Claus Burys Skulptur „Engpass“ demontiert

Kunst landet im Container

Hanau - 25 Jahre lang war die Holzskulptur „Engpass“ des renommierten Bildhauers Claus Bury ein Blickfang am Mainufer unterhalb von Schloss Philippsruhe. Gestern wurde das Kunstwerk in einer Nacht- und Nebelaktion demontiert. Das Holz war morsch geworden und das Fundament hatte sich gesenkt. Es bestand Einsturzgefahr. Von Dirk Iding 

Der „Engpass“ von Claus Bury: Vorgestern noch hinter Gittern...

Doch so sang- und klanglos wie das Kunstwerk, das Teil des nicht unumstrittenen Projekts „Hanauer Skulpturenpark“ war, nun verschwand, war das eigentlich nicht geplant. Nach Informationen unserer Zeitung hätte es vor dem Abbau der 5,30 Meter hohen und 1,30 Meter breiten Skulptur eigentlich noch einen Pressetermin mit dem Künstler geben sollen, um die Maßnahme zu erklären. Denn schließlich handelte es sich beim „Engpass“ um ein durchaus bedeutendes Kunstwerk im öffentlichen Raum. Errichtet wurde die Holzskulptur im Jahre 1990. Claus Bury hatte mit dem „Engpass“ den „Hanauer Stadtbildhauerwettbewerb“ gewonnen, der 1992 aus finanziellen Gründen eingestellt wurde. Allerdings ist das Werk, das gestern überraschend von Mitarbeitern der Stadt Hanau abgerissen wurde, nachdem es zuvor wochenlang mit Bauzäunen abgesperrt war, bereits eine Replik des Originals. Denn 2005 wurde das nach 15 Jahren im Freien vollkommen verwitterte Orginalwerk, das Bury, wie er selbst einräumte, „aus Kostengründen“ aus Fichtenholz geschaffen hatte, abgerissen und gegen einen Nachbau aus dem als widerstandsfähiger geltendem Holz der Douglasie ausgetauscht. Das hatte vor zehn Jahren immerhin 20.000 Euro gekostet, wobei die Hälfte aus Mitteln der Sparkassen-Kulturstiftung finanziert wurde.

... und seit gestern im Baucontainer.

Doch die Halbwertszeit der Replik war nicht so lang wie erhofft. Bereits seitWochen war das Kunstwerk mit Bauzäunen abgesperrt, um das Besteigen zu verhindern. Die morsch gewordene Konstruktion drohte einzustürzen. Auch hatte sich das Fundament gesenkt. Gestern rückten überraschend Mitarbeiter des Eigenbetriebs Hanau Infrastruktur Service an und demontierten das Kunstwerk. Nach Angaben von Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur bei der Stadt Hanau, war man sich mit dem Künstler einig, dass eine nochmalige Rekonstruktion der Skulptur nicht sinnvoll sei. Aus Sicht von Bury sei es normal, dass seine aus Holz gefertigten Skulpturen vergänglich seien. Auch mit der Sparkassen-Kulturstiftung, die 2005 immerhin 10.000 Euro zu Rekonstruktion des „Engpasses“ beigesteuert hatte, sei das Vorgehen abgesprochen gewesen, betonte Hoppe.

Nun warten die traurigen Reste der ehemals beeindruckenden Skulptur in einem Baucontainer am Rande des Mainuferweges auf den Abtransport. Das imprägnierte und verleimte Holz werde ordnungsgemäß entsorgt, sicherte Hoppe zu. Ein Teil davon werde aber auch dem Künstler als Erinnerung an sein Werk übergeben.

Rubriklistenbild: © p/Iding

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