Corona-Spritze für Kinder

Spezielles Angebot des Main-Kinzig-Kreises stößt in Hanau auf weniger Resonanz als erwartet

Der 13 Jahre alte Lukas bekam gestern im Hanauer Impfzentrum das Vakzin gespritzt. In sechs Wochen folgt die Wiederholungsimpfung.
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Der 13 Jahre alte Lukas bekam gestern im Hanauer Impfzentrum das Vakzin gespritzt. In sechs Wochen folgt die Wiederholungsimpfung.

Für den 13 Jahre alten Lukas und seinen Vater, die gestern Mittag ins Impfzentrum in der August-Schärttner-Halle gekommen waren, ist klar: Impfen ist wichtig. Auch für Kinder. Das sehen freilich nicht alle so. Weil die ständige Impfkommission (Stiko) noch keine Empfehlung abgegeben hat, alle Kinder ab zwölf gegen Covid-19 impfen zu lassen, sind viele Eltern zurückhaltend. Aber auch viele Kinderärzte.

Hanau/Main-Kinzig-Kreis - „Es gibt beides“, sagt Dr. Silke Hoffmann-Bär vom Impfzentrum in der August-Schärttner-Halle. „Ärzte, die sich für die Impfung von Kindern aussprechen, und andere, die abwartend sind.“

Angebot in Hanau wird weniger genutzt als erwartet

Die zwei Kinder- und Jugendärzte, die bei der zweitägigen Sonderaktion des Main-Kinzig-Kreises für 12- bis 15-Jährige gestern zur Beratung in Hanau vor Ort waren, befürworten selbstredend die Impfung von Kindern. Die Eltern, die mit ihren Kindern gekommen waren, ebenso. Gleichwohl wurde das spezielle Angebot für Kinder „weniger genutzt als wir erwartet haben“, so Dr. Hoffmann-Bär gestern Mittag im Gespräch mit unserer Zeitung. 250 Termine speziell für Kinder wurden jeweils für gestern und heute allein im Hanauer Impfzentrum vorgehalten. Über die obligatorische Online-Registrierung waren für Hanau gestern 150 Kinder-Termine gebucht, so Hoffmann-Bär, für heute weitere 60, Stand gestern Mittag. Eine kurzfristige Anmeldung heute sei aus technischen Gründen nicht mehr mögluch, heißt es. Ob die Zurückhaltung bei den Kinder-Impfterminen an der Ferienzeit liegt oder an elterlicher Unsicherheit, ist indes auch für die Medizinerin schwer einzuschätzen.

Die speziellen Impfangebote für Kinder in den beiden MKK-Impfzentren in Hanau und Gelnhausen sind deutschland- und hessenweit nichts Neues. Hoffmann-Bär: „Wir sind hier im Vergleich sogar etwas später dran.“ Unter anderem gab es das schon in Frankfurt, Wiesbaden oder Gießen. Und womöglich soll es im Main-Kinzig-Kreis vor Beginn des neuen Schuljahres eine Wiederholung angesetzt werden, heißt es vom Kreis. Entschieden ist das aber noch nicht. Die Spitzen von Stadt Hanau und Main-Kinzig-Kreis hatten sich, wie berichtet, dieser Tage trotz ausstehender Empfehlung der Stiko für die Impfung von 12- bis 15-Jährigen ausgesprochen, auch, um den Präsenz- unterricht nach den Ferien zu sichern.

Wir haben dem für die Gesundheitsbehörde zuständigen Main-Kinzig-Kreis zum Thema Corona-Impfung für Kinder einige Fragen gestellt.

Wieso wirbt der Kreis für die Impfung von 12-15-Jährigen, obwohl es bislang keine generelle Stiko-Empfehlung gibt? Auch seitens der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin und des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte gibt es stattdessen einen Appell an die Erwachsenen, sich impfen zu lassen, um die Kinder zu schützen. Warum bietet der Kreis zwei spezielle Impftage für 12- bis 15-Jährige an?

Für den Main-Kinzig-Kreis ist ein größtmöglicher Schutz der Bevölkerung leitend. Volljährige haben mittlerweile vielfältig die Möglichkeit für eine Impfung und noch dazu eine allgemeine Empfehlung, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Für die Jüngeren ab 12 Jahre gibt es die Möglichkeit, sich impfen zu lassen – mit Einverständnis der Eltern und nach eingehender kinderärztlicher Beratung – auch. Dazu stehen in beiden Impfzentren extra Kinderärzte bereit, die über die Impfung aufklären und Fragen beantworten. Nicht überall wird Familien derzeit aber ein entsprechendes Impfangebot gemacht. Gleichzeitig ist das Interesse von Eltern in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen, ihre Kinder impfen zu lassen. Die entsprechenden Bitten haben sie nicht zuletzt an den Main-Kinzig-Kreis gerichtet. Der Kreis und die Impfleitung haben auf diese Nachfrage reagiert.

Wie viele 12- bis 15-Jährige haben sich für die speziellen Kinderimpftage in Hanau und Gelnhausen registriert?

Für die beiden Aktionstage wurden bis Dienstagmittag insgesamt rund 350 Termine gebucht.

Wie viele 12- bis 15-Jährige im Kreis sind bislang geimpft ? Wie viele Lehrer im Kreis haben einen Impfschutz?

Dazu kann der Main-Kinzig-Kreis keine Auskunft geben. Denn es gibt in den Impfzentren nur ein zusätzliches Angebot neben den Angeboten in Hausarzt- und Kinderarztpraxen.

Deren Impfzahlen und die wesentlichen Gesamtzahlen kennt nur das Land Hessen. Zur Impfquote unter der Lehrerschaft kann somit ebenfalls höchstens das Land Hessen etwas sagen.

Wie viele Kinderärzte gibt es im Main-Kinzig-Kreis wie viele davon impfen?

Nach Liste der Landesärztekammer gibt es im Kreisgebiet insgesamt 63 Kinder- und Jugendmediziner, einige davon in Gemeinschaftspraxen und Kliniken.

Impfzahlen sind deutlich zurückgegangen

In Hessen sind 60,6 Prozent der Bevölkerung einmal gegen Covid-19 geimpft. Den vollständigen Impfschutz haben 49,1 Prozent. Allenthalben sind die Impfbereitschaft beziehungsweise die Impfzahlen zuletzt deutlich zurückgegangen. Auch in den Impfzentren des Kreises, die als Folge davon die Öffnungszeiten reduziert haben. Der Rückgang der Impfbereitschaft sei „unbegreiflich“ , warnt Dr. Silke Hoffmann-Bär vom Impfzentrum in Hanau. Derzeit werden in der August-Schärttner-Halle im Schnitt täglich nur noch 300 Impfdosen gespritzt. Zu Hochzeiten der Impfkampage waren es 1400 bis 1500. Termine in den Impfzentren in Hanau und Gelnhausen, die nach jetzigem Stand nur noch bis 30. September in Betrieb sein werden, kann man über die Internetseite mkk.de buchen. Ob die speziellen Impftage für 12- bis 15-Jährige eine Neuauflage erfahren, ist ungewiss. Für 16- und 17-Jährige können ungeachtet dessen auch weiterhin Impftermine online vereinbart werden. Bei der Erstimpfung von Minderjährigen muss ein Elternteil dabei sein..

Wie viele von ihnen impfen, ist dem Main-Kinzig-Kreis nicht bekannt. Sie müssen dem Kreis darüber keine Auskunft geben, keine Zahlen übermitteln und werden auch nicht über den Kreis mit Impfstoff beliefert.

(Von Christian Spindler und Christian Dauber)

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