Einnahmequellen fallen weg

Corona-Beschränkungen bringen Beratungsstelle „Lawine“ in Not

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Die Beratungsstelle "Lawine" in Hanau kümmert sich um Mädchen und Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden.

Die Hanauer Beratungsstelle „Lawine“ ist Zufluchtsort für Mädchen und Frauen, die von sexueller Gewalt betroffen sind. Ihnen bieten die Mitarbeiterinnen Rat und Hilfe an. Zudem schulen sie Pädagogen und Erzieher, damit sie  früh auf Warnsignale reagieren und Maßnahmen ergreifen können.

Die Coronakrise jedoch bremst die Beratungsstelle jetzt genauso aus wie viele andere Einrichtungen, die für Beratung und Hilfe zuständig sind. „Auch für uns ist das Leben auf den Kopf gestellt“, klagt Christa Klose vom Mitarbeiterinnenteam.

Persönliche Beratungen wegen Ausgangsbeschränkungen unmöglich

Nicht nur, dass durch die Ausgangsbeschränkungen lange Zeit persönliche Beratungen unmöglich waren, die erst jetzt langsam wieder gelockert werden können. „Nach Beratungen am Telefon und Videokonferenzen können wir jetzt wieder Faceto-Face-Termine anbieten“, sagt Klose. Durch die Veränderungen bricht der Beratungsstelle auch die finanzielle Basis weg. Denn neben den Fördermitteln, die die Einrichtung von der Stadt Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis sowie vom Land Hessen erhält, lebt diese auch von Bußgeldern, von Kollekten (beides macht nur einen geringen Anteil des Finanzpolsters aus) sowie von den teils großzügigen Spenden von Unternehmen und Privatpersonen, die meist zum Jahresende eintrudeln.

Wie das Spendenaufkommen in diesem Jahr ausfallen wird, das möchten sich die sechs Frauen im Team lieber nicht ausmalen. Da die Unternehmen wochenlang auf Eis gelegt waren und geringere Umsätze erzielten, zudem noch nicht absehbar ist, wie lange der Ausnahmezustand anhält, geht das Team von deutlich geringeren Einnahmen aus dieser Quelle aus. „Auch die Bußgelder und die Kollekten, die nur einen ganz geringen Teil unserer Einnahmen ausmachen, bleiben aus“, erklärt Klose. Schließlich hatten die Kirchen zu, die jetzt wieder einem begrenzten Publikum offenstehen, auch die Gerichte unterlagen Einschränkungen.

Große Teile der Einnahmen fallen weg

Viel gravierender jedoch ist die Tatsache, dass die Präventionsarbeit, aus der die Lawine fast die Hälfte ihrer Gelder rekrutiert, derzeit ebenfalls ruht. Von den Geldern, die die Lawine braucht, erwirtschaftet die Beratungsstelle über die Hälfte selbst, unter anderem durch die Fortbildungen. Damit werden laut Klose Rücklagen gebildet, aus denen geschöpft werden kann, bis zum Jahresende die Spenden einlaufen. Doch in den vergangenen Wochen waren keine Fortbildungsund Präventionsmaßnahmen für Kitabetreuer und Lehrer möglich.

Und ob solche Kurse in den kommenden Monaten gefragt sind oder die Pädagogen und Erzieher andere Sorgen haben, ist fraglich. „Die Rücklagen aus vorangegangenen Fortbildungen haben uns jetzt über die Zeit gerettet, in denen wir noch auf die fest eingeplanten Fördergelder gewartet haben“, so Klose weiter. Dass es dieses Finanzpolster gab, habe jedoch auch verhindert, dass die „Lawine“ Mittel vom Land für Coronageschädigte Einrichtungen abrufen konnte. Wie wichtig die Arbeit der „Lawine“ gerade in Krisenzeiten ist, zeigt die Tatsache, dass Jugendliche und Frauen aus Familien, in denen Gewalt vorkommt zu Zeiten des Lockdowns kaum Möglichkeiten hatten, außerhalb der Wohnung Kontakte zu pflegen oder für Zerstreuung zu sorgen. „Der Beratungsbedarf hat nach Ostern zugenommen“, sagt Klose. Ihr Team hofft nun auf Unterstützung aus der Bevölkerung und wünscht sich, dass der, der kann, spenden möge.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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