In unfreiwilliger Isolation

Die Corona-Krise aus Sicht von . . . Schwimmmeister Sami Topcu aus dem Heinrich-Fischer-Bad

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Nichts zu tun gibt es derzeit für Schwimmmeister Sami Topcu. Statt Freibad-Hochbetrieb sitzt er nun zu Hause in 100 Prozent Kurzarbeit.

Die durch das Coronavirus ausgelöste Krise betrifft uns alle. Aber ihre Auswirkungen auf unseren Alltag, unseren Beruf, unser Leben fallen zum Teil ganz unterschiedlich aus. In unserer neuen Reihe „Die Corona-Krise aus Sicht von . . .“ erzählen Menschen, wie sie die Krise wahrnehmen.

Den Auftakt heute macht Sami Topcu, Schwimmmeister im Hanauer Heinrich-Fischer-Bad. Am 1. Mai, also ziemlich genau zu dem Termin, wenn wir normalerweise in die Freibadsaison starten, war in diesem Jahr für mich Schluss: Ich bin in 100 Prozent Kurzarbeit gegangen. Ich bin rund um die Uhr zu Hause. Seit fast 30 Jahren bin ich Schwimmmeister im Heinrich-Fischer-Bad und ich liebe meinen Beruf. Denn ich mag es, mit Menschen zu tun zu haben. Und der sportliche Aspekt ist mir auch wichtig. Aber in diesem Jahr fällt die Freibadsaison in Hanau aus. Weil wir in Spitzenzeiten mehrere Tausend Besucher haben, fällt das unter die Kategorie „Großveranstaltungen“ und die sind bis mindestens 31. August ausgesetzt. 

Im Freibad ist es aus meiner Sicht unmöglich, den nötigen Abstand zu garantieren. Wir hätten gar nicht das Personal dafür. Schwierig würde es auch im Fall eines Rettungseinsatzes, vor allem, wenn beatmet werden muss. Immerhin, bis zum 30. April gab es noch zu tun: Wir haben haben die jährliche Inspektion im Bad gemacht, das Wasser abgelassen und Revisionsarbeiten gemacht, damit das Hallenbad im Herbst wieder öffnen kann. Aber dann war Schluss. 

Der Berg ist noch nicht überwunden

Jetzt bin ich gerade mal eine Woche zu Hause. Und ich muss sagen: Mir fällt die Decke auf den Kopf. Denn meine Frau und meine Tochter, die mit mir in einem Haus wohnen, arbeiten weiter in Vollzeit und so bin ich ganz alleine. Ich versuche viel zu lesen und spazieren zu gehen. Außerdem bin ich jetzt Hausmann. Ich gehe für uns und für die Schwiegereltern einkaufen und koche jeden Abend. Am liebsten Paella. Das macht mir Spaß. Aber was soll ich sagen. Das ist nicht meine Welt. Manche sehen ja in dieser Krise auch einen positiven Aspekt. Bei mir ist das nicht so. Ich sehe nur, dass dieser Virus die ganze Welt lahmgelegt hat. 

Dass wir maximal eingeschränkt sind und dass wir keine Freiheiten mehr haben. Trotzdem sehe ich die Lockerungen, die derzeit angestrebt werden, sehr skeptisch. Der Berg ist noch nicht überwunden und es kann aus meiner Sicht nur Rückschläge geben, wenn die Menschen zu früh wieder zur Normalität zurückkehren. Wir müssen abwarten und das beste hoffen. Und ich muss vier Monate ohne Arbeit, ohne mein geliebtes „Heifibad“ überstehen. Das wird nicht leicht. Aber die Krise wird vorbeigehen. sem

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