Millionen Pflanzen

Baumschule von Hessen Forst in Hanau: Bedarf an Bäumen steigt immer weiter

Hand pflanzt Baum in Baumschule von Hessen Forst in Hanau
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Auf einer dünnen Sandschicht wachsen die kleinen Douglasien heran. Der Sand schützt vor Pilzbefall.

In der Baumschule von Hessen Forst in Hanau wachsen Millionen kleine Bäume. Diese werden dringend benötigt, denn der Bedarf an Bäumen steigt. Trockenheit und Schädlinge machen dem Wald zu schaffen.

Hanau – Der grüne Teppich, der sich auf dem mit Sand bedeckten Boden ausbreitet, ist zart und empfindsam. Beim behutsamen Darüberstreifen fühlen sich die kleinen Pflänzchen auf der Handinnenfläche weich und zerbrechlich an. „Das ist die Säuglingsstation unserer Waldbäume“, sagt Forstwirt Joachim Göbel. Er leitet die Baumschule von Hessen Forst, ist quasi der Vater der hessischen Waldbäume.

30 Baumarten in der Baumschule von Hessen Forst

Hier an der Rodenbacher Chaussee werden alle für den Forst relevanten Baumarten gezogen – 20 Laubbaumarten, zehn Nadelbaumarten. „Unser Schwerpunkt liegt mittlerweile auf der Eiche“, erzählt Göbel, der seit 40 Jahren bei Hessen Forst beschäftigt ist, davon 13 Jahre an der Samendarre und seit 27 Jahren in der Baumschule.

„Trauben-, Stiel- und Roteiche sind mittlerweile besonders gefragt. Aber auch Berg- und Spitzahorn, Wildkirsche oder Baumhasel und Elsbeere wachsen hier in der Baumschule heran“, erzählt Göbel. Bei den Nadelbäumen sind es die Douglasie, die Weißtanne und manche Edellaubhölzer.

Hessen Forst: Trockenheit und Schädlinge machen Baumart zu schaffen

Diese „neuen“ Baumsorten haben die alten, wie beispielsweise die Fichte, abgelöst. Denn Sturm, Trockenheit und der Borkenkäfer haben ihr in den vergangenen Jahren schwer zu schaffen gemacht.

Forstwirt Joachim Göbel inmitten junger Eichenbäume. Die empfindliche Phase haben sie gut überstanden.

Die Fichte besitzt eine sogenannte Tellerwurzel: Ihre Wurzeln befinden sich lediglich an der Oberfläche und dringen nicht tief in den Boden ein. Anders die Eiche, die eine Pfahlwurzel – vergleichbar mit einer Karotte – besitzt und damit auch in tiefere, feuchtere Erdschichten vordringen und daraus Wasser ziehen kann.

Baumschule von Hessen Forst: Bedarf an Bäumen ist höher als je zuvor

„Ganz wird sie zwar nicht aus unserer Region verschwinden, sie wird aber deutlich weniger werden. Andere Baumarten werden an ihre Stelle treten“, erläutert der Baumexperte.

Und: „Der Bedarf an zukunftsfähigen Bäumen kann momentan nicht gedeckt werden.“ In normalen Jahren benötigt Hessen Forst für den Staatswald 1,5 bis zwei Millionen Pflanzen. In dieser Saison hat allein ein Forstamt in Nordhessen zwei Millionen Pflanzen neu gesetzt.

Hessen Forst: Nach drei Jahren ziehen die Bäume in den Wald

Zu Göbels Füßen wachsen auf einem weitläufigen Feld eine gute halbe Million Traubeneichen. Noch sind sie nur wenige Zentimeter hoch und auch erst ein Jahr alt. In drei Jahren werden sie in den Wald umziehen, dann sind sie bis zu einem halben Meter groß und stabil genug für die Bedingungen, die im Wald vorherrschen.

„Die haben in der vergangenen Woche noch mal einen ordentlichen Wachstumsschub gehabt, haben den Johannistrieb aufgesetzt“, erklärt er. Die Mini-Bäume sind alle schon vorbestellt. Zusammen mit den anderen Bäumen kommt Göbel auf eine Summe von derzeit 900 000 Vorbestellungen. Denn die Baumschule an der Rodenbacher Chaussee ist die einzige staatliche Baumschule in Hessen – entsprechend groß ist die Nachfrage.

Baumschule von Hessen Forst bewirtschaftet zehn Hektar Fläche

Insgesamt bewirtschaftet die Baumschule zehn Hektar Fläche, weitere drei Hektar kommen innerhalb des Waldes für die Anzucht hinzu. Drei Festangestellte kümmern sich darum, dass die Bäume ordentlich wachsen; nach Bedarf wird das Personal mit Aushilfskräften aufgestockt. Bewässert wird mit dem Wasser aus einem Naturteich und mit Brunnenwasser.

Göbel hat eine Beziehung zu den Bäumen, die er groß zieht. „Diese Beziehung muss ich auch haben“, sagt er. „Die Saatbeete sind wie eine Art Säuglingsstation. Man muss ständig gucken, ob alles in Ordnung ist.“

Bäume müssen in Baumschule von Hessen Forst kritische Phase überstehen

Täglich schaut Göbel also nach dem Rechten, beispielsweise ob ein Pilzbefall vorliegt. Den erkennt er bei seinen Jüngsten daran, dass die Mini-Bäumchen, die als solche noch gar nicht auszumachen sind, liegen statt stehen. Dann muss gespritzt werden. Zwei- bis dreimal könne man das machen.

Dann müsse man hoffen, dass alles gut geht und der spätere Stamm, der anfangs ein hauchdünner labiler Stängel ist, schnell fest wird. „Dann ist die kritische Phase überstanden, meist sind die Bäume dann drei bis vier Zentimeter groß“, sagt er.

Saatgut für Baumschule von Hessen Forst kommt aus Hessen

In seinen Beeten herrscht eine große Vielfalt: Einjährige Roteichen wachsen beispielsweise dort heran. „Statt der sonst 10 000 vorbestellten Pflanzen sind es heuer 240 000“, sagt Göbel. Das Saatgut für die Baumschule kommt vorwiegend aus Hessen, wird von Mitarbeitern der benachbarten Samendarre gewonnen und dort gelagert.

„Laubbäume“, informiert Göbel, „wachsen deutlich schneller und sind nur ein bis zwei Jahre in der Baumschule. Nadelbäume hingegen verbringen drei bis vier Jahre bei uns.“

Hessen Forst: Bäume müssen in bestimmtem Zeitraum umgesetzt werden

Göbel zeigt zweijährige Douglasien, Schwarzkiefern im Miniaturformat, die erst dieses Jahr im Frühjahr gesät wurden sowie klitzekleine Küsten- und Weißtannen. „Sie werden, wenn sie etwas größer sind, ausgedünnt und in Reihen gesetzt, das nennt man Verschulen“, erläutert der Fachmann.

Allerdings dürfe man sich damit nicht zu lange Zeit lassen: „Wenn wir zu lange mit dem Umpflanzen warten, ist die Wurzel schon zu tief, dann klappt das mit dem Umsetzen nicht mehr“, so Göbel. Am gefragtesten ist derzeit die Traubeneiche bei den Laubbäumen und die Douglasie bei den Nadelbäumen.

Ob er manchmal in den Wald gehe und nachschaue, was aus seinen Schützlingen geworden ist? „Natürlich. Es ist schön zu sehen, wenn sie an ihrem neuen Bestimmungsort anwachsen, zu sehen, wie sie groß werden.“

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