Corona-Hilfspaket

Belege sammeln fürs Shoppen mit Bonus: Hauptausschuss gibt fünf Millionen Euro für Handel und Gastronomie frei

Kassenbons in Gutscheine umtauschen: Um die Konjunktur in der Grimmstadt anzukurbeln, schnürt die Stadt ein Corona Hilfspaket in Höhe von fünf Millionen Euro.
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Kassenbons in Gutscheine umtauschen: Um die Konjunktur in der Grimmstadt anzukurbeln, schnürt die Stadt ein Corona Hilfspaket in Höhe von fünf Millionen Euro.

Ab jetzt gilt es, Kassenbons zu sammeln – denn diese können in Hanau ab Donnerstag, 10. September – pünktlich zum fünfjährigen Jubiläum des Innenstadtumbaus – in Gutscheine umgetauscht werden.

Hanau – Das Bonussystem ist Teil des Corona-Hilfspakets. Fünf Millionen Euro pumpt die Stadt in Handel, Gastronomie und Vereine, um die gebeutelte Konjunktur anzukurbeln. Das Geld kann fließen, weil der städtische Haushalt für 2020 genehmigt ist und der Bund eine Absicherung der Gewerbesteuerausfälle zugesichert hat. Am Montag gab der Haupt- und Finanzausschuss, der Corona bedingt anstelle der Stadtverordnetenversammlung tagte, dafür einstimmig grünes Licht.

Denn der örtliche Einzelhandel ist durch die Pandemie arg gebeutelt. Bei der Stadt spricht man von „dramatischen Umsatzeinbrüchen, die das wirtschaftliche Überleben schwer machen“ – nicht zuletzt ausgelöst durch Online-Konkurrenz.

Also hat sich die Stadt in Kooperation mit dem Hanau Marketing Verein (HMV) ein Bonusprogramm auf Basis des seit zwölf Jahren existierenden Grimmschecks, einem stadtweiten Einkaufsgutschein, ausgedacht. „Die übergroße Mehrheit der Einzelhändler hat sich das, nach Rücksprache, gewünscht“, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Aus Grimmscheck wird für die Dauer der Aktion (bis Dienstag, 3. November) der „Prämien-Grimmscheck“. Mit ihm können bei 230 Kooperationspartnern (ausgenommen sind Lebensmittel-, Getränke- und Baumärkte sowie Drogerien) Kassenbons gesammelt und in Gutscheine umgetauscht werden.

Hanau: Ab einem Einkaufswert von 50 Euro bekommen die Bürger einen Grimmscheck

Konkret bedeutet dies, dass Bons ab einem Einkaufswert von zehn Euro gesammelt und ab einem Gesamtwert von 50 Euro gegen Grimmschecks eingetauscht werden können. Anlaufstelle für den Tausch ist der ehemalige Gerry-Weber-Shop (Nürnberger Straße 28/Ecke Rosenstraße), der seit längerer Zeit leer steht und dessen Brachfläche unter dem Namen „HanauAufLaden“ als Pop-up-Store nun wieder Leben eingehaucht werden soll. Für einen Gesamtbonwert ab 50 Euro gibt es dort beispielsweise einen Prämien-Grimmscheck in Höhe von fünf Euro; Kassenbons im Gesamtwert von 250 Euro können in einen Prämien-Grimmscheck im Wert von 50 Euro umgetauscht werden. Inhaber des Hanau Passes bekommen einmalig Grimmschecks in Höhe von 25 Euro.

Weiterhin sieht das Hilfspaket vor, über den Handel, Gastronomie und den Wochenmarkt Parkrückvergütungstickets zu einem jeweiligen Wert von einem Euro zu verteilen. Außerdem werden Rabattgutscheine für Busse im Wert von einem Euro ausgegeben.

Für Radfahrer gibt es die Möglichkeit, ihr Fahrrad kostenlos bewachen zu lassen, auf dem ausgewiesenen Parkplatz an der Langstraße hinter dem Rathaus. Zum Ende des Jahres soll dann am ehemaligen „Wolle Rödel“ am Freiheitsplatz eine gesicherte Fahrrad-Abstellanlage entstehen (wir berichteten). Darüber hinaus können sich Besucher der Hanauer Wochenmärkte in der Innenstadt und in den Stadtteilen auf eine Wochenmarkt Treue-Aktion freuen: Auf einer Treuekarte, die jeder Marktstand aushändigt, gibt es von Samstag, 12. September, bis Mittwoch, 18. November, für jeden Einkauf in Höhe von fünf Euro einen Stempel. Ein oder mehrere mit 25 Stempeln gefüllte Treuekarten (also ein Umsatz von insgesamt 125 Euro) können an einem Stand auf dem Wochenmarkt oder im Pop-up-Store „HanauAufLaden“ gegen Grimmschecks oder Einkaufsutensilien wie Beutel oder Gemüsenetz eingetauscht werden. Weiterhin werden den Marktbeschickern die Gebühren für das komplette Jahr 2020 erlassen.

