Wiese in Kesselstadt

Warum Wildschweine aus dem Wald nach Hanau kommen und Gärten verwüsten

Auf der Suche nach Nahrung: Wildschweine verlassen im Frühling und Herbst den Wald, um Wiesen nach Schnecken oder Würmern abzusuchen. Dabei pflügen sie den ganzen Boden um.
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Auf der Suche nach Nahrung: Wildschweine verlassen im Frühling und Herbst den Wald, um Wiesen nach Schnecken oder Würmern abzusuchen. Dabei pflügen sie den ganzen Boden um. (Symbolbild)

Eine Wiese hinter zwei Wohnblocks in Hanau Kesselstadt wird seit zwei Wochen von Wildschweinen zerwühlt. Ein Jäger gibt Tipps, wie man sie wieder los wird.

Hanau – Wiesen sind bei Wildschweinen besonders beliebt. Fast jedes Jahr zwischen September und Dezember gibt es Berichte und Bilder von umgegrabenen Grünflächen. Oft sind es verwüstete Sportplätze. 2019 war der Rasen der DJK Eintracht Steinheim betroffen. 2018 hat es die Sportanlage am Steinheimer Pfaffenbrunnen getroffen. Der KSV Eichen hatte in der Saison 2015/16 besonders in der Hinrunde das Problem, das ihr Platz unbespielbar war, nachdem sich die Schwarzkittel Zugang zum Gelände verschafft haben. Auch Rinder-Weiden wurden schon durchwühlt wie vor Jahren Weideflächen ebenfalls in Steinheim.

Aktuell berichtet Wilhelm Vonrhein aus Kesselstadt von einer verwüsteten Wiese hinter seinem Haus an der Kirchhoffstraße. Das Gelände mit zwei Wohnblocks und einem fünfstöckigem Hochhaus grenzt an ein Waldstück, das zwischen Kesselstadt und Dörnigheim liegt. Von dort kämen seit rund zwei Wochen die Wildschweine aus dem Wald. Ein Nachbar habe ihm vom Balkon zugerufen, dass er sechs Tiere beobachtet hat: ein ausgewachsenes und fünf jüngere. Gesehen hat Vonrhein die Wühler bisher nicht: „Sie kommen nur nachts. Die Nachbarn sagen, dass sie sie gegen 22 Uhr gesehen haben.“ Jeden Morgen findet er eine Ecke, die er schon vor ungefähr 40 Jahren für Wildvögel hergerichtet hat, verdreckt vor. „Die Wildschweine nutzen die Schale mit Wasser, um sich die Schnauzen zu waschen. Sie ist jeden Tag voller Schlamm.“

Wildschweine in Hanau: Wiesen werden nach Futter durchwühlt

Das ist kein Wunder, denn Wildschweine nutzen ihre Schnauzen, um zu graben. Auch die Jahreszeit ist typisch für Zwischenfälle mit Wildschweinen, wie Michael Birkenfeld, Jagdpächter in Steinheim, erklärt. Wildschweine sind Allesfresser, die neben pflanzlichem auch tierisches Eiweiß benötigen. Das nehmen die Tiere über Schnecken, Maden, Engerlingen und Würmern auf, die zu dieser Jahreszeit, aber auch im Frühjahr, vermehrt in Wiesen und Rasenstücken vorkommen. „Im Winter ist der Boden gefroren. Dann kommen die Wildschweine nicht mehr durch die Erde“, sagt Birkenfeld. Wenn im Sommer alles trocken ist, gibt es kaum Würmer an der Oberfläche.

Wer nahe am Wald lebt und eine freie Rasenfläche vor der Tür hat, muss also im Herbst und Frühjahr mit Besuch aus dem Wald rechnen.

Direkt hinter den Wohnhäusern an der Kirchhoffstraße in Kesselstadt wühlen die Wildschweine nachts den Boden um.

Jäger aus Hanau gibt Tipps zum Umgang mit Wildschweinen

Jäger Birkenfeld wird von Landwirten außerhalb von Steinheim gemeldet, wenn ihre Flächen ungewollt umgepflügt werden. Für das Problem ist er als Jagdpächter verantwortlich. Birkenfeld bejagt dann ganz gezielt die Stellen, an denen die Schwarzkittel gewütet haben – wenn sie sich die Orte außerhalb der Ortschaft befinden. Innerhalb der Ortschaft sind ihm die Hände gebunden, denn dort ist er nicht zuständig. Selbstverständlich ist dort das Schießen verboten.

Dass Zwischenfälle mit Wildschweinen zunehmen, kann Birkenfeld nicht beobachten. In Steinheim gebe es zwar eine starke Population, die werde aber auch durch eine regelmäßige Jagd reguliert. „Wir bejagen streng das Schwarzwild.

Wildschweine in Hanau: Jäger schießt in Steinheim zwischen 80 und 90 Tiere im Jahr

Das Jagdjahr beginnt bei uns am 1. April. Seitdem haben wir in Steinheim schon 47 Schweine geschossen“, sagt Birkenfeld. Wenn die Erfolgsquote so bleibt, komme er auf 80 bis 90 Wildschweine, die er schießt. Wildschweine zu schießen, sei nicht einfach. Sie seien gewitzt und clever und eine Herausforderung für den Jäger. Trotzdem kommt Birkenfeld auf diese hohen Zahlen: „Es kann uns niemand einen Vorwurf machen, dass wir zu wenig schießen.“

Wer trotzdem Wildschweine im Garten vorfindet, kann sie sie mit Licht und Lärm vertreiben. „Dann sind die weg“, so der Ratschlag des Jägers. Angst müsse man vor den Wildschweinen nicht haben. Die Tiere seien scheu und nicht angriffslustig. Wenn das Licht angeht, würden sie fliehen und nicht angreifen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollte das Grundstück wildsicher eingezäunt sein. (Theresa Ricke)

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