Gut besucht, aber nicht überfüllt

Trotz Rekordhitze verbuchen Hanaus Bäder in den Ferien keine Rekordzahlen

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Hat stets alles im Blick: Sami Topcu sorgt seit 28 Jahren für die Sicherheit am und im Wasser des Heinrich-Fischer-Bades. 

Sami Topcu – weiße Basecap, weißes Poloshirt, dicke schwarze Sonnenbrille – hat alles im Blick. „An solchen Tagen macht mir mein Beruf besonders Spaß“, erzählt er und lässt dabei sein „Revier“ nicht aus den Augen.

Hanau - Denn es ist einiges los an diesem sonnigen und extrem heißen Nachmittag im Heinrich-Fischer-Bad. Und als „Fachangestellter für Bäderbetriebe“, so seine korrekte Berufsbezeichnung, ist Sami Topcu dafür verantwortlich, dass an und im Wasser niemand zu Schaden kommt. Und das schon seit 28 Jahren.

Doch eine solch extreme Hitze hat auch Topcu in den beiden Hanauer Freibädern selten erlebt. Und dennoch: Die Schwimmbäder der Brüder-Grimm-Stadt sind in diesen Tagen zwar überdurchschnittlich gut besucht, aber von Rekordwerten noch weit entfernt, sagt Uwe Weier, Geschäftsführer der Hanauer Bäder GmbH, mit Blick auf die Besucherstatistiken der vergangenen Jahre.

Und diese Statistiken belegen für Laien Überraschendes: Die besucherstärksten Tage in den beiden Hanauer Freibädern lagen in den vergangenen Jahren immer außerhalb der Ferien. Das werde in diesem Jahr trotz der momentanen Hitzewelle sicher nicht anders sein, prognostiziert Weier, der ebenfalls seit fast 30 Jahren im Geschäft ist und über Stationen in Hamburg und Bamberg vor knapp fünf Jahren als Geschäftsführer der Hanau Bäder GmbH in die Brüder-Grimm-Stadt kam.

Das Heinrich-Fischer-Bad aus der Vogelperspektive. Rund 2000 Besucher zählte das Innenstadt-Bad am Mittwoch, als diese Aufnahme entstand.

Kurz vor den Ferien, als es ebenfalls mehrere Tage extrem heiß war, wurde der bisherige Besucherrekord mit fast 4000 Badegästen im Heinrich-Fischer-Bad und knapp 3000 Besuchern im Lindenaubad registriert. Und Weier geht davon aus, dass diese Werte in diesem Jahr nicht mehr getoppt werden. So besuchten etwa am Mittwoch „nur“ gut 2000 Menschen das Heinrich-Fischer-Bad.

Über die Gründe, dass ausgerechnet in den Ferien die Freibäder – „nicht nur in Hanau“, wie Weier betont – nicht so gut besucht sind wie an heißen Tagen in der Schulzeit, kann der Bäder-Geschäftsführer nur spekulieren. „Sicherlich sind viele Menschen im Urlaub. Vielleicht denkt auch mancher fälschlicherweise, die Bäder seien in den Ferien eh überfüllt, das tue ich mir nicht an. Und sicherlich haben auch die bundesweiten Negativschlagzeilen in den vergangenen Wochen über handgreifliche Auseinandersetzungen in Freibädern nicht geholfen“, meint der Bäder-Geschäftsführer.

Im Heinrich-Fischer- und dem Großauheimer Lindenau-Bad ist die Situation jedoch auch an diesen heißen Tagen entspannt. Auf den weitläufigen Liegewiesen gibt es ausreichend Platz, um sich niederzulassen. Nur im Schatten der mächtigen Bäume wird es ein wenig enger. Zwar patrouillieren auch im Innenstadt-Bad regelmäßig Security-Mitarbeiter, aber das, so Weier, geschehe eher, um den Besuchern ein besseres Gefühl zu geben. Ernsthafte Vorfälle, bei denen der Sicherheitsdienst hätte eingreifen müssen, habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben.

Abkühlung tut Not: Hinein ins kühle Nass FotoS: Iding (4)/Häsler (1)

„Die Leute hier sind freundlich“, versichert auch Sami Topcu am Beckenrand - und wie zum Beweis kommt ein junger Mann in Badeshorts vorbei und gibt Topcu mit einem „Grüß dich“ die Hand. Man kennt sich. Viele Badegäste sind Stammgäste.

Und nicht nur sie profitieren davon, dass die Hanau Bäder GmbH in den vergangenen Jahren kontinuierlich in die Attraktivitätssteigerung von Bade- und Saunabetrieb investiert hat. Auch außerhalb der Becken gibt es viele Möglichkeiten für Spiel und Entspannung. Zudem hat ein neuer Gastronomiepächter im Heinrich-Fischer-Bad für eine deutliche Aufwertung auch auf diesem Gebiet gesorgt. Die Pizzeria „La Taverna“, die täglich von 9.30 bis 21.30 Uhr geöffnet ist, versorgt Schwimm- und Saunagäste, steht aber auch Nicht-Schwimmbadbesuchern offen.

Der großzügige Kinderbereich im Heinrich-Fischer-Bad lädt ein zum Planschen und Spaß haben.FotoS: Iding (4)/Häsler (1)

„Ich bin stolz darauf, dass die Politik in Hanau so hinter den beiden Bädern steht“, betont Geschäftsführer Weier. In dieser Hinsicht sehe es in anderen Kommunen wirklich düster aus. Viele Städte und Gemeinden haben in den vergangenen Jahren Schwimmbäder vor allem aus Kostengründen geschlossen. Auch für die Stadt Hanau ist der Bäderbetrieb nach wie vor ein erhebliches Defizitgeschäft. 2018 belief sich das Minus auf knapp über drei Millionen Euro nach 3,3 Millionen Euro Defizit im Jahr davor. Um Kosten zu senken, wurden auch bei den Hanauer Bädern Öffnungszeiten reduziert, Eintrittspreise erhöht und der Saunabetrieb im Lindenaubad sogar ganz eingestellt. Doch niemand im politischen Raum Hanaus stellte, auch in finanziell noch schwierigeren Zeiten, die Existenz eines oder gar beider Bäder grundsätzlich in Frage.

Uwe Weier FotoS: Iding (4)/Häsler (1)

Auch an anderer Stelle stehen die Hanauer Bäder besser da als andere: Während es in vielen Schwimmbädern an Nachwuchskräften fehlt und deshalb Öffnungszeiten eingeschränkt oder der Badebetrieb sogar eingestellt werden muss, hat die Hanau Bäder GmbH bislang keine Probleme, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Damit dürfte das Schwimmen in Hanau auch zukünftig gesichert sein – bei der Hitze eine doppelt gute Nachricht...

von Dirk Iding

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