Eva Bauer hat sich einer alten Handwerkskunst verschrieben: Sie ist Silberschmiedin

Herz aus Hämmern und Eisen

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Mit einer Feile bearbeitet Silberschmiedin Eva Bauer die Kanten eines kleinen Silberbechers. Die Oberfläche des Gefäßes wird indes mit Planiereisen und Hammer geglättet. Die Hammereinschläge, die weiter zu sehen bleiben, künden vom Entstehungsprozess des Werkstücks.

Klein-Auheim - Immer wieder lässt Eva Bauer den Kopf ihres Hammers auf die Schale niedergehen. Kraft- und zugleich gefühlvoll bearbeitet sie das Material, das sie Schlag um Schlag dazu bringt, seine silbrige Strahlkraft zu entfalten. Von Laura Hombach 

Was anfangs ein matt schimmerndes Silberblech war, ist in vielen Stunden Arbeit unter den Händen der 37-Jährigen zu einem edlen Behältnis geworden. Eva Bauer ist Silberschmiedin. Gelernt hat sie ihr traditionsreiches Handwerk an der Hanauer Zeichenakademie. Heute arbeitet sie in ihrer eigenen Werkstatt in Klein-Auheim. „Mich hat die Dimension gereizt, Großes zu schaffen“, erklärt Bauer, weshalb sie sich bewusst für den Beruf der Silberschmiedin entschieden hat. Denn von den Schmiedekollegen mit dem Gold im Namen unterscheidet sich der Silberschmied nicht etwa durch das verwendete Material, sondern vielmehr durch die Arbeiten, die in seiner Werkstatt entstehen. Während der Goldschmied sich auf die Fertigung von Schmuck spezialisiert, umfasst der traditionelle Aufgabenbereich des Silberschmieds die Herstellung von Geschirr und sakralen Kirchengegenständen. Kelche, Kannen, Schalen, Besteck und mehr gehören zu seiner Produktpalette.

Zunächst geschmolzen und dann in eine Rundstab-Form gegossen wird das Silber, aus dem später ein Löffel geschmiedet wird.

Am Anfang jeder Arbeit steht dabei zunächst eine technische Zeichnung und später – je nach Bedarf – ein aus Papier, Holz, Gips oder einem weniger edlen Metall angefertigtes Modell. Eine mitunter langwierige Phase, die für Bauer aber durchaus ihren Reiz hat. „Ich finde es toll, ein Stück von der Entwicklung der Idee bis zur Umsetzung zu begleiten.“ Gearbeitet wird - soweit möglich - aus einem Stück, das durch Ausschmieden in die gewünschte Form gebracht wird, erklärt Bauer den Arbeitsprozess. Auf ein angespitztes Aufziehholz gelegt und Schlag um Schlag in die Höhe geschmiedet entsteht so aus einem runden Silberblech ein Becher oder ähnliches. Ist die Form perfekt, geht es an die Gestaltung der Oberfläche.

Auch hierfür greift Bauer erneut zum Hammer. Unter Zuhilfenahme eines Planiereisens wird die Oberfläche per Hammerschlag geglättet und - so gewünscht - zum Glänzen gebracht. „Viele verschiedene Hämmer und Eisen sind das Herz einer großen Silberschmiede“ sagt Bauer. Und so greift sie auch häufiger mal zur Flex, um sich für ihr aktuelles Werkstück erst einmal das passende Planiereisen anzufertigen. Dass am fertigen Stück die Spuren des Hammers noch zu sehen sind und vom Entstehungsprozess künden, ist dabei durchaus gewollt. Es ist auch ein Markenzeichen der von Eva Bauer gefertigten Schmuckstücke. Denn auch wenn sie sich für den Beruf der Silberschmiedin entschieden hat, so war für sie von Anfang an immer klar, dass sie auch Schmuck entwerfen und fertigen möchte. Derzeit macht das Schmieden von Schmuck sogar rund 60 Prozent von Bauers Schaffen aus. Vielfach sind es Auftragsarbeiten für Eheringe.

Wie werde ich..? Goldschmiedin/Goldschmied

Während dieser Schmuck-Klassiker wohl nie aus der Mode kommen wird, hat es der Silberschmied mit seinen klassischen Produkten schon schwerer. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen man beim Dinner seine Gäste mit üppigem silbernen Tafelservice beeindrucken wollte. Die traditionellen Produkte des Silberschmieds sind heute meist nur noch im kleinen Format, in Form von speziellen Bechern und Löffeln zur Kindstaufe gefragt, schildert Bauer. Sie sieht ihre Berufsgruppe deshalb in einer Phase der Neuorientierung, in der es für den Silberschmied neue Einsatzmöglichkeiten für sein Können zu entwickeln gilt. Das Experimentieren mit neuen Designs und Materialkombinationen - seien es andere Metalle oder ganz unedle Materialien wie etwa Silikon - gehört für die 37-Jährige zu dieser Entwicklung dazu, bei der die Funktionalität in den Hintergrund tritt, um den Weg für die Schmiedearbeit als Kunstobjekt frei zu machen.

Nicht genau zu wissen, wohin sich ihr Beruf einmal entwickeln wird, ist indes nichts, was die Mutter dreier kleiner Kinder schreckt. Vielmehr findet sie den Prozess spannend. „Es reizt mich, zu sehen, wohin es mit uns Silberschmieden geht.“ Denn ganz ähnlich ihrer Handwerkszunft sieht sich auch Bauer mit ihren Arbeiten noch auf dem Weg des Suchens nach einem unverkennbaren Markenzeichen, auch wenn ihre Arbeiten schon jetzt ganz deutlich die individuelle Handschrift der kreativen Silberschmiedin tragen. Neben frei gefertigten Schmiede- sowie Auftragsarbeiten bietet Eva Bauer in ihrer Werkstatt in der Klein-Auheimer Karl-Arnold-Straße 1 auch Goldschmiedekurse mit maximal vier Personen an. Weitere Infos: www.forum-objektgestaltung.de

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