Meister-Schüler sichern archäologische Funde

Bagger fressen sich in den Freiheitsplatz

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Historische so genannte Buckelsteine, die von der früheren Stadtbefestigung stammen, sollen in den neu gestalteten Freiheitsplatz integriert werden.

Hanau - Große Bagger sind seit dieser Woche auf dem Freiheitsplatz am Werk. Der Aushub von Hanaus größter Baugrube hat begonnen. Bis 2015 soll dort bekanntlich das Einkaufs- und Bibliothekszentrum „Forum Hanau“ entstehen. Von Christian Spindler

Historische so genannte Buckelsteine, die von der früheren Stadtbefestigung stammen, sollen in den neu gestalteten Freiheitsplatz integriert werden.

Letzte Woche wurden archäologische Funde gesichert. Dabei waren Schüler der Meisterklasse Landschafts- und Gartenbau der Hanauer Eugen-Kaiser-Schule am Werk, unterstützt von Lehrlingen des städtischen Eigenbetriebs Grün. Sie bauten historischen Zeugnisse aus, die im Zuge der archäologischen Grabungen zu Tage gekommen waren (wir berichteten). Dazu zählen eine Schießscharte der früheren Stadtbefestigung, verschiedene so genannte Buckelquader mit alten Steinmetz-Zeichen und Stützpfeiler des 1530 erbauten Hanauer Zeughauses. Außerdem wurden Reste der im einstigen Wassergraben gefundenen Palisadenstämme aus der Erde gezogen. Die Fichten- und Birkenstämme sollen nun genauer untersucht werden, um festzustellen, wann sie für den Bau der Befestigungsanlage geschlagen wurden.

Teile einer mittelalterlichen Straße vor der Altstadt waren bereits im vergangenen Dezember von der Eugen-Kaiser-Schule ausgebaut und gesichert worden. An der einzigen in Hessen zertifizierten Schule für Landschafts- und Gartenbau werden auch die bis 700 Kilogramm schweren Basalt- und Sandsteinkolosse zwischengelagert. Die mittelalterliche Straße, die Schießscharten und die Buckelquader sollen in „archäologischen Fenstern“ auf dem künftigen Freiheitsplatz integriert werden.

Bruchsteine für die Fasanerie-Mauern

Ein Teil der auf dem Freiheitplatz abgetragenen Bruchsteine wird im Klein-Auheimer Wildpark verwendet.

Einige der Funde werden außerdem ins städtische Museumsdepot, zum Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden und in einen neu entstehenden Lehrgarten der Eugen-Kaiser-Schule gebracht. Ein Teil der freigelegten alten Bruchsteine vom Freiheitsplatz geht auch nach Klein-Auheim. Der dortigen Wildpark „Alte Fasanerie“ wird sie verwenden, um immer wieder auftretende Schäden an der historischen Fasanerie-Mauern zu reparieren.

Bis Ende Juli soll die Baugrube auf dem Freiheitsplatz ausgehoben sein, dann kann der Bau des Einkaufszentrums nebst Tiefgarage beginnen. „Derzeit werden Kellerreste des früheren Karstadt/Barthel-Komplexes beseitigt“, erläuterte der Projektsteuerer der Stadt, Marcus Hergenröther, vor Ort die Baggerarbeiten. Die Riesen-Baugrube wird mit Dichtwänden gesichert. Dafür fanden gestern bereits etliche Bohrungen statt.

60 Laster transportieren täglich den Aushub weg

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Für den Aushub der Baugrube müssen 100.000 Kubikmeter Erdreich bewegt werden. Das wird von täglich bis zu 60 Lkw abtransportiert. Grundwasser soll über eine Rohrleitung in die Kinzig abgepumpt werden.

Für den Bau der fünf Gebäude des „Forums Hanau“ wendet Innenstadt-Investor HBB aus Hamburg rund 200 Millionen Euro auf. Die Stadt investiert in die Neugestaltung des Freiheitsplatzes, angrenzender Bereiche sowie in den Bau eines neuen Busbahnhofs auf dem Freiheitsplatz knapp 16 Millionen.

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