Beim Friseur ist Geduld gefragt

Vor dem Neustart stehen die Telefone nicht still: Der März ist oft schon ausgebucht

Auch die Steinheimer Friseurin Ulrike Ebeling freut sich auf den Neustart in einer Woche.
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Auch die Steinheimer Friseurin Ulrike Ebeling freut sich auf den Neustart in einer Woche.

Noch ist es eine Woche hin, bis die Friseure aufmachen dürfen. Doch seitdem bekannt ist, dass die Branche am 1. März die Läden wieder aufsperren darf, werden die Friseursalons mit Anfragen förmlich überschüttet.

Hanau - „Nach der Bekanntgabe des Öffnungstermins hat das Telefon nicht mehr still gestanden. Ich habe außerdem fünf Tage lang selbst telefoniert und meinen Kunden Termine angeboten“, berichtet Ulrike Ebeling vom Haarstudio am Platz des Friedens in Steinheim. Und alle freuten sich, endlich wieder zum Friseur gehen zu können. „Auch wir Friseurinnen selbst sind ja förmlich verwildert“, lacht Ebeling.

Die Auflagen der Berufsgenossenschaft für den Neustrat sind noch mal höhergeschraubt worden, erläutert die Steinheimerin. „Aber wir sind alle froh, wieder arbeiten zu können.“ Im Aufenthaltsraum ihres Friseursalons darf nun nur noch ein Mitarbeiter sein. Zudem müssten die Fenster des Salons immer geöffnet sein, erklärt Ebeling. „Wir arbeiten mit FFP2-Masken. Und wir bekommen in dieser Woche noch einen Luftreiniger.“

Der Ansturm ist sehr groß

Auch der Hessische Innungsverband des Friseurhandwerks rechnet mit einem Ansturm auf die Friseurgeschäfte. „Ich gehe davon aus, dass wir im März und April gut frequentiert sind. Auch nach dem ersten Lockdown war der Andrang sehr groß“, prognostiziert Geschäftsführer René Hain. Die Betriebe erweitern laut Hain auch ihre Öffnungszeiten. „Der Montag war immer der Sonntag der Friseure. Das gilt seit der Pandemie nicht mehr.“ Zudem hätten viele Friseure auf eine Sechstagewoche umgestellt und die Öffnungszeiten verlängert, um den Kundenandrang zu bewältigen. Laut Hain geht es gerade den größeren Betrieben auch darum, durch Schichtdienst die Mitarbeiter soweit wie möglich auszulasten, da durch die Abstandsregelungen nur eine reduzierte Anzahl an Plätzen belegt werden dürfe.

„Der Ansturm auf Friseurtermine ist sehr groß, es rufen viele Kunden an“, berichtet Romy Jung vom Friseurteam Hairline im Argonner-Park in Wolfgang, wo man auch Online-Termine buchen kann. Allerdings: „Wir sind jetzt schon den kompletten März ausgebucht.“ Derzeit bringen die Mitarbeiter vor dem Neustart den Salon wieder auf Vordermann. Als Vorbereitung auf die Eröffnung unter Pandemiebedingungen werden alle Frisierplätze und Schneidewerkzeug desinfiziert. „Aber das ist ja nichts Neues, das war schon nach dem ersten Lockdown so“, berichtet Romy Jung. Durch die nochmals verschärften Hygieneregeln dürfen nur maximal elf Personen im Hairline-Salon sein –- „eine Person pro zehn Quadratmeter Ladenfläche“, so lautet die Regel. „Das sind bei uns fünf Friseurinnen, fünf Kunden plus Chef“, rechnet die Friseurin vor.

„Als ich vom Öffnungstermin am 1. März erfahren habe, ist mir ein Riesenstein vom Herzen gefallen“, freut sich der Klein-Auheimer Friseurmeister Franz-Dieter Steigler auf die Salonöffnung heute in einer Woche. „Es haben sehr viele Kunden wegen eines Termins angerufen, das Telefon hat den ganzen Tag geklingelt“, sagt er. Auch bei ihm gilt: „Die ersten beiden Wochen sind schon komplett ausgebucht“, erläutert Steigler, der darauf hinweist, dass jeder Kunde einen medizinischen Mundschutz tragen muss.

Bei aller Freude über die Wiederöffnung haben Steigler und seine Kollegen ein Problem: „Wir dürfen zwar aufmachen“, sagt er, „aber der Friseur-Großhandel hat leider weiterhin zu.“ Das ist ein Handicap, „weil wir da keine Produkte wie Haarwaschmittel, Haarfarbe, Kämme, Bürsten oder Ausrasierklingen bekommen.“ Es bleibe nur die Bestellung im Internet.

Die Hessische Handwerks-kammer wertet die Öffnung der Friseurläden ab dem 1. März als „richtigen und wichtigen Schritt“. Laut Stefan Füll, Präsident des Hessischen Handwerkstages, sind die Rücklagen der meist kleinen Betriebe aufgebraucht und staatliche Hilfen seien, wenn sie überhaupt in Anspruch genommen werden könnten, mehrheitlich noch immer nicht ausgezahlt.

Auch bei Brüning Friseure im Einkaufszentrum Rondo in Steinheim wird ein großer Kundenansturm erwartet. Auf der Ansage des Anrufbeantworters bittet man um Verständnis, dass in der ersten Zeit nach Wiedereröffnung nicht alle Terminwünsche zeitnah erfüllen werden können, zumal wegen der strengen Hygieneregeln nur jeder zweite Platz in dem Friseursalon besetzt werden darf.

(Von Holger Hackendahl)

Die notwendigen Utensilien sind einsatzbereit, wenn es am 1. März wieder losgeht.
Die Hygieneregeln für die Friseursalons wurden nochmals verschärft.

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