Im Schlepptau der Maakuh

Der Steinheimer Berti Adam erinnert sich an alte Zeiten der Mainfischerei

Weithin war die Steinheimer Metzgerei Adam als „Fischpann“ bekannt, weil dort Mainfische gebraten wurden. Das alte Gebäude (Bild) wich 1961 einem Neubau.
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Weithin war die Steinheimer Metzgerei Adam als „Fischpann“ bekannt, weil dort Mainfische gebraten wurden. Das alte Gebäude (Bild) wich 1961 einem Neubau.

Gut 50 Jahre ist es her, da ging Engelbert Adam das letzte Mal auf Fischzug und versenkte das mit Bleikugeln beschwerte Wurfgarn im Main. Zu Zeiten als Adam, der 1936 geboren wurde, das Fischen lernte, „haben wir meistens um die 20 Kilogramm Fisch gefangen, mal mehr, mal weniger.

Mit Glück war auch mal ein Hecht dabei“, erinnert er sich. Berti Adam ist einer von mehr als 40 Fischermeistern in der seit 1425 gegründeten Steinheimer Fischerzunft. Und kaum einer kennt die Geschichte der Mainfischerei so gut wie er. Adam erinnert sich an längst vergangene Zeiten, etwa als der Main im Winter noch zufror und das Frühjahrs-Hochwasser die Eisschollen auf die Mainwiesen mitunter bis an den Damm heranschob. Das Fischen auf dem Main erlernte Berti Adam bei seinem Klein-Auheimer Cousin Karl Adam. „Bei Booté, so sein Uzname, habe ich das Netzwerfen, das Legen der Aalreusen und das Fahren mit dem Nachen erlernt.“ Und schon als Bub war Berti bei den Fischerzunft-Versammlungen dabei. Der echte Altmeister, der mittlerweile 84 Jahre alt ist, ist auch heute noch bei den Meisterprüfungen des Fischerzunft-Nachwuchses zugegen.

„Rotaugen und Brassen waren in den 1950er und 60er Jahren der Brotfisch der Mainfischer“, erzählt Adam. Oder davon, dass nach dem Ersten Weltkrieg Mainfische das Essen armer Leute waren, und dass nach 1945 noch einige Dietesheimer Fischer versuchten, sich mit der Mainfischerei über Wasser zu halten. Und Adam erzählt von seinem Großvater, der im Main gefangene Rotaugen in der Metzgerpfanne backte. Deswegen war die seit 1895 bestehende Steinheimer Familienmetzgerei auch als „Fischpann“ bekannt. Zur einstigen Metzgerei in der Karlstraße/Ecke Ludwigstraße gehörte damals die Gastwirtschaft „Zur Stadt Offenbach“ mit Biergarten. 1961 wurde die alte „Fischpann“ abgerissen und ein Neubau errichtet. Berti Adam leitete die Metzgerei von 1967 bis zu deren Schließung 1992.

Präsentiert stolz seinen Fischer-Meisterbrief von 1953: Berti Adam.

Weil ihm der Metzgerberuf keine Zeit mehr ließ, gab Adam das Fischen Ende der 60er Jahre auf. Umso lebendiger sind indes seine Erinnerungen. „Unser Nachen lag früher im Main in Höhe der St. Nikolaus-Kirche, wir fischten flussabwärts in Richtung ehemaliges Schwimmbad Mosler. Und wenn wir Glück hatten, kam ein Schiffskonvoi vorbei. Der mit Kohle befeuerte Schlepper, das Dampfschiff Maakuh, zog andere beladene Kähne mainaufwärts. Und wir konnten uns dann mit unserem Fischernachen mainaufwärts mitziehen lassen.“ Rotaugen und Brassen seien damals die am häufigsten mit den Netzen gefangenen Fische gewesen, erinnert sich Adam. „Wir haben aber nur die backfähigen Fische behalten, die Kleineren durften wieder im Main schwimmen.“

Die Umweltverschmutzung machte von den 1960-er Jahren bis weit in die 80-er auch Fischen und Fischern zu schaffen. Weil die Aschaffenburger Zellstofffabrik ungeklärte Abwässer in den Main geleitete habe, habe sich die Wasserqualität verschlechtert. Adam: „Beim Fischen waren damals unsere Netze und Reusen voll mit Zellstoff.“ Erst nachdem am Main Kläranlagen gebaut waren, besserte sich die Wasserqualität wieder. Allerdings verschwanden durch die im Zuge der Flussbegradigung in den 1970er Jahren vorgenommene steinerne Uferschüttung die natürlichen Schilfbestände. Die Mainfische finden seither kaum noch Laichplätze, auch deswegen nimmt die Steinheimer Fischerzunft alljährlich Besatzmaßnahmen vor. So ein Besatz mit Jungfischen sei „früher überhaupt nicht notwendig“ gewesen, erinnert sich Berti Adam, dem auch noch etliche besonders kalte Winter in Erinnerung sind. „Anfang der 1950er Jahre war der Main so fest zugefroren, dass wir auf dem Eis sogar Schlittschuh laufen konnten. Manchmal sein damals sogar die Schiffe festgefroren.

1953/54 legte Berti Adam seine Meisterprüfung als Fischer ab. „Damals wurde bei der Fischerprüfung ein Loch ins Netz geschnitten. Und das musste man dann fischergerecht flicken.“ Das Netzeflicken und Knotenbinden lernte Berti Adam damals von Fischermeister Martin Adam. Während früher bei den Steinheimer Fischerzunft-Familien das Fischrecht nur auf die Buben übertragen wurde, dürfen mittlerweile auch Mädchen der Fischerfamilien ihre Fischmeisterprüfung ablegen. Als Berti Adam 1967 von seinem Vater die Metzgerei übernahm, hatte er mit seinen drei Söhnen Michael, Engelbert Anton und Rolf, die alle ebenfalls Meister der Fischerzunft Steinheim sind, keine Zeit mehr zum Fischen. Stolz ist er auf seine sechs Enkel, von denen fünf ebenfalls Fischereimeister sind.

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