Feriengespräch

DFB-Stadionsprecher Andreas Wurm über seine Heimatgefühle für Hanau

Andreas Wurm spiegelt sich in seiner Sonnenbrille
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Im Heimaturlaub wird das Handy auch mal ausgeschaltet: Andreas Wurm kommt regelmäßig nach Großauheim zu seiner Familie und an die Plätze seiner Kindheit.

Seit 2013 ist Andreas Wurm Stadionsprecher für den DFB. Doch das Herz des Wahl-Hamburgers schlägt für seine Heimat Hanau.

Hanau – Die Heimat neu entdecken. Diesen Satz sagt Andreas Wurm an diesem Vormittag in der Hanauer Innenstadt häufiger. Das Alter, die Tochter, die in wenigen Wochen eingeschult wird, und die Corona-Pandemie haben seinen Blick auf die Heimat geschärft. Andreas Wurm lebt in Hamburg, moderiert für den Radiosender Antenne Niedersachsen in Hannover, steht für den Fernsehsender Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) vor der Kamera und hält bei Länderspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft das Mikrofon in der Hand.

Vergangene Woche ist der 47-Jährige in seiner Heimat gewesen. Andreas Wurm kommt aus Großauheim („Ich bin am Rochusplatz aufgewachsen“), wo seine Eltern und seine Schwester mit ihrer Familie noch immer wohnen. Mit seiner sechs Jahre alten Tochter und den fünf und elf Jahre alten Neffen ist er viel am Main unterwegs gewesen. „Meine Playstation war die Mainwiese“, hat er dabei des Öfteren an seine eigene Kindheit gedacht. Auf der Mainwiese hat Andreas Wurm früher viel Fußball gespielt, ist Skateboard gefahren.

Kindheitserinnerungen bei der Rückkehr nach Großauheim (Hanau)

Das Heimkommen nach Großauheim verbindet er mit dem Schwelgen in Kindheitserinnerungen. „Ich fahre da vorbei, wo ich als Kind gespielt habe. Das wirft mich in Sekunden zurück in meine Kindheit“, erzählt Andreas Wurm und hat dabei alles rund um die Lindenau im Kopf. Beim VfB kickte er in der Jugend als Linksaußen. Tennis spielte er beim TC Lindenau Gruppen- und Verbandsliga. Dann kam die Ausbildung; der Sport rückte in den Hintergrund. „Heute bin ich aktiver Fernsehsportler“, sagt er lachend. Auf dem Tennisplatz steht er selten. Und dann ist „mir mein 75 Jahre alter Vater der liebste Tennispartner“, erzählt Andreas Wurm.

Fühlt sich in Hanau wohl: Andreas Wurm genießt es in der Klara oder im Mein Main.

Auch wenn Berlin lange sein Lebensmittelpunkt war und Hamburg sein heutiger ist, sei sein Zuhause doch hier. „Je älter du wirst, desto mehr stellt du fest, was Heimat ist.“ Während Andreas Wurm das sagt, schweift sein Blick über den Marktplatz. Dort feierte er vor 30 Jahren mit Hunderten Hanauern den WM-Titel. „Plötzlich war die Aufregung groß“, erinnert er sich, „es ging um, dass Mutter Völler auch da sei.“

Andreas Wurm aus Großauheim (Hanau) ist Stadionsprecher des DFB

Den Fußball-Stars von heute ist Andreas Wurm nahe. Als Stadionsprecher setzt ihn der Deutsche Fußball-Bund bei Länderspielen der A-Nationalmannschaft ein. Sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen und der U21. Wenn in Berlin das DFB-Pokalfinale ausgetragen wird, ist die Stimme aus Hanau ebenfalls aus den Lautsprechern zu hören. Beim Sieg des FC Bayern München vor wenigen Wochen über Bayer 04 Leverkusen war er coronabedingt jedoch nicht im Einsatz.

Bei einem Besuch in seiner Heimatstadt hat der 47-jährige Wahl-Hamburger Andreas Wurm keinen Hehl daraus gemacht, wie wichtig ihm seine Heimat ist.

„Seit März bin ich hauptberuflich Papa. Und das“, sagt Andreas Wurm mit strahlendem Gesicht „ist auch sehr schön.“ Für das Fernsehen machte er in den vergangenen Monaten so gut wie nichts, ein bisschen Radio war möglich, auch viele weitere Moderationsjobs fielen flach. „Jetzt läuft alles wieder an und der Terminkalender ist wieder mehr gefüllt.“ Normalerweise ist er zweimal die Woche als Livereporter für die rbb-Sendung „zibb“, die vergleichbar mit „Maintower“ im hr-Fernsehen ist, im Einsatz. Da berichtet er etwa von einer Bootstour auf der Spree oder spricht mit Hundetrainer Martin Rütter. Im Radiostudio von Antenne Nidersachsen steht er für zehn Sendungen im Monat.

Hanauer hat die Corona-Pause nach eigener Aussage gut genutzt

„Die Zeit war arbeitsarm, aber ereignisreich“, fasst er die „unfreiwillige Pause, die ich gut genutzt habe“, zusammen. Zum Beispiel für einen eigenen Sport-Podcast „Stand jetzt“. Seit Anfang Juni geht Andreas Wurm jeden Werktag gemeinsam mit Malte Asmus on air. Etwa eine halbe Stunde sprechen die beiden über aktuelle Sportthemen, blicken in die Sportgeschichte, küren das Geburtstagskind des Tages oder freuen sich über Interviewpartner wie den ehemaligen Fifa-Schiedsrichter Urs Meier. Eine der aktuellsten Folgen entstand zum Teil in Andreas Wurms Heimat. „Ich habe es in meinem alten Kinderzimmer in Großauheim aufgenommen“, erzählt er. Oft mache er das während der Fahrt im Auto. Sein Podcast-Partner ist Malte Asmus, Chefredakteur von meinsportpdcast.de, wo „Stand jetzt“ kostenlos abrufbar ist.

Hanauer Stimme: Bei Fußball-Länderspielen wie hier 2013 ist Andreas Wurm Stadionsprecher.

„Just for fun“ mache Andreas Wurm den Podcast „und um mir einigermaßen gebraucht vorzukommen“, sagt er mit Blick auf die Corona-Einschnitte. „Ich habe zuletzt nichts eingenommen. Da lebt man vom Erarbeiteten. Aber jetzt bin ich froh, wenn ich wieder arbeiten kann.“

Hanauer Pulitzerpreis-Gewinner Kai Pfaffenbach vermittelte Wurm an Aschaffenburger Radiosender

Der Einstieg in die Medienwelt kam über einen anderen Hanauer zustande. „Kai Pfaffenbach war als rasender Reporter in Großauheim unterwegs. Das fand ich geil“, erinnert sich Andreas Wurm. Der preisgekrönte heutige Reuters-Fotograf machte Anfang der 90er-Jahre ein Volontariat bei Radio Primavera und vermittelte Andreas Wurm an den Aschaffenburger Radiosender. „Das war eine tolle Zeit in einem anderen Medienzeitalter. Ich habe mich live aus dem Büro von Landrat Karl Eyerkaufer mit dessen Festnetztelefon oder aus Edmund Stoibers Dienstwagen heraus in die Sendung gemeldet“, lässt er seinen Erinnerungen freien Lauf.

Der Kontakt zu Pfaffenbach ist geblieben. Gerade erst machte der die Fotos für Andreas Wurms überarbeitete Internetseite, auf der bald vermutlich ein neuer Termin angekündigt werden kann. Der Großauheimer hat ein Heimspiel in Hamburg. Für September ist die Eröffnung des neuen Rothenbaums geplant. Die Tennis-Legenden Henri Leconte und Michael Stich sollen sich gegenüber stehen. Andreas Wurm, der auch bei Davis-Cup- und Fed-Cup-Spielen moderiert, hat an dem Tag nach seinem Moderationsjob einen kurzen Heimweg. In den Stadtteil Eppendorf, in dem er lebt, ist es nicht weit.

Hanauer Wurm hat momentan keinen Drang zu verreisen

Nach Verreisen steht ihm der Sinn in diesen Zeiten hingegen so gar nicht. „Das geringste Problem ist im Moment Urlaub“, sagt er deutlich. „In so einer Ausnahmesituation muss man den Gedanken an Urlaub mal zur Seite schieben, es gibt gerade wichtigeres.“ Stattdessen könne man doch viel besser die Heimat neu entdecken und auf den Spuren der Kindheit wandeln. So hat es Andreas Wurm in Großauheim gemacht.

Zur Person

Andreas Wurm wurde am 10. September 1972 in Hanau geboren. Nach dem Besuch der August-Gaul-Grundschule in Großauheim wechselte er kurz auf die Lindenauschule, ehe er seine Mittlere Reife an der Eberhard-Realschule machte. Es folgte eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker bei Radio Schneider in Auheim. Doch schnell merkte der einstige Jugendkicker des VfB Großauheim, dass er sich hinter dem Mikrofon am wohlsten fühlt und machte ein Volontariat beim Aschaffenburger Radiosender Primavera. Es war der Startschuss einer steilen Moderationskarriere. 1996 zog Wurm nach Berlin, moderierte vier Jahre lang für Radio Hundert,6, ehe er zu TV.Berlin wechselte. Seit 2002 arbeitet die Hanauer Stimme als freier Moderator, unter anderem für die ARD. Wurm ist Live-Reporter des Magazin „zibb“ im rbb-Fernsehen, Moderator bei Antenne Niedersachsen und hat die ZDF-Arenen von Europa- und Weltmeisterschaften moderiert (2012 auf Usedom, 2008 in Bregenz, 2006 in Berlin). Seine Erfahrungen gibt der Stadionsprecher des DFB auch in Medienworkshops und Vorträgen weiter. 

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