Veranstalter wollen Spiele zurückbringen

Bernd Breiter und Sven Müller organisieren Großevents – Brief an Bouffier und kreative Ideen

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„Geisterparty“ in der Commerzbank-Arena: BigCityBeats ließ den DJ vom Anstoßpunkt des Fußballstadions aus Musik machen und übertrug live ins Internet. Zuschauer konnten vor Ort nicht feiern. Nur ein paar Bundesliga-Profis von Eintracht Frankfurt scharten sich um Bernd Breiter (Mitte).

Bernd Breiter und Sven Müller sind zwei Hanauer, die es verstehen, Menschen zusammenzubringen und zu unterhalten. Zu ihren Veranstaltungen kommen teilweise Hunderttausende.

Der Lockdown trifft die beiden hart. Seit Wochen sind sie, genauso wie die gesamte Veranstaltungsbranche, im Ungewissen. Während Müller sich direkt an den hessischen Ministerpräsidenten gewandt hat, sorgt Breiter mit kreativen Ideen für Aufsehen. Die Agentur „Sven Müller PR- und Live-Kommunikation“ hätte Ende April eigentlich wieder den Frühlingsball im Palmengarten mit rund 1800 Gästen veranstaltet. Auch das Familiensportfest mit rund 5000 Personen im Juli wird nicht stattfinden. Breiters Firma BigCityBeats musste den World Club Dome Anfang Juni in der Frankfurter Commerzbank-Arena, zu dem im vergangenen Jahr an drei Tagen rund 180 000 Besucher kamen, absagen. Im Juli hätte der World Club Dome eigentlich erstmals auf Malta stattfinden sollen. 

Müller hat in einem Brief an Volker Bouffier großes Verständnis für das Vorgehen der Politik gezeigt. Er wünscht sich aber auch „zügig Klarheit“. Vor allem für Berufe, die durch Veranstaltungen, Festivals, Stadt- und Straßenfeste, Firmenveranstaltungen, Hochzeiten, Galas, Bälle oder Konzerte ihre Einnahmen generieren. Der 54-Jährige schließt darin alle Dienstleister, Caterer, Dekorateure und weitere Subunternehmer ein. „Die Kernfrage lautet: Ab wann darf in welcher Größenordnung und mit welchen Auflagen gefeiert werden?“ Wie viele seiner Kollegen wartet Müller auf eine klare und verbindliche Aussage um Planungssicherheit zu haben. „Das brauchen wir dringend – auch für die eigene Motivation und die unserer Mitarbeiter und Dienstleister.“ 

Müller: „Events leben von Emotionen, Begegnungen und Botschaften.“ 

Eine Antwort hat er nach rund zwei Wochen noch nicht bekommen. „Bundes- und Landesregierung haben mit der Corona-Soforthilfe für betroffene Unternehmen einen ersten guten Schritt getan. Der Antrag wurde zügig bearbeitet, geprüft und die finanziellen Hilfen waren ein paar Tage später auf dem Konto“, findet er auch lobende Worte für die Politik, wie er auf Nachfrage des HA betont. Die Branche sei aber aufgrund fehlender Informationspolitik sehr verunsichert. „Bis letzte Woche war gar nicht klar, was erlaubt und verboten war.“ Dann hat Ministerpräsident Bouffier mitgeteilt, dass Veranstaltungen bis zu 100 Personen vorübergehend erlaubt sind, wenn die Hygienevorschriften eingehalten werden. 

Sven Müller: „Ab wann darf in welcher Größenordnung und mit welchen Auflagen gefeiert werden?“

Doch davon hält Müller nichts: „Events leben von Emotionen, Begegnungen und Botschaften. Menschen müssen dabei den Alltag, die Sorgen und Ängste vergessen können. Freude und ein gemeinsames Erleben, essen, trinken, tanzen, flirten, spielen oder kommunizieren sollten im Vordergrund stehen. Kann man das mit Schutzmaske, mit Abstand, mit diesen strengen Vorschriften? Nein!“ Ähnlich sieht er die Situation in der Gastronomie. „Leider hat die Politik nur symbolische Eckpfeiler gesetzt, um Branchen wie Gastronomie, Hotel oder Event ruhigzustellen und um sagen zu können, wir haben ja was getan.“ 

