Gastronomie

Corona-Mehraufwand: Manche Restaurants erheben einen Zuschlag von den Gästen

Hygienezuschläge, wie auf dieser Verzehrrechnung aus dem Main-Kinzig-Kreis, sind gar nicht mehr so selten. Solange sie vorher deutlich angekündigt werden, ist das nicht zu beanstanden, sagt die Verbraucherzentrale.
+
Hygienezuschläge, wie auf dieser Verzehrrechnung aus dem Main-Kinzig-Kreis, sind gar nicht mehr so selten. Solange sie vorher deutlich angekündigt werden, ist das nicht zu beanstanden, sagt die Verbraucherzentrale.

Eine Hygiene-Pauschale auf der Verzehrrechnung? Vor der Coronavirus-Pandemie gab es einen solchen Zuschlag auf Schnitzel, Steak, Pommes & Co. nicht. Doch das hat sich geändert. Seit dem Ende des Lockdowns arbeiten sich die Wirte und Restaurantbetreiber wegen strenger Hygienevorschriften mit einem enormen logistischen Zusatzaufwand ins gastronomische Leben zurück.

Main-Kinzig-Kreis – Das kostet. Und das merken hier und da auch die Gäste: „Gestern war ich im Restaurant – als ich mir die Rechnung zu Hause nochmals anschaute, staunte ich nicht schlecht. Da fand ich einen Hygiene-Zuschlag in Höhe von einem Euro“, schreibt ein HA-Leser.

Auf der Speisekarte oder im Eingangsbereich habe er keinen Hinweis darauf gesehen. Der Leser war sauer: „Da wird der Verbraucher zur Kasse gebeten.“ Doch der Chef des Restaurants im Main-Kinzig-Kreis will diesen Vorwurf nicht akzeptieren.

Auf Nachfrage sagte er: „Wir haben sehr wohl im Eingangsbereich einen Aushang zu diesem Zuschlag, zusammen mit verschiedenen Corona-Vorschriften. Auch das Personal ist angewiesen, dies den Gästen an den Tischen zu sagen.“

Main-Kinzig-Kreis: Gastronom will Zuschlag auf Speisekarte kenntlich machen

Ob das im vorliegenden Fall auch so war? Das kann der Restaurantchef einige Tage danach nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls legt er Wert auf Transparenz, weswegen er den Zuschlag auf der Rechnung auch gesondert ausgewiesen habe und das Aufgeld nicht stillschweigend in der Preiskalkulation verschwinde, aber: „Wir werden nach Ihrem Anruf jetzt zusätzlich auch einen Hinweis in den Speisekarten aufnehmen“, ergänzt er auf Nachfrage.

Die Maßnahme selbst verteidigt der Restaurantchef mit einem gestiegenen Aufwand bei der Umsetzung der Hygienevorschriften: „Ich muss allein dafür einen Mitarbeiter abstellen, der sich kaum um anderes kümmern kann.“

Dazu zählt er den erhöhten Aufwand bei Tischreservierungen, das Nachhalten von Gästedaten, die besonderen Vorschriften beim Eindecken der Tische bis hin zum Einwickeln der Bestecke, die ständige Kontrolle der Toiletten oder die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln für Personal und Gäste. „Wir haben zudem einen großen Verbrauch an Schutzmasken für unser Personal. Außerdem“, so sein Einwand, „kann ich wegen der Abstandsregeln nicht die gesamte mögliche Sitzplatzkapazität ausnutzen.“

Restaurant-Besuch sei wie ein Vertrag

Peter Lassek, bei der Hessischen Verbraucherzentrale (VBZ) in Frankfurt für Verbraucherrechtsschutz zuständig, sagt, ohne Bezug auf den konkreten Fall, dass es vielen Verbrauchern nicht klar sei, dass sie mit einem Kauf oder Restaurantbesuch einen Vertrag schließen: „Wichtig ist also, dass vorher klar ist, welcher Vertrag geschlossen wird. Es würde demnach nicht reichen, dem Gast einen solchen Zuschlag erst mit der Verzehrrechnung zu präsentieren.“

Lassek glaubt aber auch, dass viele Wirte und Geschäftsleute einen solchen Aufpreis erst gar nicht gesondert ausweisen, sondern ihn in die Kalkulation der Endpreise einfließen lassen. Allerdings unterstreicht der Verbraucherschutz-Spezialist auch, dass es speziell zu Hygienepauschalen in Restaurants in letzter Zeit kaum Beschwerden bei der VBZ gegeben habe.

Meistens handele es sich sowieso nur um sehr kleine Beträge. Die Hessische Verbraucherzentrale hat nach eigenen Angaben aber auch schon Extremfälle auf dem Tisch gehabt. Beispielsweise habe ein bekanntes und zudem nicht gerade billiges Frankfurter Restaurant über eine Art Servierzuschlag, wie man ihn aus Italien kennt, „mal eben einen Aufpreis von rund zehn Euro pro Person genommen“.

Hygienezuschlag auch in anderen Branchen

Julius Wagner vom Deutschen Hotel- und Gastronomie-Verband (Dehoga) in Hessen erinnert daran, dass es Hygienezuschläge auch in anderen Branchen gibt, wie etwa bei den Friseuren, wo er selbst Beträge zwischen 2,50 und fünf Euro kenne. Für seine Branche verweist er auf einen erheblichen finanziellen und personellen Mehraufwand bei der Durchführung der Hygieneauflagen sowie Einnahmeverluste wegen der unzureichenden Auslastung der Einrichtungen aufgrund der Abstandsregeln.

Eine Empfehlung der Dehoga gibt es nicht. Nach Wagners Schätzung erheben – in welcher Form auch immer – etwa zwei von zehn Gastronomie-Einrichtungen einen Aufschlag für den pandemiebedingten Mehraufwand. Das sei auch gerechtfertigt, wenn der Gast darüber vorher ausreichend in Kenntnis gesetzt würde.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare