Guiness Book of World Records

Weltrekord für „Iron-Dirk“: Dirk Leonhardt hat den längsten Triathlon der Geschichte absolviert

Konfettiregen für strahlenden „Iron-Dirk“: Der Niederissigheimer Extremsportler Dirk Leonhardt hat den Weltrekord für den längsten Triathlon der Geschichte aufgestellt. Seine Heimatstadt hat ihn entsprechend gefeiert.
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Konfettiregen für strahlenden „Iron-Dirk“: Der Niederissigheimer Extremsportler Dirk Leonhardt hat den Weltrekord für den längsten Triathlon der Geschichte aufgestellt. Seine Heimatstadt hat ihn entsprechend gefeiert.

Dirk Leonhardt hat den Weltrekord für den längsten Triathlon der Geschichte aufgestellt. In 45 Tagen absolvierte der Bruchköbeler, der am 2. Juli 2020 im Badesee Biblis das Mammutprogramm gestartet hatte, eine Gesamtdistanz von 200 Kilometer Schwimmen, 5400 Kilometer Radfahren und 1320 Kilometer Laufen.

Bruchköbel – Dem 38-jährigen Dirk Leonhardt, der am Samstag unter dem lautstarken Jubel der Einwohner seiner Heimatstadt die letzte Laufeinheit als Ehrenrunde durch den Ort unternommen hatte, winkt nunmehr der Eintrag in das Guinness Book of World Records – auch wenn der erschöpfte, frischgebackene Weltrekordhalter nach seiner Zielankunft vor seiner Wohnadresse noch nicht wirklich daran glauben konnte.

„Ich bin noch defensiv. Noch hat Guinness nicht gesagt, dass alles so passt. Von daher bleibt ein bisschen Restunsicherheit, aber der Stolz ist da. Ich weiß, was ich geleistet habe. Das ist das, worauf es ankommt. Wenn in ein paar Wochen die Urkunde dazukommt, ist das natürlich toll. Ob ich den Rekord dann lange habe, ist nicht so wichtig. Ich würde mich sogar freuen, wenn sich noch einmal jemand ran traut, und ich ihn nach Kräften unterstütze und berate“, so Leonhardt. Damit der Extremsportler die bisherige, 2017 von der Italienerin Ilaria Corli aufgestellte Bestmarke knacken konnte, musste sich der Niederissigheimer die vergangenen sechseinhalb Wochen oftmals quälen und über die eigene Grenze gehen, um sein Ziel, den dreißigfachen Ironman zu bewältigen, zu erreichen.

Weltrekord für längsten Triathlon: „Ich habe meine Belohnung bekommen“

„Ich fühle mich großartig. Der Schmerz ist noch da, aber der spielt keine Rolle mehr. Ich bin erleichtert. Ich habe mir viele Sorgen gemacht und viele Dinge durchgespielt, was alles schief gehen könnte. Aber ich habe mich davon nicht beirren lassen. Ich habe meine Belohnung bekommen. Ich habe das Abenteuer gesucht und das Abenteuer gefunden.“

Platt, aber glücklich: Nach wochenlangen Strapazen ist Dirk Leonhardt im Ziel angekommen.

Eines, das ohne die mannigfaltige und teilweise aufopferungsvolle Unterstützung seiner Frau und anderer nicht möglich gewesen wäre: „Es war eine Teamarbeit. Jetzt zum Schluss beim Laufen ist es immer mehr geworden. Ich war eigentlich nicht mehr alleine. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, tolle Gespräche geführt und viel Menschliches dazugelernt, das nichts mit dem Sport zu tun hat“, resümiert der zweifache Ironman Hawaii-Finisher.

Berichterstattung zu dem Weltrekord habe den Triathleten geprägt

Auch die Berichterstattung in Printmedien, Radio oder TV hat den Ausdauerathlet geprägt: „Es war für mich als ganz gewöhnlicher Mensch unglaublich. Dazu der ganze Ort, der mir zujubelt. Die Unterstützung fremder Menschen, die vorher nie etwas von mir gehört hatten.“ Während seiner Rekordjagd hatte Leonhardt mehrfach angedeutet, dass ihm die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit zudem helfe, durchzuhalten, auch wenn er nie gezweifelt hat, das ehrgeizige Projekt komplett durchzuziehen. „Es haben mir so viele Leute zugeschaut. Da konnte ich nicht aufgeben.“ Zwar gab es vor allem während der acht Tage im Wasser mehrfach Situationen, in denen „Iron-Dirk“ Gedanken an eine Aufgabe verschwendet hatte. Aber wenn das eigene Ego in schwachen Momenten fast nachgegeben hätte, gab es mit seiner Frau Ilsa immer wieder den rettenden Anker. Diese hatte Leonhardt nicht nur auf dem SUP-Board begleitet, sondern auch immer dann die richtigen Worte der Aufmunterung gefunden, wenn er sie am dringendsten gebraucht hatte.

Cooler Support: Während sich die Feuerwehr Bruchköbel zum nassen Spalier aufgestellt hat, kann sich „Iron-Dirk“ auf die Unterstützung seiner beiden Söhne, die extra gestaltete T-Shirts tragen, verlassen.

Auch Dank dieses Rückhalts „war ich mir sehr sicher, dass ich es schaffe, solange nichts von außen dazwischenkommt. Ich bin niemand, der aufgibt. Ich kämpfe. Wenn es drei Monate gedauert hätte, hätte ich es drei Monate lang gemacht.“ Allerdings hatte sich der zweifache Familienvater selbst die Deadline gesteckt, am 15. August 2020 fertig zu werden. Nicht nur, weil am heutigen Montag der Urlaub aufgebraucht gewesen wäre, sondern auch, weil er der heutigen Einschulung seines ältesten Sohnes halbwegs frisch und ausgeruht beiwohnen wollte. „Als klar war, dass der Körper in diesem Zeitfenster mitspielt, waren die letzten Sorgen weg.“

Nach dem Weltrekord für den längsten Triathlon folgt das Stadtradeln

Wichtigste Unterstützerin ist Leonhardts Frau Ilsa.

In den kommenden Wochen wird sich der Beamte im Dienste der Deutschen Bundesbank, der in den vergangenen eineinhalb Monaten, wie bei Extremsportlern üblich, auf die tägliche Rasur verzichtet hatte, wieder dem fast schon vergessenen Alltag widmen. Wobei es ganz ohne Sport auch nicht geht. Denn kommendes Wochenende wird der „Ultra-Dad“ beim Stadtradeln am 22. August 2020 dabei sein, einer vom europäischen Städtenetzwerk „Klima-Bündnis“ organisierten Kampagne, an dem Bruchköbel erstmalig teilnehmen wird.

Und dann nicht nur in Aktion, sondern auch in offizieller Funktion. Denn während ihrer Glückwunschrede im Zielbereich ließ Bürgermeisterin Sylvia Braun den wohl fittesten Sohn der Stadt wissen, dass er als Schirmherr vorgesehen ist. „Die 40 Kilometer werde ich schaffen“, so Leonhardt schmunzelnd. Danach soll es aber nicht mehr um die lokale Berühmtheit gehen, sondern um die Familie. Neben einer gemeinsamen Reise nach Paris, dem Ort, in dem der Weltrekordler um die Hand seiner Frau angehalten hatte, plant der DLRG-Rettungsschwimmer bereits eine mehrtägige Radeltour entlang des Mains oder der Nidda – mit Frau und den beiden Kindern.

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