das den Leuten auch als Freeware anbieten.“

Vor ein paar Jahren hat Arlt dann einen Donate-Button installiert. „Ja, da kommt schon was rein, aber leben könnte ich davon nicht. Was mich antreibt, ist sicher das, was man in der Motivationsforschung ,Mastering’ nennt. Ich will immer besser werden.“ Der zweite Aspekt ist der spannende Austausch mit Musikern aus der ganzen Welt. Die Community unterstützt die Projekte, indem sie Klangbeispiele von Synthesizern als Audiodateien an Arlt sendet. Zudem kommen viele Vorschläge und Ideen für neue Projekte in Hanau an.

Wenn Björn Arlt also Synthesizer neu digital programmiert, dann beginnt er zunächst, die Bedien-Oberfläche, die Regler und Knöpfe im Computer grafisch abzubilden. Nach und nach werden die verschiedenen Soundeffekte zugeordnet, und immer wieder muss alles überprüft und getestet werden. „Man glaubt gar nicht, wo sich überall Fehler einschleichen können. Mal drehen die Knöpfe in die falsche Richtung, mal bedient ein Regler zwei Effekte.“

Ist der 53-Jährige zufrieden, wird das vollständige Musikprojekt zum einfachen Download „verpackt“. Dazu schreibt Arlt ein Manual, das ein Freund beispielsweise ins Französische übersetzt. Anschließend geht es meist in die Überarbeitung, dann kommen Fragen, Verbesserungsvorschläge und auch Fehlermeldungen, so Arlt.

Mit seinem sehr speziellen Hobby verbindet der Hanauer zwei Dinge, die ihn seit seiner Jugend begeistern: Computer und elektronische Musik. 1979, auf einer Fahrt nach Südfrankreich, hörte er als Elfjähriger eine Kassette mit Songs von Eberhard Schöner – und war elektrisiert. Schon als Schüler hat Björn Arlt elektronische Instrumente gebaut. Heute steht der Amateurmusiker mit der Parkhausband Jaccid als Sänger und am Keyboard auf der Bühne. Zu Hause nimmt er auch gerne die Gitarre zur Hand. Sein Lieblingsinstrument ist zurzeit die Lap-Steel-Guitar, die einen Hauch von Country-Flair verbreitet.

Das Regal in Arlts Reich ist gut bestückt mit älteren und neuen Synthesizern. Manchmal, nach entspannenden Spaziergängen, habe er Ideen für eine Melodie und die könne er mit „echten“ Geräten schnell und einfach ausprobieren und auch speichern. „Da fahre ich keinen Computer hoch“, sagt der IT-Experte, der nach dem Abitur an der Otto-Hahn-Schule Informatik studierte.

Arlt ist von Beruf Programmierer und zertifizierter Software-Architekt, er arbeitet im medizinischen Bereich. Nicht immer lässt sein Beruf den Raum, die vielen Ideen bis spät nachts umzusetzen. „Unsere Systeme müssen einwandfrei laufen. In dringenden Fällen, wenn Patientengefährdung angezeigt wird, sind wir rund um die Uhr und am Wochenende gefordert.“

Von Ulrike Pongratz

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