Willi Bendel hat noch 300 Kilo in den Beinen

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Der Altmeister an der Hantel: Willi Bendel stemmt noch viermal wöchentlich selbst Gewichte, steht täglich in seinem Studio an der Eppsteinstraße. Mit 70 will er es jetzt langsamer angehen lassen.

Steinheim - An der Wand hinter dem Tresen reihen sich Pokale an Pokale, Zeugen vergangener Siege und Triumphe: Weltmeistertitel, deutsche Meister und zahlreiche Platzierungen. „Rund 80 Stück sind es“, sagt Willi Bendel, der am Sonntag Tage seinen 70. Geburtstag feiert. Von Matthias Grünewald

Willi Bendel gilt als einer der Pioniere des Bodybuilding in Deutschland. 40 Jahre lang bestritt er Wettkämpfe auf höchstem Niveau. „In Deutschland habe ich gewonnen, was es zu gewinnen gab“, erinnert er sich. Dabei begann seine Karriere als Bodybuilder durch einen Unfall. „Eigentlich war ich Turner“, so Bendel. Doch als er in einem Wettkampf einen Bandscheibenvorfall erlitt, war es aus mit dem Turnsport. Um fit zu bleiben und um den Heilungsprozess zu stärken, begann er mit dem Muskeltraining. Auf 50 Jahre Training kann Bendel mittlerweile zurückblicken.

In den 1960er Jahren kreuzten sich seine Wege mit denen von Bodybuilding-Legende Arnold Schwarzenegger. Ein Angebot, ebenfalls in die USA zu gehen, schlug er allerdings aus. „Da war ich gerade frisch verlobt. Man kann nicht alles stehen und liegen lassen“, sagt er. Ein Wechsel in den Profibereich kam ebenfalls nicht in Frage. „Damals konnte man da kein Geld verdienen.“ Bendel arbeitete stattdessen bei einer Bank und später als Sachbearbeiter an der Frankfurter Börse.

Täglich im Studio

Noch heute findet man ihn täglich im Studio. Viermal die Woche greift er selbst zu Hanteln und Geräten. Die eisernen Hanteln mit 20 Kilogramm Gewicht stemmt er, als seien sie leicht wie Federn. „Früher habe ich Beinpressen mit 600 Kilo gemacht, heute noch mit 300 Kilo “, sagt er, als sei dies gar nichts. Es ist die Kraft, die ein Muskel entwickeln kann, die ihn immer noch fasziniert. „Laufen und Schwimmen sind zwar schön und gut, bringen aber keine Power“, sagt er.

„Heute muss ich mir nichts mehr beweisen“, sagt Bendel. Fit halten und gesund alt werden, ist sein Lebensmotto. Dies gibt er auch in Kursen an ältere Menschen weiter. Mit dem richtigen Übungsprogramm lasse sich die Leistungsfähigkeit des Körpers erhalten. Wenn der Muskel gut durchblutet sei, fühlten sich viele 70-Jährige leistungsfähiger als mit 60.

In Zukunft will er ein wenig kürzer treten. Das Studio in der Eppsteinstraße soll verkauft werden. „Ich will mehr Freizeit und mehr Zeit für die Enkelkinder.“ Ganz das Training aufzugeben, kommt für Bendel aber nicht in Frage.

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