Erneut rund 81 000 Besucher bei Brüder-Grimm-Festspielen / Defizit durch „Weltenwandler“

Bekannte Märchen locken die meisten Zuschauer

Hat gut lachen: Intendant Engel blickt auf eine erfolgreiche Saison zurück. Foto: kd

Die Brüder-Grimm-Festspiele lockten erneut rund 81000 Besucher nach Hanau.

Hanau - Das sei, so betont er bei der Pressekonferenz im Blauen Saal von Schloss Philippsruhe, nicht bloß die Einschätzung des Kulturdezernenten, sondern decke sich mit Rückmeldungen von Zuschauern und Bewertungen der Kritiker. In Zahlen drückt sich das so aus: Exakt 81 119 Besucher sahen in diesem Jahr die Inszenierungen der 35. Brüder-Grimm-Festspiele.

Das sind zwar genau genommen 279 weniger als im Jahr zuvor. Allerdings, so der Hinweis des OB, standen 2019 zwei Vorstellungen weniger im Programm als 2018 (106 statt 108). Dass auf der Einnahmenseite trotzdem knapp 100 000 Euro fehlen, das Ergebnis demnach schlechter ausfällt als erhofft, führt Kaminsky auf folgenden Punkt zurück: Das Musical „Weltenwandler“ über Jacob und Wilhelm Grimm (20 458 Zuschauer) hat sich nicht so gut verkauft, „wie es das verdient gehabt hätte“. Die Nominierungen für den Deutschen Musical-Theater-Preis (wir berichteten) seien Beweis dafür, dass es nicht an der Qualität gelegen habe.

Während bekannte Märchen wie „Schneewittchen“ (24 788 Zuschauer) oder die „Bremer Stadtmusikanten“ (27 560) Selbstläufer sind, fallen weniger bekannte oder ganz neue Titel bei den Besucherzahlen zurück. Weil die Musical-Tickets die teuersten sind, macht sich das im Ergebnis bemerkbar. Für Kaminsky und Festspiel-Intendant Frank-Lorenz Engel dennoch kein Grund, in Zukunft auf ungewöhnlichere Inszenierungen zu verzichten.

Allerdings werden, um allgemeine Kostensteigerungen aufzufangen und die künstlerische Qualität der Produktionen weiterzuentwickeln, im nächsten Jahr die Ticketpreise angehoben. Konkret heißt das: Die Eintrittskarten für das Musical werden um 4,50 Euro teurer, beim Klassiker werden 3,50 Euro aufgeschlagen, beim Familienstück 2,50 Euro und für die Reihe „Junge Talente“ 1,50 Euro. Der Magistrat habe die Preise auch mit anderen Festspielstätten verglichen, berichtet Kaminsky. Und da liege Hanau mit dann 39 Euro für das teuerste Ticket deutlich unter Bad Vilbel, Heppenheim oder Dreieichenhain.

Weiterhin enthalten sind das RMV-Kombiticket und freier Eintritt in Grimms Märchenreich. 2020 wird es außerdem erstmals Karten im Abonnement geben. Wer Tickets für alle vier Stücke kauft, erhält 20 Prozent Rabatt und ein Vorrecht auf die besten Plätze. Für das Abonnement gibt es ein Zeitfenster Anfang Oktober vor Beginn des regulären Vorverkaufs. Weitere Neuerung: Bei allen Stücken ist 2020 eine öffentliche Generalprobe geplant – für 10 Euro Eintritt.

Das Musical „Jacob und Wilhelm – Weltenwandler“ ist im Oktober an mehreren Terminen im Kinopolis auf der großen Leinwand zu sehen – auch das eine Premiere. Zum Start des Weihnachtsgeschäfts gibt es dann die diesjährigen Inszenierungen auf DVD zu kaufen.

Derweil steckt Intendant Engel schon tief in den Vorbereitungen für die nächste Spielzeit, die am 15. Mai 2020 mit dem Musical „Das tapfere Schneiderlein“ eröffnet wird (wir berichteten). Aus diesem Märchen stammt übrigens auch die Figur des Einhorns aus dem Logo der Festspiele. Ab 6. Juni folgt „Schneeweißchen und Rosenrot“ als Familienstück mit Musik. In der Reihe „Grimm Zeitgenossen“ ist „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist (ab 23. Mai) zu sehen – von Engel als „einer der ersten Krimis“ der Literaturgeschichte bezeichnet. Viele Rezensionen hätten die Grimms über Kleists Werke geschrieben. „Ob sie sich jemals getroffen haben, wissen wir nicht“, sagt der Intendant.

Mit der vierten Produktion, dem „Rattenfänger von Hameln“ (ab 13. Juni) gehen die Festspiele neue Wege. Erstmals wird eine Sage inszeniert – mit Kindern und Jugendlichen aus Hanau als Statisten.

Von Katrin Stassig

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