Naturschatz hinter Zäunen

Campo Pond hat mehr zu bieten als nur Wildpferde

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Sie sind zweifellos die Stars auf Campo Pond: Eine Herde von zehn Przewalski-Wildpferden lebt auf einer 51 Hektor großen Koppel. Durch die ständige Beäsung der Fläche helfen sie eine Versteppung des Areals zu verhindern und sichern so auch das Überleben von seltenen Pflanzenarten.

Wolfgang - Ein Besuch bei der Przewalski-Wildpferden auf dem Naturschutzgelände Campo Pond lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Doch das ehemalige Truppenübungsgelände der US-Army im Stadtteil Wolfgang hat für Naturfreunde noch viel mehr zu bieten. Von Holger Hackendahl 

Das wird auch deutlich bei den regelmäßigen Führungen, die das Umweltzentrum Hanau über das ansonsten für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Gelände anbietet. Sie sind zweifellos die Stars auf Campo Pond: Sechs Przewalski-Stuten, ein „Jährling“ und drei Fohlen leben auf dem weitläufigen Gelände. Die seltenen Tiere wurden hier im Rahmen eines Erhaltungszuchtprogramms angesiedelt (siehe Infokasten). Dabei bietet ihnen das ehemalige Truppenübungsgelände, das über Jahrzehnte von Panzern befahren wurde, aber ansonsten weitgehend unberührt wird, ideale Lebensbedingungen. Insgesamt umfasst das Campo Pond 100 Hektar Fläche. Hier hat sich ein einzigartiges Biotop entwickelt. Auf dem Areal sind auf nährstoffarmen Sandböden eine ganze Reihe von seltenen, schützenswerten Pflanzen zu finden.

Botanikerin Daniela Dickmann leitet im Auftrag des Umweltzentrums Hanau regelmäßig Führungen auf Campo Pond.

Gut die Hälfte des Geländes „gehört“ den zur Zeit zehn Przewalski-Pferde. Die Herde soll laut Daniela Dickmann vom Umweltzentrum Hanau, die regelmäßig Führungen übers Campo Pond leitet, nicht weiter wachsen. „Zehn Pferde sind für das Campo Pond und das Nahrungsangebot hier die maximale Herdengröße. Mehr könnte das Gelände nicht vertragen“, erklärt sie.

Deswegen sei auch Hengst Fury nach Gießen umgesiedelt worden. Fury ist Vater von vier Fohlen und sorgte von Juli 2013 bis 2015 für reichlich Nachwuchs. Das jüngste Herdenmitglied Pawel wird Ende August zwei Jahre alt. Er bildet gemeinsam mit zwei Stutfohlen und einem weiteren Hengstfohlen, die ebenfalls im Sommer 2015 geboren wurden, die „Kindergruppe“ auf Campo Pond.

Jedes Pferd habe seinen ganz eigenen Charakter, berichtet Dickmann, „von extrem entspannt bis extrem aggressiv“ reiche die Palette. Dabei ist eine gewisse Neugier allen Przewalski-Pferden auf Campo Pond gemein. Bei Führungen suchen sie die Nähe der Menschen, lassen sich aber gleichwohl nicht streicheln. Charakteristische Merkmale der Przewalskis sind der schwarze Strich am Rücken, ihre kurze Mähne, die weißen „Mehlmäuler“ und ihr ebenfalls weißer „Schwalbenbauch“.

Eigentlich ist die 26-jährige „Barioja“ die Leitstute der Campo-Pond-Herde. Ihr Charakter wird als sanft und geduldig, mitunter vorsichtig und scheu, aber trotzdem als durchsetzungsfähig beschrieben. „Sie stand schon öfters mal weit abseits der Herde. Aber seit zweieinhalb Wochen beobachten wir, dass sie sich gänzlich von der Herde absondert“, erzählt Daniela Dickmann. Doch gesundheitlich gehe es dem Tier gut, das habe eine Tierärztin festgestellt.

Urwildpferde im Hanauer Naturschutzgebiet: Bilder

Von Haus aus ist Daniela Dickmann Botanikerin. Und für eine Fachfrau wie sie ist das Campo Pond eine wahre Schatzkiste. Beim Geländespaziergang entdeckt Dickmann immer etwas Neues - sei es auf den Sandböden mit dem Magerrasen oder bei den Passagen im Wald: Fingerkraut, Ochsenzunge, Zypressenwolfsmilch, Magerrasen typische Silbergrasflur, das blau blühende Immergrün, Vergissmeinnicht im Humus reichen Wald, Huflattich, Knoblauchrauke sind nur einige der vielen, zum Teil seltenen Pflanzen, die auf Campo Pond ein Refugium haben. Im weiteren Lauf des Jahres blühen auch Natternkopf, Wolfsmilch, Tausendgüldenkraut oder die Sandstrohblume und lassen das weitläufige Gelände, das sich im Besitz des Bundesforsts befindet, in immer neuen Farben erstrahlen.

Und auch die Tierwelt ist reichhaltig. „Im vergangenen Jahr haben wir auf Campo Pond 114 Vogelgarten und mehr als 15 Heuschreckenarten gezählt“, erzählt Dickmann. Das Areal bietet aber auch ein Zuhause für die seltene Kreuzkröte und für den noch selteneren Wiedehopf, für den extra Nistmöglichkeiten aufgehäuft wurden.

Przewalski-Urwildpferde um Nachwuchs bemüht

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