Beten auf Strohhaufen in der Ecke

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In Spanien spielen die Heiligen Drei Könige eine große Rolle. Sie bringen den Kindern am 6. Januar die Geschenke. Dieses Bild entstand auf Teneriffa.

Hanau ‐ „Feliz navidad“, „Bonne fête“, „Buon natale“, „Merry christmas“, „Frohe Weihnachten!“ 18.600 ausländische Mitbürger aus rund 120 Nationen leben in der Brüder-Grimm-Stadt - 20 Prozent der Hanauer Gesamtbevölkerung. Wie feiern sie Weihnachten? Was sind die Bräuche in ihren Ländern? Und feiern sie überhaupt? Von Holger Hackendahl

Am Heiligen Abend trifft sich die Familie zum Abendessen. Oft gibt es Fisch. Um Mitternacht geht’s dann zur Christmette“, berichtet Valentin Gomez, stellvertretender Vorsitzender des spanischen Arbeitervereins CEDO. Geschenke gibt es für die spanischen Kinder eigentlich erst am 6. Januar, weil schließlich die Heiligen Drei Könige dem Jesuskind die Geschenke gebracht haben.

Adolfo Russo, Hanauer Stadtparlamentarier: „In meiner Heimat Italien führt am Heiligen Abend eine Prozession durch die Straßen. Diese mündet in der Mitternachtsmette. Tradition ist es, am 24. Dezember kein Fleisch zu essen“, weiß Russo. „Bei uns gab es nur Scampi, Aal oder Meeresfische.“ In der Nacht zum 6. Januar kommt in seiner Heimat die „Befana“, eine alte Frau mit langer Nase, Kopftuch und einem Sack auf dem Buckel und Rute in der Hand. Sie bringt den bösen Kindern schwarze Kohle und für die braven Geschenke.

Kinder gehen von Haus zu Haus

Chid Chamberlain, Mitglied des Hanauer Ausländerbeirats stammt aus Liberia in Westafrika: „Weihnachten wird bei uns am Morgen des 25. Dezember gefeiert. Wir gehen erst in die Kirche und essen dann im Kreise der Familie. Auch laden wir Freunde und ärmere Mitmenschen ein. Nachmittags gibt es dann bei uns in den Straßen im Zeichen der Geburt Jesu einen Masken-Trommelumzug. Sich zu beschenken, ist nicht Teil unseres afrikanischen Weihnachtsfestes.“

Robert Slavicek: „In meiner Heimat Kroatien kam mein Vater am 24. Dezember abends mit Stroh ins Haus, breitete es in einer Ecke aus, dort wird dann gebetet. Das Jesuskind wurde ja im Stroh geboren. Am Abend des 24. essen wir in unserer Region Mohn- und Walnussstollen oder Apfelstrudel. Am Abend geht die Familie in die Kirche zur Mitternachtsmesse. Der erste Feiertag wird ausschließlich im Kreise der Familie gefeiert, man beschenkt sich dort so wie in Deutschland auch. Das Schenken ist aber auch erst in den letzten Jahren sehr aufgeblüht.“ An den Festtagen essen die Kroaten Gans, Spanferkel oder Luft getrockneten Schinken. Am 26. Dezember gehen die Kinder von Haus zu Haus und überbringen gute Wünsche. Früher haben sie für ihre Segenswünsche Äpfel und Pflaumen bekommen, heutzutage eher Schokolade und Geld.

Feiertage werden zum Durchschnaufen genutzt

In türkischen Familien, die dem muslimischen Glauben angehören, werden die Weihnachtsfeiertage zum Durchschnaufen genutzt. Allerdings wird nicht gefeiert wie in christlichen Familien. „Es gibt nur wenige türkische Familien, die feiern. Und dann nur, weil ihre Kinder den Wunsch aus der Schule mitbringen“, hat Selma Yilmaz, stellvertretende Vorsitzende des Hanauer Ausländerbeirats festgestellt. „Ich kenne aber auch eine Familie, die an Silvester Geschenke austauscht.“

Claudia Jebabli, Gattin eines Tunesiers, kennt einige türkische Familien, die Weihnachten feiern. „Sie kaufen einen Weihnachtsbaum, sitzen zusammen und essen im Kreise der Familie, weil ihnen die weihnachtliche Stimmung so gut gefällt.“ In Tunesien, der Heimat meines Mannes, feiern nur die dort lebenden Franzosen und Italiener das Weihnachtsfest. „Für die Tunesier, die ja wie die Türken dem Islam angehören, sind die eigenen Feiertage Ramadan und Zuckerfest die wichtigen Feste“, so Jebabli.

Viele orthodoxen Kirchen haben nicht den Gregorianischen Kalender übernommen. In den Kirchen, in den weiter der julianische Kalender gilt, wird das Geburtsfest erst am 7. Januar gefeiert, etwa in Jerusalem, in Russland, Polen, Tschechien, Slowakei, Serbien, Georgien, Ukraine, Estland sowie in der koptischen und äthiopisch-orthodoxe Kirche. Auch viele der in Hanau lebenden Russland-Deutschen feiern deshalb ihr Weihnachtsfest erst Anfang des neuen Jahres.

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