Weltenbummler

Der oberste Hüter des Waldes: Lutz Hofheinz hat die Leitung des Forstamts Hanau-Wolfgang übernommen

Lutz Hofheinz vom Forstamt Hanau.Wolfgang
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Vor neuer Wirkungsstätte: Auf Lutz Hofheinz kommen im Forstamt Hanau-Wolfgang vielfältige Aufgaben zu.

Der Wald rund um das Forstamt Hanau-Wolfgang hat sich sein Herbstkleid angezogen: rot, gelb und braun ist jetzt das Blätterdach, das zusehends lichter wird. Hier ist die neue Wirkungsstätte von Lutz Hofheinz. Seit August leitet er das Forstamt, in Nachfolge des langjährigen Forstamtsdirektors Christian Schaefer.

Hanau – Auf einem Waldspaziergang spricht der 59-Jährige über seine Forstlaufbahn und umreißt die wichtigsten Aufgaben, die auf ihn als Forstamtsleiter in den kommenden Jahren zukommen.

In Kassel geboren und in Niedersachsen aufgewachsen kommt Hofheinz schon in jungen Jahren mit dem Beruf des Försters in Berührung. „Mein Onkel war Förster. Ich habe gesehen, wie er seinen Tag verbringt. Das schien mir eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit zu sein, die zudem nicht nur im Büro stattfindet, sondern schwerpunktmäßig draußen. Das schien mir sehr reizvoll.“

Mit diesem Bild vor Augen begann er 1981 mit dem Studium der Forstwissenschaft an der forstlichen Fakultät der Georg-August-Universität in Göttingen. Mehrere Praktika führten Hofheinz während seines Studiums ins Ausland, unter anderem nach Südafrika und Mexiko, wo er seinem Interesse für internationale Forstwirtschaft nachgehen konnte. „Dieses Interesse hat mich zeitlebens nicht mehr losgelassen.“

Ziel stand früh fest: Hofheinz wollte Förster mit eigenem Revier werden

Nach einem Referendariat am Forstamt Königsstein im Taunus konnte Hofheinz Anfang der 90er Jahre sein Studium beenden. Doch sein Abschluss fiel in eine denkbar ungünstige Zeit – zumindest was sein Ziel anging, Förster mit eigenem Revier zu werden. Denn damals gab es für den höheren Forstdienst des Landes Hessen in diesem Bereich nahezu keine Einstellungsmöglichkeiten.

„Ich bin im Fachministerium in Wiesbaden untergekommen. Dort war ich viereinhalb Jahre mit Marketingaufgaben zur Holzvermarktung beschäftigt. Es gab damals leider keine Möglichkeiten, in den Außendienst versetzt zu werden.“

Förster lebt drei Jahre lang in Namibia

Seinen Traum, Förster mit eigenem Forstamt zu sein, so wie damals sein Onkel, gab Hofheinz deshalb aber nicht auf – er stellte ihn lediglich hinten an – und bewarb sich beim Deutschen Entwicklungsdienst, wurde genommen und ging im Jahr 1995 samt Familie nach Namibia. „Mit Frau und zwei Kindern auf dem Hinweg und Frau und drei Kindern 1998 auf dem Rückweg“, erzählt er.

Auf dem afrikanischen Kontinent durfte er den Wald in den trockenen Tropen kennenlernen, „eine ganz besondere Form der Forstwirtschaft“, wie Hofheinz sich erinnert. Doch der Wunsch, die Kinder in Deutschland zu beschulen und sie in die sozialen Strukturen ihrer Heimat zu integrieren, ließ Familie Hofheinz in die Bundesrepublik zurückkehren.

Zunächst für die Holzvermarktung zuständig

„Wir sind dann in Lich gelandet, dort war ich für die Holzvermarktung bei der Landesanstalt für Forst- und Forstplanung zuständig.“ Eine Reform der Forstverwaltung brachte eine Verlegung der Arbeitsstelle nach Kassel mit sich, was ein tägliches Pendeln über mehrere Jahre bedeutete. „Ich habe vier Stunden täglich in Zügen verbracht. Eine sehr anstrengende Zeit und nicht besonders familienfreundlich.“

2002 dann ging endlich Hofheinz lang ersehnter Wunsch in Erfüllung: Er bekam einen Posten als Leiter des Forstamts Marburg und zog mitsamt Familie dort hin. Bis heute der Familiensitz der Hofheinzs.

Förster mit Fernwehr: Hofheinz zieht nach Indonesien

2017 regte sich erneut Fernweh bei dem Förster. Der Weg führte nach Indonesien. Das Haus in Marburg wurde vermietet, als Hofheinz 2017 mit seiner Frau nach Indonesien aufbrach. „Meine Frau war sofort begeistert von dieser tollen Chance. Bei ihr habe ich sozusagen offene Türen eingerannt. Die gelernte Künstlerin habe den Aufenthalt in Asien genutzt, um sich inspirieren zu lassen, habe künstlerische Anregungen mit nach Hause genommen und sich in Indonesien ehrenamtlich bei einem sozialen Projekt engagiert.

