Keine Gruppentermine

Corona erschwert Trauerarbeit: Hanauer Zentrum für Trauernde setzt verstärkt auf telefonische Beratung

Das Zentrum für Trauernde in Hanau muss wegen der Corona-Pandemie auf die telefonische Beratung ausweichen
+
Das Zentrum für Trauernde in Hanau muss wegen der Corona-Pandemie auf die telefonische Beratung ausweichen

Im Monat November mit seinen drei Gedenk- und Feiertagen Allerheiligen, Volkstrauertag und Totensonntag wird der Verstorbenen in besonderer Weise gedacht. Doch Trauer um einen geliebten Menschen richtet sich nicht nach dem Kalender. Vielmehr ist Trauer ein höchst individueller Prozess. So vielfältig wie die Menschen sind, so vielfältig äußert sich auch deren Trauer.

Hanau - Das weiß kaum jemand besser als der Hanauer Pfarrer Werner Gutheil, der sich als Diözesan-Seelsorger für Trauernde im Bistum Fulda seit vielen Jahren in der Trauerarbeit engagiert und in der Brüder-Grimm-Stadt das Zentrum für Trauernde in der Rhönstraße 8 aufgebaut hat. Dies ist nach wie vor ein wichtiger Anlaufort für Menschen, die den Verlust eines geliebten Angehörigen oder Freundes verarbeiten müssen.

Trauerzentrum kann keine Termine für Gruppen anbieten

Doch auch das Trauerzentrum Hanau leidet unter der momentanen Corona-Situation. „Auch wir müssen in dieser Zeit unsere Gruppenangebote einstellen“, bedauert Pfarrer Gutheil. Dafür habe man aber das telefonische Beratungsangebot verstärkt. Da trifft es sich gut, dass seit Januar die Diplom-Sozialpädagogin Astrid Heide das Team im Hanauer Zentrum für Trauernde als freie Mitarbeiterin personell verstärkt.

Drei Jahre war Astrid Heide als freie Mitarbeiterin im Palliativteam Bad Homburg tätig und hat dort viele Schwerstkranke und deren Angehörige begleitet. „Dabei habe ich erlebt, wie wichtig es ist, auch nach dem Tod eines Palliativpatienten den Angehörigen Hilfe anbieten zu können“, erzählt die 48-Jährige.

Doch das sei ihr im Rahmen ihrer Palliativarbeit nur eingeschränkt möglich gewesen. Deshalb absolvierte sie schließlich mehrere Zusatzqualifikationen, um auch als Trauerbegleiterin Betroffene zu unterstützen. Seit Januar diesen Jahres macht sie dies nun als freie Mitarbeiterin im Trauerzentrum Hanau – neben ihrer hauptberuflichen Arbeit als Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes im Bereich des Betreuten Einzelwohnens.

Telefonische Beratung während Corona extrem wichtig

Dass Trauerbegleitung nun in erster Linie nur noch telefonisch und nicht mehr persönlich geschehen kann, sei zwar bedauerlich, aber auch die Möglichkeit der telefonischen Beratung sei für die Betroffenen überaus wichtig, sind sich Astrid Heide und Pfarrer Werner Gutheil einig. „Corona macht die Menschen noch einsamer. Aber gerade Menschen in der schwierigen Zeit ihrer Trauer brauchen Ansprache und Zuspruch,“ weiß Gutheil.

Allerdings ist sich Astrid Heil bewusst, dass es für Betroffene möglicherweise eine höhere Hemmschwelle bedeutet, jemand für sie Fremden in dieser emotionalen Ausnahmesituation anzurufen anstatt ein persönliches Gespräch von Angesicht zu Angesicht zu führen. Allerdings könne sie nur jede und jeden, die trauern und das Bedürfnis haben, darüber zu sprechen, ermutigen, zum Telefonhörer zu greifen und ihre Nummer zu wählen.

Zentrum für Trauernde ist an mehreren Tagen telefonisch erreichbar

Astrid Heil ist im Zentrum für Trauernde unter der Rufnummer 06181 4289873 in der Regel mittwochs, donnerstags und freitags zu erreichen. Heil bietet auch an, einen telefonischen Erfahrungsaustausch von Betroffenen untereinander zu ermöglichen, indem sie entsprechende Kontakte herstellt.

Doch nicht nur Gespräche können Trauernden helfen, ist Pfarrer Gutheit überzeugt. „Sich in der Trauer mit kreativen Dingen zu beschäftigen, wie zum Beispiel Malen oder Schreiben, kann auch dazu beitragen, gut durch die Zeit der Trauer zu kommen,“ weiß Gutheit und verweist auf die digitalen Angebote für Trauernde auf der neuen Homepage www.bonsalus.de, an denen auch er selbst mitwirkt. Dort gibt es unter anderem zum Herunterladen immerwährende Kalender, die man individuell gestalten und aufhängen kann, außerdem die wöchentlich neu erscheinenden „Gute Gedanken nicht nur für Trauernde“ aus der Feder von Pfarrer Gutheil.

Gemeinnütziger Verein unterstützt Angebote für Trauernde

Verlässlicher Unterstützer der Angebote für Trauernde ist der gemeinnützige Verein zur Förderung von Trauerarbeit. Er engagiert sich unter anderem in der Förderung von Weiterbildungsangeboten für Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter und finanziert praktische Angebote für Trauernde, etwa Kartenaktionen für Hinterbliebene oder die Verteilung von Trauerliteratur.

Unlängst fand die Jahresversammlung des Fördervereins statt. Dabei wurde Elisabeth Weber erneut zur Vorsitzenden gewählt. Zweiter Vorsitzender ist Michael Roth, Kassenwart Joachim Rechholz, Schriftführer ist Pfarrer Werner Gutheil und Beisitzerin Astid Heide. Der Förderverein hat ein Spendenkonto bei der Sparkasse Hanau (IBAN DE 09 5065 0023 0000 1059 16) eingerichtet.

Infos im Internet

trauern-warum-allein.de bonsalus.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare