Weniger Verkehr, weniger Fahrgäste

Die Corona-Krise aus Sicht ... einer HSB-Busfahrerin

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Nimmt’s mit Humor, will sich aber die aktuelle Situation nicht als Dauerzustand vorstellen: Petra Burgdorf-Schneider,Busfahrerin bei der HSB.

Die Busse der Hanauer Straßenbahn (HSB) haben in der Corona-Krise mehr oder minder uneingeschränkt für die Fahrgäste zur Verfügung gestanden. Für uns Fahrerinnen und Fahrer bedeutete das im Grunde eine Abfolge mit Früh-, Mittel- und Spätdiensten wie wir sie gewohnt sind.

Freilich mit entschieden weniger Fahrgästen als sonst – im Schnitt rund zwei Drittel weniger, weil Schulen und Betriebe weitgehend erst mal geschlossen waren. Mir persönlich ist das durchaus entgegengekommen. Ohnehin fahre ich am liebsten schon ab Viertel nach vier morgens. Dann sind die Straßen auf dem Weg zur Arbeit von zuhause in Großkrotzenburg noch leer.

Weniger Verkehr bedeutet entspannteres Fahren

Jetzt in der Corona-Zeit hat sich das zumindest in den ersten Wochen auch tagsüber in Hanau so fortgesetzt. Geringeres Verkehrsaufkommen macht das Buslenken natürlich einfacher. Und weniger Ein- und Ausstiege führen dazu, dass ich an der einen oder anderen Haltestelle sogar warten muss, bis die Abfahrtszeit laut Fahrplan erreicht ist.

Nicht so voll besetzte Busse machten nach meiner Beobachtung übrigens auch die Fahrgäste ein bisschen entspannter. Dennoch kann ich mir das alles schlecht als Dauerzustand vorstellen. Dazu passt auch eine Geschichte, die ich im Bus mitbekommen habe: Eine ältere Frau erzählte, sie sei gerade erstmals in ihrem Leben maskiert in ihre Bank gegangen, um Geld zu holen. Sie fühlte sich wohl ein bisschen wie eine Bankräuberin.

Viele schmerzhafte private Einschränkungen 

Wie stark Corona einschränkt, merke ich persönlich auch im Privatleben. Mich beschäftigt es, dass ich meiner liebsten Freizeitbeschäftigung, dem Radfahren mit spontaner Einkehr in Restaurant oder Café, kaum nachgehen kann. Tische und Bänke unterwegs waren wegen Corona auch lange abgesperrt oder sind so rar, dass sie von anderen besetzt sind, wenn ich vorbeikomme. Das nervt mich. Ähnlich ist es mit dem Besuch in einem Thermalbad, den ich so mag, der mir momentan aber leider nicht möglich ist.

Meine drei Kinder, die verstreut weiter weg wohnen, haben mich nach vielen Wochen zum Muttertag jetzt erstmals besucht. Bei der Gelegenheit habe ich als 61-jährige Oma erstmals mein drittes Enkelkind gesehen. Ein schönes Erlebnis in dieser nicht leichten Zeit. Ich glaube, die Corona-Einschränkungen werden noch eine ganze Weile notwendig sein, ehe alles überstanden ist. Daher wünsche ich meinen Mitmenschen und mir genug Geduld und Durchhaltevermögen. mcb

Quelle: Hanauer Anzeiger

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