Denkmalgeschützte Hallen sollen Wohngebiet weichen

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An einer der Hallen ist das Dach schon eingebrochen. ABB will sich von den leer stehenden Gebäuden am bisherigen Haupteingang trennen.

Großauheim - Lassen sich Pläne der Firma ABB und der Stadt realisieren, wird die BBC-Straße in Großauheim ihr Gesicht völlig verändern. Das Unternehmen, das mit 550 Mitarbeitern unter anderem Hochspannungs-Schaltanlagen herstellt, will sich von einem 6,5 Hektar großen Geländestreifen an der BBC-Straße trennen und seine Hauptzufahrt zur Depotstraße verlagern. Von Erwin Diel

Ein Wohngebiet und drei Einzelhandelsgeschäfte könnten nach Unternehmensangaben auf dem frei werdenden Gelände entstehen.

Knackpunkt des Projekts: ein 15 000 Quadratmeter großer und seit Jahren leer stehender Hallenkomplex, der unter Denkmalschutz steht (siehe Info-Ecke), müsste abgerissen werden. Die Denkmalbehörden bis hin zum hessischen Landeskonservator haben die dazu erforderlich Zustimmung bisher verweigert. Die Stadt stehe dem Vorhaben offen gegenüber, es seien aber noch einige Punkte abzuarbeiten, sagte der für Stadtentwicklung zuständige Fachbereichsleiter Martin Bieberle. „Wir sind mitten in der Prüfung.“ Neben dem Denkmalschutz gehe es auch um Fragen des Nachbarschaftsrechts und um Lärmschutz.

Seit acht Jahren, als der letzte Mieter auszog, steht der Hallenkomplex leer. Eine Vermarktung der bis zehn Meter hohen Hallen ist bislang nicht gelungen. Für die riesigen Flächen gebe es in der Region keinen Bedarf. Das hat sich die ABB Grundbesitz GmbH in Mannheim, der die Liegenschaft gehört, inzwischen durch ein Gutachten bestätigen lassen, wie aus Firmenkreisen verlautet. Zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen sei der Komplex nicht zu halten. Wirtschaftsdezernent Dr. Ralf-Rainer Piesold ist überzeugt, dass am Abriss der Halle am Ende kein Weg vorbei führt. Er halte aus ökonomischen Gründen den Erhalt der Halle für nicht durchsetzbar.

Das Baukonzept für das Gelände sieht vor, im Anschluss an bestehende Märkte an der BBC-Straße auf 1,3 Hektar drei Handelsbetriebe bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche anzusiedeln. Im nördlichen Bereich soll ein Wohngebiet mit 50 Doppelhäusern, acht bis zehn Einfamilienhäusern und 45 Reihenhäusern entstehen.

ABB rechnet aus der Umwidmung des Fabrikgeländes mit einem Erlös von rund fünf Millionen Euro. Das Geld solle nach Firmenangaben in die Infrastruktur des Standortes Großauheim gesteckt werden, um dessen Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Erneuert werden soll neben Produktionsanlagen auch die Elektrotechnik und das Heizungsystem. Umorganisiert wird die Erschließung des Werksgeländes. Die Zufahrt soll künftig alleine von der Depotstraße aus erfolgen. Die BBC-Straße werde dadurch von Werksverkehr befreit.

Die Investitionen, insgesamt rund 7,5 Millionen Euro, würden aber erst frei gegeben, wenn ein städtebaulicher Vertrag über die Umnutzung unterzeichnet sei. Einzige Ausnahme: Den Neubau der Galvanik hat sich ABB im Vorgriff 2,5 Millionen Euro kosten lassen.

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