Kreativität werden bei BigCityBeats keine Grenzen gesetzt

So sieht es auch Breiter: „Am Anfang erschienen die Ansätze sehr gut. Jedoch gibt es jetzt eine Art Ernüchterung in der Entertainment-Branche.“ Wie sehr der Lockdown sein Unternehmen getroffen hat, könne er nur schwer beziffern. „Die verlorenen Wochen und Monate können nicht durch darauf folgende kompensiert werden.“ Auch Breiter zieht einen Vergleich zur Gastro-Branche: „Niemand wird sich jetzt zwei Schnitzel oder Steaks auf den Teller servieren lassen. Diese Zeit ist unwiederbringlich verloren.“ BigCityBeats generiert in diesen Wochen Einnahmen durch innovative Ideen. Breiters Unternehmen wandelt Autokinos in Clubs um und bindet Sponsoren in Live- stream-Events ein. 

Bernd Breiter: „Die verlorenen Wochen und Monate können nicht durch darauf folgende kompensiert werden.“

„Aber das ist natürlich kein Vergleich zu dem, was wir als Basis unseres Geschäfts mit Großevents erwirtschaften“, erklärt der 49-Jährige. Um den Schaden in Grenzen zu halten, sind der Kreativität bei BigCityBeats keine Grenzen gesetzt. So wurde ein Geister-World-Club-Dome veranstaltet. Breiter spricht vom ersten Stadion-Event in der Corona-Krise. In der Commerzbank-Arena stand der DJ im Mittelkreis. Zuschauer waren nicht im Stadion. Weltweit hätten rund zwei Millionen Menschen den Livestream verfolgt. Während Breiter so zumindest ein bisschen etwas auffangen kann, ist Müllers Agentur schwerer getroffen. Er verdient in der Corona-Krise so gut wie gar nichts. „Glücklicherweise habe ich noch kleine Unternehmen, die Öffentlichkeitsarbeit benötigen, aber Events sind auf null“, erklärt der gebürtige Hanauer, der zudem davon ausgeht, dass in diesem Jahr keine größeren Veranstaltungen stattfinden werden. Seinen Umsatzverlust schätzt er auf 70 Prozent. 

Arbeit an der Winter-Version des „größten Clubs der Welt“

Dennoch sei sein Unternehmen nicht von der Insolvenz bedroht. „Wer gut ist, die nötigen Rücklagen gebildet hat und einen langen Atem hat, kommt durch“, sagt er und fügt an: „Ja, ich komme durch!“ Ihm spielt in die Karten, keine festangestellten Mitarbeiter hat, sondern sich bei Bedarf freie Mitarbeiter hinzuzieht. „Deshalb halten sich die Fixkosten in Grenzen und ich musste niemanden entlassen oder in Kurzarbeit schicken.“ Auch BigCityBeats ist laut Breiter nicht von der Insolvenz bedroht: „Wir haben in der Vergangenheit gut geplant und können auch mal eine Krise durchstehen. Die Frage ist nur, wie lange sich diese Krise hinziehen wird.“ 

So lange schauen er und seine zehn Mitarbeiter, von denen lediglich zwei in Kurzarbeit sind, positiv nach vorne. Sie arbeiten an der Winter-Edition des „größten Clubs der Welt“ am zweiten Januar-Wochenende 2021 in der Düsseldorfer Merkur-Spiel-Arena. „Wir sind positiv gestimmt, dort das erste Großevent nach der Krise feiern zu können.“ Bis Breiter und Müller wieder Großveranstaltungen organisieren dürfen, wird noch viel Zeit vergehen. „Schon im alten Rom lebte man die Weisheit von Brot und Spiele. Gebt uns Klarheit und wir bringen Euch die Spiele zurück, und zwar in den festgelegten Rahmen. Was bliebe ohne schöne Konzerte, Events oder andere Festivitäten?“, appellierte Müller in seinem Schreiben an den Ministerpräsidenten abschließend.

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