Stadt Hanau will bestimmte Start-up-Unternehmen fördern

Zudem will die Stadt Start-up-Unternehmen fördern, die die Innenstadt mit neuen Geschäftsideen beleben. In leer stehenden Läden, wie jetzt dem Ex-Gerry-Weber-Shop, sollen auch Unternehmer ihre Konzepte als Pop-up-Store realisieren können; sie erhalten Beratung und gegebenenfalls wirtschaftliche Unterstützung seitens der Stadt. In Planung ist laut Vorlage zum Corona Hilfspaket das Förderprogramm für Start-up-Unternehmen auszuweiten, eine neue Homepage zum Ladenleerstandsmanagement zu generieren und Kontakte zu Immobilienbesitzern aufzunehmen. Als ersten erkennbaren Erfolg nennt die Stadt den bevorstehenden Umzug des Weinlokals „Patricias Millésimes“ von der Großen Dechanei an den Marktplatz in die Räume des ehemaligen, ebenfalls bis dato leer stehenden Dunkin’ Donut.

Weitere Mittel aus dem Hilfspaket will die Stadt nutzen, um Einzelhändler bei der nötigen Digitalisierung zu beraten. Handel und Gastronomie müssten laut Stadt „in Online-Fragen insgesamt fitter gemacht werden“. Im Lockdown habe sich gezeigt, dass hier noch Potenziale schlummerten. Die Hanau Marketing GmbH plant, einen Online-Berater zu installieren

Stadt Hanau stellt Geld für Hygienemaßnahmen zur Verfügung

Zudem sollen 50 000 Euro für Hygienechecks und Maßnahmen bei Handel, Dienstleistungen und Gastro ausgegeben werden. Bei regelmäßigen Kontrollen soll die Einhaltung der geltenden Corona-Hygienestandards überprüft und bei bestandenem Hygiene-Check eine Auszeichnung in Form von Aufkleber und Urkunde, als Wiedererkennungswert für den Kunden, verliehen werden.

Alle Initiativen und Vereine erhalten außerdem die für 2020 zugesagten Fördermittel in vollem Umfang – auch wenn die Leistungen Corona-bedingt nicht voll erbracht werden konnten oder in veränderter Form erfolgen mussten. Darüber hinaus ist die Unterstützung in Bezug auf Corona-verursachte finanzielle Einbußen vorgesehen. Im Hanauer Hilfspaket sind dafür 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Im Bereich Bildung will die Stadt 500 000 Euro investieren, um unter anderem den Hanau-Pass für Einkommensschwache neu aufzulegen und die Leistungen zu erweitern, zum Beispiel um kostenlose Teilnahme an VHS-Kursen. Die Brüder-Grimm-Bildungsoffensive wird um Bildungs- und Nachhilfegutscheine aufgestockt, zudem wird die digitale Teilhabe für alle Kinder organisiert, indem die Stadt beispielsweise den kostenlosen Internet-Zugang über W-Lan in Stadtteileinrichtungen und Quartiersbüros ermöglicht. Weiterhin will die Stadt mit Hilfsfonds Kulturschaffende unterstützen.

Weitere Meldungen aus dem Haupt- und Finanzausschuss

Am Montagabend hat aufgrund der aktuellen Entwicklung der Coronazahlen in Hanau an Stelle des Stadtparlaments der Haupt- und Finanzausschuss getagt. Alle auf der Tagesordnung stehenden Fraktionsanträge wurden aus diesem Grund zurückgezogen und werden, wegen nicht vorhandener Dringlichkeit, auf die Tagesordnung der nächsten Stadtverordnetenversammlung gesetzt.

. Neben dem Corona-Hilfspaket wurde unter anderem die Vorlage zum Kooperationsprojekt „Chance to Change“ zwischen Stadt und Schulamt einstimmig beschlossen. Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) spricht von einer „dramatischen Entwicklung“, was die Zahl nicht beschulbarer Kinder angeht und belegt dies anhand von Zahlen der vergangenen drei Jahre. So habe es im Jahr 2018 in Hanau 73 Fälle von sich nicht Gruppen-adäquat verhaltenden und damit nicht beschulbaren Jugendlichen gegeben, im Jahr 2019 bereits 105 Fälle und heuer (Stand jeweils Juni) 143. Geplant ist nun mit Hilfe von zwei Sozialpädagogen diesen Jugendlichen gemäß des Projektnamens, eine Chance zum Wandel, zu geben. „Wir wollen diesen Jugendlichen die Chance für einen Neuanfang ermöglichen“, so Bürgermeister Weiss-Thiel.

. Für die im Zuge der Neugestaltung des Platzes an der Wallonisch-Niederländische Kirche neu geschaffenen Parkflächen orientieren sich die Parkgebühren an denen der Tiefgarage „Am Markt“. Heißt: Pro fünf Minuten Parkzeit werden 20 Cent fällig; macht in der Summe pro halbe Stunde 1,20 Euro. Sascha Feldes (Grüne) dazu: „Wir halten die Parkplätze weiterhin für überflüssig.“ Seine Prognose: Der ohnehin vor allem an Markttagen vorhandene Stau vor der Tiefgarage „Am Markt“ werde sich auf den Bereich um die Wallonisch-Niederländische Kirche in Form von Parksuchverkehr ausweiten. „Wir finden das blödsinnig“, so Feldes, dessen Fraktion sich des ansonsten einstimmigen Votums enthielt.

. Als Termin für die Wahl des Hanauer Oberbürgermeisters legten die Parlamentarier den 14. März 2021, den Tag, an dem auch die Kommunalwahl stattfindet, fest. Eine mögliche Stichwahl würde auf den 28. März 2021 datieren. kb

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