Nach dem Shutdown

Coronavirus in Hanau: Ungewohnte neue Normalität

Ein seltenes Bild am ersten Tag der Ladenöffnung in Hanau: Anstehen vor einem Geschäft. Dort werden übrigens Nähwaren verkauft. 
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Ein seltenes Bild am ersten Tag der Ladenöffnung in Hanau: Anstehen vor einem Geschäft. Dort werden übrigens Nähwaren verkauft. 

Nach dem Corona-Shutdown öffnen auch in Hanau wieder die Läden. Aber so wie vorher ist es nicht.

Hanau – Die „neue Normalität“, von der nun so oft die Rede ist, kommt noch reichlich ungewohnt, bisweilen befremdlich und unsicher daher. Zugleich stößt sie in Hanau aber auf beachtliches Medieninteresse. Denn mit der schrittweisen Öffnung der Geschäfte muss man hier seit gestern beim Einkaufen, beim Arzt oder in öffentlichen Verkehrsmitteln verpflichtend einen Mund- und Nasenschutz tragen. Die Brüder-Grimm-Stadt ist hier quasi Vorreiter.

Bereits um kurz nach 10 Uhr waren gestern auffallend viele Menschen in der Innenstadt unterwegs. Ein wohltuend anderes Bild. Noch vor wenige Tagen waren die Einkaufsstraßen unter der Woche größtenteils ausgestorben. Nun stehen vor einem Buchladen Rolltische mit Literatur und Sachbüchern, ein Blumengeschäft hat üppige Blütenpracht vorm Eingang drapiert, eine Boutique offeriert in der Fußgängerzone an einem Kleiderständer Blusen und Shirts für 19,90 Euro, ein Billigladen Gürtel ab 3,99. Erste Versuche, nach über vier Wochen des angeordneten Stillstands wieder Kundschaft zum Kauf zu animieren.

Etliche Ladenbetreiber halten Desinfektionsmittel für die Kundschaft bereit.

Der befürchtete Ansturm auf die Läden bleibt aus, aber für einen Wochentag herrscht reges Treiben in der City. Es sind vor allem ältere Leute, die unterwegs sind. Warteschlangen vor den Läden sind indes die große Ausnahme. Die „neue Normalität“ ist gleichwohl noch gewöhnungsbedürftig. „Bitte warten Sie hier. Wir holen Sie ab“, steht vor einem Juwelier-Geschäft, bei dem jeweils nur ein Kunde im Laden sein darf. Andere Geschäfte haben die höchstens erlaubte Kundenzahl am Eingang auf ein Plakat geschrieben. Vor einem großen Spielzeugladen warten eine Mutter und ihr etwa achtjähriger Sohn. Sie werden die ersten Kunden sein. Der Junge ist ganz aufgeregt. „Er hatte gerade Geburtstag und darf sich jetzt sein Geschenk aussuchen“, sagt die Mutter.

Hanau nach Corona-Shutdown: Sicherheitsdienst weist den Weg

Andernorts laufen noch Vorbereitungen für den Neustart. „Ladenöffnung verschiebt sich heute“, steht auf einem handgeschriebenen Zettel an der gläsernen Eingangstüre eines Geschäfts, das Computerspiele verkauft. Drinnen klebt jemand Abstandsmarkierungen auf den Boden.

Am Eingang zum Forum Hanau weisen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes den Weg. „Bitte hier lang“, sagt einer der freundlichen „Gelbwesten“. Rein geht es nur rechts, raus nur links. Auch das ist die „neue Normalität“: Im Einkaufszentrum selbst sind unzählige Wegweiser und Abstandsgebote angebracht, ebenso Hinweise auf die Mund-Nasenschutz-Pflicht. Manche der Läden halten Desinfektionsmittel am Eingang bereit.

Im Kulturforum, ein Gebäude weiter, ist das Nebeneinander aus dem bisherigen Shutdown und der „neuen Normalität“ gut zu sehen. An der äußeren Türe künden mehrere Plakate noch von der „Schließung bis auf Weiteres“. Dahinter ist auf einer Leuchtanzeige bereits zu lesen, was jetzt auch hier gilt: „Stopp. Der Zutritt ist nur mit Nasen-Mund-Bedeckung möglich.“ Ab heute hat auch die Hanauer Stadtbibliothek im Forum mit eingeschränktem Betrieb wieder offen.

Im Forum Hanau sind vorbildlich viele Hinweisschilder angebracht worden.

Das gilt ebenso für etliche große Geschäfte. Dürfen sie oder dürfen sie nicht? Am Wochenende gab es auf Landesebene ein Hin und Her (wir berichteten). Nun heißt es: Sie dürfen, wenn sie ihre Verkaufsfläche auf unter 800 Quadratmeter reduzieren. Gestern waren die Krisenstabs-Mitglieder Martin Bieberle, Geschäftsführer der Hanau Marketing GmbH, Feuerwehrchef Peter Hack und Ordnungsamtsleiter Thorsten Wünschmann in großen Geschäften unterwegs, berieten über eine Reduzierung der Verkaufsfläche. „Wir kommen gerade aus dem Kaufhof“, so Bieberle. Alles vorbildlich. Das Kaufhaus schränkt seine Verkaufsfläche ein - und öffnet heute. Im Forum Hanau liefen derweil in Großgeschäften wie h&m oder TK Maxx noch Prüfungen, wie man Ladenverkleinerungen umsetzen kann, berichtet Centermanagerin Diana Schreiber-Kleinhenz. Fest steht: New Yorker ist ab heute auf.

In Hanau besteht wegen des Coronavirus Maskenpflicht

In jedem Fall ist beim Einkauf ein Mund-Nasen-Schutz in Hanau Pflicht. Nach Jena war die Brüder-Grimm-Stadt hierbei vorangegangen. Ander Städte und Bundesländern, darunter Bayern, wollen folgen. Der erste Maskenpflicht-Tag war gestern Anlass für Radio- und TV-Teams, aus Hanau zu berichten. Allein zwei ZDF-Teams waren unterwegs, interviewten unter anderem Martin Bieberle.

Auch in der City trugen gestern sehr viele Menschen Mundschutz - nicht nur in den Läden. Ordnungsamtschef Wünschmann ist voll des Lobes: „Ich bin begeistert wie alle mitziehen.“ Neben viel Zuspruch hatte es zuletzt vereinzelt Kritik an der Maskenpflicht gegeben. Wünschmann: „Wir hatten aber ebenso Anrufe von Leuten von außerhalb, die gerade wegen der Maskenpflicht zu uns zum Einkaufen kommen.“ Wer übrigens Asthmatiker oder chronisch lungenkrank ist, kann sich unbürokratisch von der Masken-Pflicht befreien lassen (E-Mail an buergerservice@hanau.de). Kinder bis sechs Jahren brauchen keinen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Von Christian Spindler

Auch mit Maskenpflicht gelten weiterhin die Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen. Diese kontrolliert die Polizei in Hanau auch bereits scharf und löst besonders am Kinzigbogen immer wieder „Corona-Partys“ auf.


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