„Bald neues Vorstandsteam“

Hanau ‐ Der am Montagabend mit sofortiger Wirkung erklärte Rücktritt Matthias Jägers vom Amt des Vorsitzenden wird die Hanauer CDU wohl nicht in eine Führungskrise stürzen. Von Dirk Iding

Schon in der nächsten Woche werde sich der Parteivorstand erneut treffen, um über die Wahl eines neuen Vorstands zu beraten, die bei einer Mitgliederversammlung am 24. November erfolgen soll, teilte gestern die stellvertretende Parteivorsitzende Monika Klosson mit: „Ich bin zuversichtlich, dass der Stadtverband künftig von einem engagierten Vorstandsteam geführt wird, dem sowohl bisherige als auch neue Vorstandsmitglieder angehören werden.“

Als mögliche neue Vorsitzende wird die Klein-Auheimer Beamtin Doris Reitz-Bogdoll gehandelt, die dem Vorstand der Hanauer Union seit drei Jahren als Beisitzerin angehört. Im Gespräch mit unserer Zeitung ließ die 51-Jährige gestern zwar Bereitschaft zur Übernahme von mehr politischer Verantwortung durchblicken, wollte sich zur möglichen Übernahme des Parteivorsitzes aber noch nicht konkret äußern.

Nicht kommentieren wollte Reitz-Bogdoll auch den Inhalt des offenen Briefes, mit dem Jäger seinen Rücktritt begründet hatte. Reitz-Bogdoll: „Für die Hanauer CDU gilt es jetzt, den Blick nach vorne zu richten.“

In seinem offenen Brief hatte Jäger in einem „Rundumschlag“ mit Ausnahme von Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Scheuermann nahezu jede namhafte Persönlichkeit der Hanauer CDU, von Alt-Oberbürgermeister Helmut Kuhn über den ehemaligen Stadtrat Rolf Frodl, die früheren Parteivorsitzenden Ludger Wösthoff und Christian Gössl, den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Franz Ott, dessen Amtsnachfolger Dieter Hog bis hin zum Landtagsabgeordneten Aloys Lenz heftig kritisiert. Bei diesen Politikern, so Jäger, stehe nicht die politische Arbeit für die Menschen in unserer Stadt im Vordergrund, „sondern Machterhalt ohne politische Verantwortung“. Reitz-Bogdoll warf Jäger in seinem Schreiben vor, hinter seinem Rücken den Parteivorsitz angestrebt zu haben.

Jäger stehe mit seiner „Abrechnung“ allein da

Auch Fraktionschef Dieter Hog ging in seiner Stellungnahme nicht auf einzelne Punkte der „Jäger-Abrechnung“ ein. Der Vorstand habe am Montagabend den offenen Brief des ehemaligen Parteivorsitzenden zur Kenntnis genommen und einhellig festgestellt, „dass Jäger mit dem Inhalt dieses Schreibens allein und völlig isoliert dasteht,“ so Hog.

Dass Matthias Jäger aber auch bereits zuvor im Vorstand der CDU so gut wie keinen Rückhalt mehr hatte, betonte der Hanauer CDU-Landtagsabgeordnete Aloys Lenz auf Nachfrage: „Mit seinem Rücktritt ist Jäger einer Nichtempfehlung des Vorstandes für eine weitere Amtszeit als Vorsitzender zuvorgekommen.“ Zu groß sei die Enttäuschung gewesen, dass von Jäger beispielsweise keinerlei Initiativen zu einer dringend nötigen Restrukturierung der Hanauer CDU ausgegangenen seien, so Lenz.

Am 24. November steht die obligatorische Mitgliederversammlung der Hanauer CDU an. Fraktionschef Hog sieht trotz all der Turbulenzen „Partei und Fraktion in einem schnell fortschreitenden Einigungsprozess mit klaren Strukturen und politischen Zielen.“ Die CDU, so Hog, sei auf dem Weg zu neuer Stärke und werde sich darin nicht beirren lassen.

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