„Der Geist der Basisdemokratie“

Main-Kinzig-Kreis (did) - Als Freitag Abend kurz nach 19 Uhr Applaus in der Wächtersbacher Heinrich-Heldmann- Halle aufbrandete, war es geschafft.

Der mitgliederstärkste Unterbezirk der südhessischen SPD, der SPD-Unterbezirk Main-Kinzig, hatte sich mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit eine neue Satzung gegeben.

Unter normalen Umständen wäre das ein eher formaler Vorgang gewesen, aber was die Genossen an Main und Kinzig auf den Weg gebracht haben, ist in Hessen einmalig und gibt es in der gesamten Bundesrepublik bisher nur in Münster und in Mayen-Koblenz, in zwei deutlich kleineren Kreisverbänden der SPD. Die Main-Kinzig SPD hat einstimmig den Weg freigemacht für mehr Mitgliederbeteiligung ihrer Parteibasis. „Ab sofort werden alle Sach- und Personalentscheidungen von allen Mitgliedern der Kreis-SPD getroffen und nicht mehr allein von den Delegierten der Ortsverbände. Die Veranstaltungen können als Mitgliedervollversammlung abgehalten werden und erlauben somit jedem Parteimitglied, vom ersten Tag der Mitgliedschaft an direkten Einfluss auf die Politik der Kreispartei zu nehmen und den Kurs mitbestimmen zu können“, fasste der Unterbezirksvorsitzende und Initiator der Satzungsänderung Dr. André Kavai zusammen.

Die neuen Möglichkeiten eines Mitgliederentscheids und einem vereinfachten Antragsrecht verdeutlichte der stellvertretende Vorsitzende Christoph Degen (Neuberg): „Jedes Mitglied hat die Möglichkeit, sich direkt einzubringen ohne den Umweg über die Gliederungen. So ist Mitmachen von Anfang an gewährleistet und spannende Diskussionen auf dem Parteitag sind vorprogrammiert. Wer gute Ideen hat ist willkommen.“

Von der neuen Satzung erhoffen sich die Sozialdemokraten neue inhaltliche Impulse, bessere Argumente bei der Mitgliederwerbung und vor allem eine ganze Menge neue Gesichter, die man noch für die Parteiarbeit motivieren kann. Auch die Tatsache, dass nun alle Mitglieder über ihre Kandidaten in Bund-, Land und Kreis entscheiden, weckt entsprechende Hoffnungen: „Das ist der eigentliche große Wurf, die größte Veränderung, dass wir alle Nominierungsversammlungen für Parteiämter und Mandate in Bundestag, Landtag und Kreis parteiöffentlich abhalten. Damit werden natürlich unsere Kandidaten auch gleich bekannt und haben das notwendige Medieninteresse“, meint Kavai. Die Sozialdemokraten wollen mit dieser Satzungsänderung auch Impulsgeber für andere Kreisverbände in Deutschland sein. „Die neue Satzungsänderung zeigt eine neue politische Kultur, die vom Geist basisdemokratischer Entscheidungen geprägt sei“, meint auch der stellvertretende Unterbezirksvorsitzende Thorsten Stolz (Gelnhausen).

Rubriklistenbild: © dpa

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