Vorleseaktionen an 68 Orten

„Ganz nah dran am Leben“

Hanau - Rund 100 Vorleserinnen und Vorleser, insgesamt 105 Veranstaltungen an 68 Orten in der gesamten Brüder-Grimm-Stadt – es sind beeindruckende Zahlen, mit denen die 7. Auflage des Lesefestivals „Hanau liest ein Buch“ aufwartet. Von Dirk Iding 

Vom 16. bis zum 25. August dreht sich dabei alles um den Roman „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ – ein Buch über das Leben und über das Sterben.
Literaturkritikerin Christine Westermann ist voll des Lobes über das Werk der Autorin Susann Pásztor: „Dieses Buch macht keine Angst. Es ist ganz nah dran am Leben, obwohl es vom Sterben erzählt.“

Und auch Gretel Meyer hat es der Roman angetan. Sie ist nicht nur eine der rund 100 Vorleserinnen und Vorleser, die im Rahmen des Lesefestivals Auszüge des Textes an allen möglichen Orten Hanaus vortragen werden, als ehreamtliche Hospizhelferin mit rund zehnjähriger Erfahrung habe sie sich auch in viel vom dem, was in dem Buch thematisiert wird, wiedergefunden. Denn im Mittelpunkt steht der ehrenamtliche Sterbebegleiter Fred, der es in seinem ersten „Fall“ mit Karla zu tun bekommt, die nur noch ein halbes Jahr zu leben hat. Fred glaubt zu wissen, was Karla nun guttut, aber die hat da ihre ganz eigenen Vorstellungen...

Für Annette Böhmer, Leiterin der AG Hospizdienst, ist das Besondere an dem Buch, „dass es Fragen zum Thema Tod und Sterben stellt, die sich wahrscheinlich jeder schon einmal gestellt hat, die man sich dann aber meist nicht traut offen auszusprechen.“ Das Thema „Tod und Sterben aus der Betroffenheitsecke herauszuholen“, es als Thema anzunehmen, das jeden Menschen betrifft, sei ein großes Anliegen der AG Hospizdienst und dafür leiste der Roman Großartiges, so Böhmer.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Hanau

Tatsächlich greift „Hanau liest ein Buch“ erneut ein großes gesellschaftliches Thema auf und will zu Diskussionen anregen. War es 2016 mit „Ohrfeige“ von Abbas Khider das Thema Flüchtlinge und Integration, so geht es nun um einen würdevollen Umgang mit Menschen an ihrem Lebensende. Vorgelesen und diskutiert wird an den unterschiedlichsten Orten, in Cafés und Bistros, in Gärten, Buchläden, Kirchen und Arztpraxen, in der Burgruine Wilhelmsbad oder am Brüder-Grimm-Denkmal. Aber auch an Orten, die durchaus einen Bezug zum Thema haben, etwa im Alten- und Pflegeheim Mainterrasse, im Hospiz Louise de Mariallac oder auf Friedhöfen.

Die Steinheimer Vorleserinnen Gabriele Ewald und Christine Glöckner sind schon jetzt ganz gespannt auf ihren Termin im Alten- Und Pflegezentrum Mainterrasse. Vor zwei Jahren stellten sie dort den Flüchtlingsroman „Ohrfeige“ vor und waren begeistert von der engagierten Diskussion, die das Thema unter den alten Menschen auslöste. „Da war mit vorher auch etwas mulmig zumute“, erinnert sich Ewald. Es werde interessant sein, wie die alten Menschen nun auf dieses Thema reagieren.

Das Programmheft zu „Hanau liest ein Buch“ liegt an vielen Stellen aus. Ausführliche Infos auch unter www.kulturforum-hanau.de.

Rubriklistenbild: © dpa

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