„Entweder ich mach´ das so oder gar nicht“

Erst Ablehnung, dann großer Zuspruch: Die polnische Künstlerin Wanda Stokwisz (hier mit ihrem Mann) gestaltete die Apis der Steinheimer Marienkirche der Pfarrei St. Johann Baptist.
+
Erst Ablehnung, dann großer Zuspruch: Die polnische Künstlerin Wanda Stokwisz (hier mit ihrem Mann) gestaltete die Apis der Steinheimer Marienkirche der Pfarrei St. Johann Baptist.

Steinheim - Über ein Jahr lang wohnte und arbeitete sie in Steinheim. Privat bei einer Steinheimer Familie, ohne Miete. Ihr Arbeitsplatz war die katholische Marienkirche. Von Frank Lehmann

Ohne jegliche Hilfe stand Wanda Stokwisz oft täglich mehr als zehn Stunden auf Gerüsten, hing an Seilen, um die weiträumige Apsis der Kirche mit einem monumentalen, raumfüllenden Wandgemälde neu zu gestalten. Das Bistum Mainz hatte sie dafür ausgewählt. 14 Jahre sind mittlerweile vergangen. Und immer wieder ist die Steinheimer Marienkirche seither gern besuchter Ort für Anhänger sakraler Wandgemälde. Staunend stehen sie vor dem Farbenspiel von Rot, Weiß und vor allem viel Gold.

Dabei hatte es die polnische Künstlerin mit der bescheidenen Berufsangabe „Wandmalerin“ anfangs durchaus schwer, die Steinheimer von ihrem russisch-byzantischen Stil mit der ungewohnten Farbgebung zu überzeugen. Traditionelle russisch-orthodoxe Kirchenmalerei, die sie St. Petersburg studierte, vermischt Stokwisz mit Elementen, die sie in Paris beim Studium der modernen Malerei erlernte. Diese Zweigleisigkeit ist ihr Markenzeichen.

Den ersten Entwurf in Form eines Modells präsentierte Wanda Stokwisz schon 1995. Überwiegend Ablehnung war die erste Reaktion. Nach vielen Sitzungen und auch kontroversen Diskussionen brachte sie die lange skeptischen Gemeindemitglieder von St. Johann Baptist schließlich auf ihre Seite. Auch weil sie keinen Jota von ihrem künstlerischen Anspruch abwich. „Entweder ich mach das so oder gar nicht“, war ihre ebenso einfache wie klare Botschaft. Das beeindruckte. Mit einem Festgottesdienst und einem tief bewegten Kardinal Karl Lehmann wurde die Marienkirche 2001 neu „geweiht.“

Heute lebt die im polnischen Loblin geborene Künstlerin mit ihrem Mann, einem gebürtigen Schweizer, drei Hunden und etlichen Ziegen auf einem über 280 Jahre alten Herrensitz in Gronow, zehn Kilometer entfernt von Zgorzelez, dem polnischen Teil der sächsischen Stadt Görlitz. Mit dem in Steinheim verdienten Geld erfüllte sich Wanda Stokwisz ihren Traum: Das völlig herunter gekommene, fast ausgeraubte und zerstörte alte Barockschlösschen mit einem 20 Hektar großen verwilderten Park zu ersteigern. Mit viel Eigenarbeit hat sie es nicht nur aus dem Dornrösschenschlaf erweckt, sondern auch auf die ihr eigenen Art zu einem Gesamtkunstwerk gestaltet. „Es soll der Öffentlichkeit zugänglich sein und junge Künstler für die sakrale Malerei fördern“, erklärte Wanda Stokwisz bei einem Besuch von Steinheimer Gemeindemitgliedern anlässlich einer Pfarrei-Rundfahrt durchs südliche Sachsen. Auch soll ihr Schloss Gronow, das früher Sitz schlesischer Adliger und später zwischenzeitlich sogar ein Bordell gewesen ist, nun ein Symbol für die polnisch-deutsche Verständigung sein.

Deutschlands UNESCO Welterbestätten

Deutschlands UNESCO Welterbestätten

Deutschland: 34 UNESCO Welterbestätten
Die Wasserspiele unterhalb des Herkules im Bergpark Wilhelmshoehe in Kassel (Hessen),
Deutschland: 34 UNESCO Welterbestätten  Unesco
Deutschlands UNESCO Welterbestätten

Erneut waren die Steinheimer von dem Engagement und dem Weitblick „ihrer“ Künstlerin beeindruckt. Und was macht die Wandmalerin heute? Sie malt Bilder in ihrem Atelier im Schloss, ist aber auch wieder aktiv bei der Ausgestaltung einer Kirche. Seit mittlerweile drei Jahren steht und hängt sie wie damals in Steinheim nun in der Johanneskirche in einem Stadtteil von Zgorzelec. Im Gegensatz zu Steinheim soll die Kirche innen komplett neu ausgemalt werden unter dem Titel „Die Taufe Christi.“ 1200 Quadratmeter groß ist die Fläche. Noch gut zwei Jahre wird die Künstlerin dort zu tun haben.

Die polnische Gemeinde zahle allerdings „sehr zögerlich“, wie Wanda Stokwisz bedauert. Auch weil überall das Geld fehlt. Aber sie hängt sich im wahrsten Sinn des Wortes rein, kämpft täglich um günstige Preise bei Farben und Blattgold. Eine bemerkenswerte Frau und Künstlerin, vielfach ausgezeichnet, die nicht nur in Steinheim ihre Spuren hinterlassen und eine große Fan-Gemeinde hat.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare