Der Fall Bittner lässt den Glauben an den Rechtsstaat schwinden

Die Zahl der Anzeigen gegen den Immobilienmogul Ulrich Bittner haben bei der Staatswaltschaft in Hanau bereits dreistellige Dimensionen. Daraus macht man bei der Behörde keinen Hehl. Im dreistelligen Bereich dürfte auch die Zahl der Menschen liegen, die im Laufe der vergangenen Jahre Opfer von Bittners Machenschaften geworden sind. Dabei handelt es sich vorwiegend um Personen, die am Rande der Gesellschaft stehen und ganz offensichtlich zu schwach sind, um sich selbst gegen die aggressive und skrupellose Vorgehensweise des Unternehmers zu wehren. Bittner hat sich die Mieter für seine Schrottimmobilien gezielt ausgewählt, hat ihnen neben der Miete auch die Kosten für Wasser, Strom und Gas abgenommen, das Geld jedoch nie an die Versorger weitergeleitet. Als diese dann irgendwann ihre Leistungen gestoppt haben. weil die Rückstände zu groß wurden, hat Bittner billigend in Kauf genommen, dass Kinder, Frauen, ältere Menschen und auch Behinderte frieren, auf dem Trockenen sitzen und in seinen teils schimmeligen Wohnungen ein erbärmliches Dasein fristen müssen. Er setzte sie unter Druck, drohte ihnen mit Kündigung. Das hat er nicht einmal gemacht, sondern flächendeckend immer nach dem gleichen Schema. Allein im Main-Kinzig-Kreis sind Fälle aus Bad Orb, Erlensee, Großkrotzenburg und eben Bruchköbel bekannt. Bei den kreiseigenen Versorgern haben sich nach Angaben des Landratsamts so Schulden in einem fünfstelligen Bereich angesammelt. Um die Bewohner in Bruchköbel aus der Misere zu holen, wurden im Winter die Versorgungshähne auf Bestreben der Kreisspitze wieder aufgedreht. Für die Kosten musste die Allgemeinheit aufkommen. Bittner hingegen ist bisher nahezu unbehelligt geblieben. Auch erfahrene Juristen schütteln ungläubig den Kopf, können nicht nachvollziehen, warum dem Mann noch nicht der Prozess gemacht worden ist. Der Fall Bittner lässt den Glauben an den Rechtsstaat schwinden.

Von Holger Weber

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