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Bunter Riese mit Strahlkraft: Ehemaliges Problemhochhaus wertet das Freigerichtviertel in Hanau auf

Das Hochhaus Leipziger Straße 30 galt mal als „schlimmstes Hochhaus Hanaus“. Doch in den vergangenen Jahren hat sich dort vieles zum Positiven gewendet. Die farbige Fassadengestaltung ist ein Ausdruck dessen.
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Das Hochhaus Leipziger Straße 30 galt mal als „schlimmstes Hochhaus Hanaus“. Doch in den vergangenen Jahren hat sich dort vieles zum Positiven gewendet. Die farbige Fassadengestaltung ist ein Ausdruck dessen.

„Die Zeiten als Schandfleck sind vorbei“ titelte unsere Zeitung vor drei Jahren, als mit der damals anstehenden Fassadensanierung an der Wohnanlage Leipziger Straße 30 ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt wurde. Tenor: Am ehemals „schlimmsten Hochhaus Hanaus“, als das die Immobilie lange Zeit galt, hatte sich vieles zum Positiven bewegt. Heute ist die bunte Fassade des riesigen Wohnblocks ein weithin sichtbarer Blickfang am Eingang zum Freigerichtviertel. Und auch hinter den Mauern des Hochhauses hat sich die Situation offenbar spürbar verbessert – wovon auch das Umfeld profitiert.

Hanau – Initiator dieser erfreulichen Entwicklung, für die auch Bürgermeister und Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) voll des Lobes ist, ist Heiko Schlag, Geschäftsführer der Schlag Immobilien GmbH. Der Unternehmer hatte im Jahr 2008 die ersten Wohnungen in der damals ziemlich heruntergekommenen Wohnanlage gekauft. Schlag erkannte in dem Haus, das lange als eine der schlechtesten Adressen Hanaus galt, durchaus Potenzial. „Die verkehrliche Lage ist super und auch die Bausubstanz des Hauses war im Grunde genommen in Ordnung“, sagt der Unternehmer im Rückblick. Gemeinsam mit einem Geschäftspartner erwarb Schlag in den Folgejahren mehr und mehr Eigentumswohnungen in der Immobilie. Heute gehören ihm etwa 60 Prozent der insgesamt rund 125 Wohnungen in dem Gebäude, zu dem auch zwei als Moschee genutzte Gewerbeimmobilien gehören. Die restlichen Wohnungen befinden sich im Streubesitz zahlreicher weiterer Eigentümer.

Schlag gelang es, die Eigentümergemeinschaft zu einen, sodass diese seit Jahren an einem Strang ziehe und seit 2011 kontinuierlich in die Immobilie investiert. Insgesamt seien rund 1,5 Millionen Euro in den vergangenen Jahren in die Immobilie geflossen. Dafür wurde unter anderem die völlig marode Haustechnik der zwischen den Jahren 1969 und 1973 erbauten Liegenschaft komplett erneuert. Das Haus, das im Laufe seiner Geschichte mehrmals zwangsversteigert wurde und das sich zeitweilig windige Hausverwalter zur Beute gemacht hatten, die auch Gelder der Mieter veruntreuten, ist mittlerweile ans Fernwärmenetz der Stadtwerke angeschlossen und produziert Energie in einem Blockheizkraftwerk.

Hanau: Zahlreiche Sanierungen an dem Gebäude

Keller und Tiefgarage, Treppenhäuser, Aufzüge, Eingangsbereich, Klingel- und Briefkastenanlage sowie das Außengelände wurden saniert. Zuletzt folgte die Sanierung der Hausfassade, der Balkone und des Dachs.

Die nächste Herausforderung für Heiko Schlag sind die Hochhäuser an der Schwarzenbergstraße.

Die Stadt Hanau hatte diese Bemühungen durch eine Art „Schuldenschnitt“ unterstützt, indem sie auf einen Teil ihrer ausstehenden Geldforderungen, die durch betrügerisches Verhalten früherer Hausverwaltungen aufgelaufen waren, verzichtete. Aus Sicht von Bürgermeister und Sozialdezernent Weiss-Thiel war das eine lohnende Investition: „Durch die Sanierung der Leipziger Straße 30 konnte ein Trading Down Prozess aufgehalten werden und der Eingang zum Freigerichtviertel wurde wirksam aufgewertet.“ Das werde auch von den Bewohnerinnen und Bewohner des Hochhauses anerkannt, die im vergangenen Jahr bei einer Stadtteilbegehung sehr positiv über die Entwicklung ihres direkten Wohnumfeldes berichtet hätten, so WeissThiel. Auch Heiko Schlag hat festgestellt, dass sich die Mieterstruktur deutlich stabilisiert hat. „Wir haben hier längst nicht mehr die Fluktuation früherer Jahre“, meint der Immobilienunternehmer.

Bürgermeister Weiss-Thiel lobt die Entwicklung des Hanauer Stadtteils

Diese positive Entwicklung strahle ins Stadtquartier aus, glaubt Weiss-Thiel: „Die städtebauliche Entwicklung im Freigerichtviertel wird weiter vorangetrieben durch ein modernes Verkehrskonzept, die Gestaltung eines Quartiersplatzes direkt vor dem Hochhaus und den Neubau des Stadtteilzentrums direkt um die Ecke.“

Derweil ist Heiko Schlag, dessen unternehmerisches Motto lautet „Es gibt per se keine schlechten Immobilien“, bereits die nächste Herausforderung angegangen. Sein Unternehmen, dessen Sitz er in diesen Wochen von Kahl nach Klein-Auheim verlegt hat (siehe Bericht unten), hat auch die Verwaltung von vier Hochhäusern an der Schwarzenbergstraße mit mehr als 200 Wohnungen übernommen. Auch dort haben erste Sanierungen bereits stattgefunden, nachdem es den neuen Verwaltern gelungen ist, rund 500 000 Euro an ausstehenden Hausgeldern einzutreiben. Dieses Geld, so Schlag, habe man direkt in die Häuser reinvestiert und dafür unter anderem Parkplätze, Keller und Beleuchtung saniert sowie die Haustechnik optimiert.

Ab 2021 sollen dann auch die Fassaden der Hochhäuser in der Schwarzenberg Straße saniert werden. „Am liebsten so bunt wie in der Leipziger Straße“, lacht Heiko Schlag. Aber davon müsse er erst noch die Eigentümerversammlung überzeugen.

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