„Das Vertrauen ist fast auf dem Nullpunkt“

Hanau - Ansehnlich sind sie wahrlich nicht, die Häuser rund um die Wallonisch-Niederländische Kirche an der Französischen Allee. Und sie sind marode, stark sanierungsbedürftig. Zumindest ein Teil der Gebäude soll in den kommenden Jahren abgerissen werden. Das sehen auch Pläne vor, die von Investoren derzeit im Rahmen des „Wettbewerblichen Dialogs“ zur Umgestaltung der Innenstadt präsentiert werden.

Noch geschieht dies hinter verschlossenen Türen. Erst Ende März sollen die Innenstadt-Konzepte öffentlich werden.

Derweil formieren sich die Bewohner der Häuser an der Französischen Allee. Sie haben sich zu einem „Mieterrat“ zusammengeschlossen, weil sie sich schlecht informiert, verschaukelt und nicht ernst genommen fühlen.

„Es gibt im Quartier keinen Mieter, der freiwillig ausziehen will“, sagen Jutta Cerniglia und Erika Skarletzki, die Sprecherinnen des Mieterrates.

OB Claus Kaminsky hatte dieser Tage erklärt Investoren-Pläne an der Französischen Allee würden nicht vor 2011 realisiert. Und: „Wir lassen die Mieter nicht im Stich.“

Die Äußerungen des Rathauschefs hätten aber „nicht zur Klärung beigetragen“, moniert der Mieterrat. Mit unklaren Informationen sollten die Mieter offenbar beschwichtigt werden.

Die Bewohner der Häuser fühlen sich verschaukelt. Seit zwölf Jahren sei ihnen von der Baugesellschaft eine Sanierung versprochen worden. „Aber bis heute ist nichts davon umgesetzt worden.“ Da die Wohnanlagen „massiv vernachlässigt“ worden seien, drohe den Mietern nun „die Vertreibung aus ihren Wohnungen“, kritisiert der Mieterrat.

Im Vergabeverfahren für den „Wettbewerblichen Dialog“ wurde den Investoren - fünf sind in der derzeitigen Erörterungsphase dabei - als „Pflichtaufgabe“ auferlegt“, das Quartier an der Französischen Allee zu einem attraktiven Wohnstandort zu machen, dabei war auch schon von Abriss und Neubauten die Rede. Die Pläne der Investoren sehen angeblich Stadthäuser in dem Viertel vor.

Die Mieter indes sehen sich nicht ausreichend informiert. Sie mahnen von der Baugesellschaft eine Mieterversammlung an, die längst versprochen worden sei. „Wir fühlen uns von der Baugesellschaft und der Politik ziemlich allein gelassen“, wurde laut Cerniglia im Mieterrat geschimpft. „Das Vertrauensverhältnis zu Stadt und Baugesellschaft ist fast auf dem Nullpunkt“, heißt es in einer Presseerklärung.

Die Baugesellschaft hatte den Mietern Anfang Februar mitgeteilt, dass es zu einem Abriss einzelner Liegenschaften kommen könne. Die Mieter fürchten, dass Entscheidungen fallen, „ohne dass vorher mit uns gesprochen wurde.“

OB Kaminsky, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Baugesellschaft, hatte die Einrichtung einer Projektgruppe angekündigt. Vor der Sommerpause sollen die Mieter über die nächsten Planungsschritte informiert werden.

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