Lutz Hofheinz in seinem neuen Arbeitsgebiet.

Bei den Kindern habe der erneute Auslandsaufenthalt etwas weniger einheitliche Begeisterung hervorgerufen, „um es vorsichtig auszudrücken“, sagt Hofheinz. Und auch Rest der Familie hatte teils Vorbehalte. „Aber ich denke, uns ist es gelungen diesen Widerstand aufzulösen.“ Auch die Betreuung älterer Familienmitglieder konnte das Ehepaar in seiner Abwesenheit sicherstellen und pflegte mit Familie und Freunden einen sehr engen Kontakt via Internet. „Das hat die Dinge wesentlich erleichtert.“

Förster lebt drei Jahre lang in Indonesien

Bis April diesen Jahres lebte Hofheinz mit seiner Frau in Indonesien. „Wir haben dort dreieinhalb sehr interessante Jahre verbracht. Und ich konnte erneut eine neue Art des Waldes kennengelernen, den feuchten Tropenwald.“ Das Projekt der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit war von vornherein auf drei Jahre befristet

„Ich wollte auch nicht den Rest meines beruflichen Lebens im Ausland verbringen. Deshalb hatte ich immer ein waches Auge auf die Entwicklungen in der Heimat und bin so auf die Stelle in Hanau aufmerksam geworden.“

Von Indonesien nach Hanau

Von Indonesien aus bewarb sich Hofheinz um die Hanauer Forstamtsleitung. „Das Hanauer Forstamt ist interessant, denn es hat nicht nur das einzige Forstsaatgutzentrum, sondern auch die einzige Forstbaumschule im Eigentum des Landes Hessen. Das sind besonders spannende Sonderaufgaben innerhalb des Forstamts auf die ich mich freue.“ Zudem nennt Hofheinz weitere Sonderbetriebe, wie Wildpark, Jugendwaldheim oder Waldladen. „Anspruchsvoll, aber auch besonders reizvoll. Es sind tolle Aufgaben, denen ich mich gerne stelle.“

Zunächst pendelte Hofheinz seit Anfang August täglich von Marburg nach Hanau, war dafür pro Strecke eine Stunde unterwegs. Da dies für ihn keine Dauerlösung darstellte, hat er sich ein Zimmer gesucht. So bleibt er nun unter der Woche in Rodenbach, sehr nahe am Wald und Forstamtsgebäude und verbringt das Wochenende in Marburg.

Herausforderungen für Förster sind groß

In Hanau angekommen verschaffte sich der neue Forstamtsleiter zunächst einen Überblick über seine Mitarbeiter. „Ich wollte die Leute kennenlernen, habe mich überall vorgestellt und in Erfahrung gebracht, wer welche Aufgaben hat. Zudem habe ich die wichtigsten Partner des Forstamts kennengelernt, habe gemeinsam mit Herrn Schäfer viele Bürgermeister der von uns betreuten Gemeinden besucht, mich bei wichtigen Partnern und Dienstleistern des Forstamts vorgestellt und mich mit aktuellen Projekten vertraut gemacht.“

Für die kommenden Jahre nennt Hofheinz drei große Herausforderungen. Zum einen werde es darum gehen, im Forstbetrieb den Generationswechsel gut zu organisieren. „Die Altersstruktur in den Reihen unserer Revierleiter lässt erkennen, dass wir in den nächsten Jahren einige Abgänge in den Ruhestand erleben werden. Jetzt ist es wichtig, gut ausgebildete und gut motivierte junge Leute anzuwerben, die die Nachfolge auf diesen wichtigen Posten antreten können.“

Förster ist für 18 Kommunalwälder zuständig

Zudem komme es darauf an, weiterhin eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Gemeinden zu pflegen, deren Wälder der Landesbetrieb Hessenforst betreut und bewirtschaftet. 18 Kommunalwälder liegen derzeit im Zuständigkeitsbereich des Hanauer Forstamts. „Es besteht eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit, die es gilt zu erhalten.“

Außerdem gilt es, sich um die akuten Waldschäden nach drei Trockenjahren zu kümmern. „Die Wälder sehen zum Teil katastrophal aus. Wir müssen einen Waldumbau organisieren der klimastabile Wälder gewährleistet. Wir müssen uns mit einer neu zusammengesetzten Waldgesellschaft auseinandersetzen. Müssen viele Flächen wieder aufforsten, neue Anbauverfahren entwickeln und in diesem Zusammenhang auch die Beschaffung und Auswahl von qualitativ höchst wertvollem Forstsaatgut im Auge behalten. Die Waldschäden sind eine Großbaustelle, die den Förstern in Hessen alles abverlangt. Es ist einer der größten Schwerpunkte der nächsten Jahre – wenn nicht sogar Jahrzehnte.“

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