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„Es zerreißt uns das Herz“: Eines der ältesten Lokale in Hessen schließt

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Von: Christian Spindler

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Während das Restaurant in wenigen Wochen schließt, läuft der Betrieb des Hotels unverändert weiter.
Während das Restaurant in wenigen Wochen schließt, läuft der Betrieb des Hotels unverändert weiter. © Scheiber

Das Traditionslokal „Zum grünen Baum“ in Hanau schließt. Für die Betreiber keine einfache Entscheidung – die Gründe für das Aus sind vielfältig.

Hanau – Wenn man dieser Tage mit Doris Bauer-Liposcak spricht, merkt man, wie nahe ihr das alles geht: Wegen der Mitarbeiter, vor allem. Auch wegen der langen Tradition. Und weil die Entscheidung am Ende sehr schnell kam. „Das war dann doch ziemlich hauruck“, so Bauer-Liposcak. Aber es sei nicht anders gegangen. Jedenfalls wird das Gasthaus „Zum grünen Baum“ in Klein-Auheim in einigen Wochen schließen, und damit eines der ältesten Lokale in ganz Hessen.

1639 wurde der „Baum“ erstmals urkundlich erwähnt. Damals als Bauernhof mit Schänke. Seit nunmehr vier Generationen betreibt die Familie Bauer das Gasthaus und das Hotel an der Obergasse unweit der Klein-Auheimer Kirche. Auch das ist weithin einmalig. Umso schwerer fällt das Aufhören.

Hanau: Traditionslokal „Zum grünen Baum“ schließt – Corona hat „unheimlich zugesetzt“

Es sind eine Reihe von Gründen, die zur Entscheidung führten, die Traditionsgaststätte dicht zu machen. Zum einen hat die Corona-Pandemie auch dem „Grünen Baum“ in den vergangenen zwei Jahren „unheimlich zugesetzt“, so Bauer-Liposcak. Fachkräfte fehlen allenthalben. Viele mussten sich während der Lockdowns umorientieren, sind nicht mehr zurückgekehrt. 24 Mitarbeiter hatte der „Baum“ – Restaurant plus Hotel– vor Corona. Nun sind es noch zehn. Aber auch behördliche Auflagen machen den Betrieb schwer. Erhebliche Investitionen wären notwendig, die aber „wären wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen“, sagt die Chefin – „besonders mit der unsicheren weltpolitischen Lage im Hinterkopf“. Und aus Reihen der Familie, so heißt es, gebe es außerdem keinen Nachfolger.

Das von Doris Bauer-Liposcak und ihrem Mann Josef geführte Gasthaus „Zum grünen Baum“ war als Traditionslokal mit regionaler Küche und hessischen Spezialitäten in Hanau und in der Region geschätzt und auch beliebt, weil dort bei Feiern für bis zu 130 Personen Platz war und weil es im Sommer einen gemütlichen Biergarten gab.

„Wir gehgn zum Hanjersch“

Auf einen Vorfahren der Gastronomen-Familie Bauer, nämlich Johann-Georg, geht der Name zurück unter dem das Traditionslokal „Zum grünen Baum“ bei älteren Klein-Auheimern und Hanauern bekannt ist: Wir gehen zum „Hanjersch“, sagt man da. Aus dem Johann Georg wurde im Laufe der Zeit im Dialekt und der Überlieferung zufolge eben der „Hanjersch“. Weithin bekannt war auch der letzte Senior-Chef des Klein-Auheimer Hauses, Berthold Bauer, der vor einigen Jahren starb.

Aus für Traditionslokal in Hanau: Bricht unserer Familie das Herz

Dass mit dem Restaurant-Betrieb Schluss sein wird, „bricht unserer Familie das Herz“, sagt Doris Bauer-Liposcak im Gespräch mit unserer Zeitung – wegen der vielen (Stamm-)Gäste), die dem Lokal so viele Jahre die Traue gehalten haben. Zuvörderst aber wegen der Mitarbeiter. „Das ist ein Top-Team, das immer hinter uns gestanden hat“, sagt Bauer-Liposcak. „Gerade das hat uns die Entscheidung bis zuletzt so unendlich schwer gemacht.“

Anfang Mai wird die Gaststätte ihre Pforten schließen. „Der 1. Mai ist Weißer Sonntag. Wegen der Kommunionfeiern werden wir das Restaurant noch offen haben“, so die Chefin. Danach aber ist Schluss. Allerdings nur mit dem Lokal. Die Inhaber-Familie will sich auf den Betrieb des Hotels konzentrieren, denn „ganz ohne den Kontakt zu unseren langjährigen Gästen können wir einfach nicht”, heißt es  in einem Infotext. 23 Zimmer hat das dem Restaurant gegenüberliegende Hotel, in dem es künftig zumindest Frühstück geben soll. Und was passiert mit dem Gasthaus-Gebäude an der Obergasse? Entschieden sei noch überhaupt nichts, sagt Doris Bauer-Liposcak. „Wir brauchen erst einmal etwas Abstand.“ (Christian Spindler)

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