Veranstaltungsabsagen

Corona-Pandemie: So sind die lokalen Vereine betroffen

Leere Metallstühle
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Wegen der Absagen von Veranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie blieben die Stühle leer.

Die Corona-Krise hat auch die Vereine nicht kalt gelassen. Doch wie schwer wurden sie wirklich getroffen?

Steinheim/Klein-Auheim – Die Corona-Krise beschert auch Vereinen finanzielle Engpässe. Weil Feste ausfallen, über die sich die Clubs zu einem Gutteil finanzieren, fehlen wichtige Einnahmen.

Der Carneval-Verein (CV) Klein-Auheim ist besonders betroffen. In der Jubiläumskampagne zum 125-jährigen Bestehen fielen gleich mehrere Veranstaltungen aus. Die stets ausverkaufte Party „Windstärke 11“ sollte 2020 eigentlich zweimal stattfinden. Nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar wurde sie abgesagt, und die „Jubiläums-Windstärke“ am 16. Mai fand wegen der Corona-Krise nicht statt, so der CV-Vorsitzende Sascha Feldes. Auch Einnahmen des Kreppel-Cafés nach dem Faschingszug gingen dem Verein durch die Lappen. „Uns hat’s richtig hart getroffen“, sagt Feldes. „Dabei haben wir die letzten Jahre gut gewirtschaftet und in Erwartung der Einnahmen in der Jubiläumssaison Jubiläumsorden und Festschrift aufgelegt.“

Corona-Krise: Großes Defizit bei den Vereinen wegen ausfallender Veranstaltungen

Durch den mehrfachen Veranstaltungsausfall fehlen dem Verein 15000 Euro. Und: „Derzeit haben wir keine Einnahmen, weil auch das Stadtteilfest ausgefallen ist.“ Das CV-Kartoffelfest auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz Anfang September ist immerhin genehmigt. Feldes: „Das wäre die erste Veranstaltung seit langer Zeit, die mal wieder in Klein-Auheim stattfinden würde. Wenn 2021 immer noch keine Veranstaltungen möglich sind, dann wird’s schwierig für uns.“ Feldes, zugleich Ortsvorsteher im Stadtteil, weiß, dass auch andere Vereine Ausfälle beklagen, etwa der Bruderverein 1. KG, dessen Kerb abgesagt ist.

Auch viele andere Clubs sind betroffen. Beispiel Angelsportverein (ASV) Steinheim: Weil das Backfischfest an Himmelfahrt abgesagt werden musste, gehen den Petrijüngern Einnahmen „in guter vierstelliger Höhe“ verloren, sagt Vorsitzender Kai Heckele.

Auch beim Vereinslokal fehlen wegen Corona die Einnahmen

Eine Folge: Beim Fischbesatz am Hadriansee muss gespart werden. „Unser Besatz von Raubfischen wie Hecht und Zander sowie Forellen fällt wegen der Mindereinnahmen deutlich geringer aus als in den vergangenen Jahren.“ Heuer werden nur zwei Zentner Friedfische, vorwiegend Schleien und Weißfische, in dem Vereinsgewässer eingesetzt. Zudem fehlen Einnahmen aus der Verpachtung des Vereinslokals. „Wir haben unserem Vereinswirt zwei Monatspachten erlassen“, berichtete Heckele, „und haben ihm so über die Schließung während der Coronazeit geholfen.“

Beispiel TFC Steinheim: Dessen Weinfest, das alljährlich Mitte Juli stattfindet, wurde abgesagt. Vom Gewinn des Festes hätte der Mehrspartenverein Sportgeräte anschaffen wollen. „Das müssen wir um ein Jahr verschieben“, sagt TFC-Sprecher Rupert Imgram. Immerhin: Die 60 Jahre alten Herrenduschen im Vereinsheim konnten saniert werden. Die Ausgaben waren bereits vor Corona eingeplant.

Auch der Steinheimer Traditionschors Olympia 1860 ist von Verlusten wegen Corona betroffen

„Bei uns sind drei Einnahmequellen weggebrochen“, beklagt Klaus Rathmann, Vize-Vorsitzender des Steinheimer Traditionschors Olympia 1860. Das Frühjahrskonzert zum 160-jährigen Bestehen: ausgefallen. Das Steinheimer Altstadtfest, bei dem die Olympia stets mit einem Grillstand vertreten ist: abgesagt. Das Olympia-Chorcafé: gestrichen. „Alle drei Veranstaltungen zusammen – da kommt schon ein erheblicher vierstelliger Betrag an fehlenden Einnahmen zusammen“, sagt Rathmann.

Immerhin 25 Prozent der Olympia-Kosten werden für die beiden Chor-Dirigenten aufgewendet. Förderung vom Land? „Unser Kassierer hat sich erkundigt, bevor wir was bekommen, müssten wir erst mal das komplette Eigenvermögen aufgebraucht haben“, berichtet Rathmann. „Die Einnahmeausfälle treffen uns, wir müssen nun an die Rücklagen gehen.“

Für die Alemannia aus Klein-Auheim hält sich der Schaden durch Corona in Grenzen

„Bei uns hält sich der Verlust durch ausgefallene Feste wie das Open-Air und das Handkäsfest etwas in Grenzen“, meint der Klein-Auheimer Alemannia-Vorsitzende Erwin Winter. Denn dem Einnahmeausfall stehen deutlich geringere Kosten gegenüber. „Durch Corona sind Ausgaben weggefallen, denn es fanden ja keine Spiele unserer Fußballer statt. Demzufolge mussten wir keine Schiedsrichter bezahlen.“ Der Trainer habe fairnesshalber verzichtet und auch die Spieler bekamen kein Salär.

Die Veranstaltungsabsagen haben auch Uli van der Au getroffen, der mit seinem gleichnamigen Steinheimer Getränkevertrieb reihenweise Feste beliefert. „Da 100 Prozent der Vereinsfeste ausgefallen sind, haben die Festgarnituren und Getränketruhen in dieser Festsaison Urlaub“, sagt er. „Wir haben erhebliche Umsatzeinbußen durch Corona“ – auch durch die mehrwöchige Schließung der Gaststätten.

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