Polizei sucht Zeugen

DGB beklagt Angriff auf Gewerkschafter bei Demo gegen AfD 

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Protest gegen die AfD in Hanau. Dabei soll es zu einem Zwischenfall gekommen sein, bei dem ein Gewerkschafter verletzt wurde.

Steinheim - Die Wahlkampfkundgebung der Alternative für Deutschland (AfD) beziehungsweise die unter anderem vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) organisierte Gegendemo haben ein Nachspiel. Von Dirk Iding

Wie die Polizei gestern bestätigte, ermittelt sie wegen des Verdachts der Körperverletzung. Am Rande der Gegenkundgebung ist es offenbar zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen zwei AfD-Sympathisanten und einem Gewerkschafter gekommen. Dabei soll letzterer so schwer verletzt worden sein, dass ein Rettungswagen gerufen wurde. Der Mann sei zur Beobachtung ins Krankenhaus gefahren worden.

Der Polizei liegen Strafanzeigen wegen Körperverletzung von beiden Seiten vor. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei soll sich die Auseinandersetzung zwischen 18.30 und 19 Uhr am Rande der Kundgebung vor der Kulturhalle zugetragen haben. Daran sollen zwei 74 und 71 Jahre alte Männer und ein 43-Jähriger beteiligt gewesen sein. Die drei Männer seien, so die Polizei, in Streit geraten, welche in wechselseitigen Handgreiflichkeiten geendet habe.

Die Polizei ermittelt nun gegen alle Beteiligten wegen des Verdachts der Körperverletzung. Zeugen der Auseinandersetzung werden dringend gebeten, sich unter der Rufnummer 06181/100123 bei der Polizei gemeldet.

DGB spricht von „brutalem Angriff“

Nach Darstellung des DGB habe es sich bei dem Vorfall um einen brutalen Angriff auf einen Hanauer Gewerkschafter gehandelt. Der Kollege sei dabei „bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt“ worden, habe ein Schädel-Hirn-Trauma, einige Prellungen und eine kurzzeitige Amnesie erlitten. Das sei alles unter den Augen von Zeugen und unter den Augen der Polizei geschehen, so der DGB in einer Erklärung.

DGB-Regionsgeschäftsführerin Ulrike Eifler reagierte fassungslos: „Mich erschreckt die Skrupellosigkeit der Tat: am helllichten Tag, mitten in einer Kundgebung und unter den Augen der Polizei – die Täter müssen sich sehr sicher fühlen. Der Vorfall unterstreicht, dass die AfD keine Spaßpartei, sondern hochgefährlich ist.“

Nach Darstellung der Gewerkschaft hätten sich die beiden mutmaßlichen Täter unter die Gegendemonstranten gemischt. Einer von ihnen habe schließlich versucht, der DGB-Regionsgeschäftsführerin Eifler das Mikro aus der Hand zu nehmen. Daraufhin sei ein von der Gewerkschaft gestellter Ordner eingeschritten und habe den Mann aufgefordert, den Platz zu verlassen. Dieser Aufforderung sei der Mann auch nachgekommen, blieb aber am Rande der Kundgebung stehen, wo offensichtlich eine zweite Person auf ihn gewartet habe. Beide hätten dann den Ordner, der ihnen den Rücken zugedreht hatte, von hinten angegriffen. „Sie würgten ihn, selbst als er schon bewusstlos am Boden lag“, heißt es in einer Schilderung des Vorfalls durch den DGB. Umstehende, die etwas von dem Angriff mitbekamen, seien eingeschritten und hätten so dem Gewerkschafter möglicherweise das Leben gerettet. Die beiden Angreifer hingegen hätten anschließend an der AfD-Kundgebung teilgenommen, so schildert es die Gewerkschaft.

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Für die Hanauer Gewerkschaften seien mit diesem Vorfall „Grenzen überschritten“. Der Angriff zeige, dass die verbalen Entgleisungen der AfD, wie man sie in der vergangenen Woche insbesondere gegen Ulrike Eifler sowie gegen den Gewerkschaftsfunktionär Tobias Huth erlebt habe, in offene Gewalt umschlagen könne“, erklärte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Hanau-Fulda, Robert Weißenbrunner. Aus mehreren Gewerkschaften kamen Solidaritätsbekundungen und die Forderung nach einer raschen Aufklärung des Vorfalls. „Die Täter sind bekannt. Sie müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, verlangt der Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Main-Kinzig-Osthessen, Berthold Leinweber.

Und für Beate Rohrig, Bezirksleiterin der IG BCE Mittelhessen, steht fest: „Die AfD steht nicht nur programmatisch für eine arbeitnehmerfeindliche Politik. Sie ist ganz offensichtlich auch eine Bedrohung für organisierte Gewerkschaftler. Die AfD wird jetzt mit unserem gemeinsamen und entschlossenen Widerstand rechnen müssen.“

Auch vonseiten der AfD werden in einer Presseerklärung „Straftaten“ der Gegendemonstranten beklagt. Unrühmlicher Höhepunkt sei ein Fall von körperlicher Gewalt gewesen, „bei dem einem unserer Gäste seine Brille aus dem Gesicht geschlagen wurde, und die dabei entstandene Wunde von einem Ordner ambulant versorgt wurde“, heißt es in einer Erklärung der Alternative für Deutschland.

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