Seit den Sommerferien

Dem zweiten Ruf gefolgt: Judith Baumbach ist die neue Leiterin der Gebeschusschule

Judith Baumbach ist seit den Sommerferien neue Leiterin der Gebeschusschule.
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Judith Baumbach ist seit den Sommerferien neue Leiterin der Gebeschusschule.

Ein frischer Wind weht durch die Räume der Gebeschusschule – nicht nur, weil wegen der Corona-Pandemie immer wieder gelüftet werden muss. Mit Judith Baumbach ist seit dem Sommer eine neue Leiterin an die Spitze gerückt.

Hanau - In der Person der 42-Jährigen, die sich als echte Hanauer Pflanze versteht, vereinen sich auf ungewöhnliche Weise Tradition und Moderne. Sie besuchte zunächst in Hanau die Wilhelm-Geibel-Schule und wusste spätestens beim Abitur an der Otto-Hahn-Schule, dass für sie nur der Lehrerberuf in Frage kam.

Damals dürfte sie, die an der Frankfurter Goethe-Universität Deutsch und Sachunterricht studierte, aber kaum geahnt haben, dass sie in vergleichsweise jungen Jahren bereits Leiterin einer Schule werden würde – ausgerechnet der Schule, die bereits ihre Großeltern besucht haben.

Nach dem Studium in Großauheim tätig

Baumbachs „Vor-Vorgängerin“ Annedore Stübing, damals (wie heute) auch fürs Staatliche Schulamt tätig, hatte die junge Kollegin an eine Schule in Großauheim geholt, als diese fertig war mit dem Studium. Stübing sei es auch gewesen, die ihr den DAZ-Unterricht, also Deutsch als Zweitsprache, ans Herz legte und näherbrachte, sagt Baumbach.

Denn nach Großauheim war die Gebeschusschule, die von 80 Prozent Mädchen und Jungen mit Migrationsgeschichte besucht wird, 2006 Baumbachs nächste Station: „Hier merkte ich, dass ich viel zu wenig über meine Muttersprache weiß, um Kinder mit Defiziten richtig fördern und ihre Potenziale herauskitzeln zu können“, erklärt die Pädagogin. In der Folge belegte sie nicht nur „Deutsch als Zweitsprache“ als weiteres Studienfach, sie besuchte auch kontinuierlich Fortbildungen, unter anderem zu „Deutsch für den Schulstart“. „Das wurde mein Thema“, sagt Baumbach.

Fachberaterin beim Staatlichen Schulamt

In den Folgejahren war die 42-Jährige nicht nur an vielen Schulen in der Region als Vertretungslehrerin im Einsatz. Sie arbeitete zudem im Auftrag des Staatlichen Schulamts, an das sie abgeordnet war, als Fachberaterin für Deutsch für den Schulstart. „Damals lernte ich víele Grundschulen, Schulleiter und Lehrer in der Region kennen“, schaut sie zurück. Sie entwickelte auch im Team mit anderen Konzepte und war beratend tätig.

2011 wurde Baumbach Mutter einer Tochter. „Das war dann erst einmal mein Schwerpunkt“, betont sie. Doch „ihr Thema“ konnte sie auch im Privaten weiterverfolgen. Denn bei der Tochter erlebte sie ganz hautnah, wie Spracherwerb und Sprachförderung bei den Allerkleinsten funktionieren. So konnte sie möglicherweise etwas leichter verschmerzen, dass sie ihre Stelle als Konrektorin an der Maintaler Fritz-Schubert-Schule verlor.

Tätigkeit in der Schulleitung bevorzugt

Die Stelle war wegen gesunkener Schülerzahlen gestrichen worden. Dabei hatte sie sich ganz bewusst auf die Konrektorenstelle beworben. Als Lehrerin hatte sie die Erfahrung immer wieder unglücklich gemacht, in den Sommerferien arbeitslos zu werden. Eine Tätigkeit in der Schulleitung bedeutete hingegen Kontinuität. Und es kam ihrem Wunsch entgegen, konzeptionell zu arbeiten.

Das wurde erst recht wichtig, als ab 2012 vermehrt Menschen aus Polen, Serbien oder Moldawien nach Hanau kamen. „Ich war damals viel unterwegs an den Grundschulen und beriet die Lehrer, wie die Förderkonzepte auf die jeweiligen Schulgegebenheiten zugeschnitten werden könnten.“

Seit 2013 an der Gebeschusschule in Großauheim

2013 kehrte Baumbach an die Gebeschusschule zurück – und blieb. Ein Jahr später wurde sie abgeordnet ans Kultusministerium, um weiter an Konzepten zu arbeiten. So konnte sie gemeinsam mit Stübing Aufnahme- und Beratungszentren aufbauen, als die große Flüchtlingswelle kam. In den Zentren wurden alle Kinder in Intensivklassen gezielt auf den Unterricht in Deutsch vorbereitet.

Schon nach dem Abschied von Annedore Stübing als Schulleiterin stellte sich für Baumbach die Frage, ob sie sich um die Nachfolge bewerben solle. „Aber damals war meine Tochter noch zu klein, es war noch nicht die Zeit“, erinnert sich Baumbach. Vier Jahre führte Wolfgang Müller die Schule. Als Müller nun die Leitung einer Schule im Ausland übernahm, kam die Anfrage erneut. „Ich habe mit meinem Mann und meiner Tochter gesprochen, und die haben mich ermuntert“, sagt die Rektorin, deren Einstieg in ein schweres Jahr fiel. Erst kam der rassistische Anschlag vom 19. Februar, der die Kinder in große Sorge stürzte. Jetzt hält Corona die Stadt (und die Schule) in Atem.

Baumbach bleibt trotz aller Widrigkeiten zuversichtlich: „Ich kann mich auf ein starkes Team stützen“, freut sie sich über den Rückhalt.

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