Die neue Lust am Knobeln und Puzzeln

Hanauer Geschäfte verzeichnen gestiegene Nachfrage nach Gesellschaftsspielen

Spiele wie „Mensch ärgere Dich nicht“ erleben gerade eine Renaissance.  
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Spiele wie „Mensch ärgere Dich nicht“ erleben gerade eine Renaissance.

Die Zeit – und die Frage, wie man sie nutzt – haben in den vergangenen Monaten eine andere Qualität bekommen. Ehepaare lassen sich am Abend gemeinsam zum Scrabblespielen am Esstisch nieder, junge Menschen entdecken Schach für sich als neues Hobby.

Hanau – In Ermangelung von Freizeitaktivitäten wie Kinobesuchen oder dem Gang ins Museum oder Theater werden Gesellschaftsspiele wiederentdeckt. Halma und Mühle erfreuen sich großer Beliebtheit, Crime Games und neue Spiele ebenfalls. Auch das Puzzle erlebt eine Renaissance. „Vergleicht man die Entwicklung mit der Kurve der Börsennotierungen, geht der Pfeil steil bergauf“, sagt Christian Arnold, Marktleiter von Smyth Toys im Forum Hanau. Damit steht er nicht alleine da. Aus den anderen Hanauer Geschäften, die Gesellschaftsspiele im Angebot haben, kommen ähnliche Rückmeldungen.

Bei Spielwaren-Brachmann in der Innenstadt, bei Bücher bei Dausien in der Salzstraße oder bei Thalia im Forum stellen die Verkaufsteams ebenfalls ein verändertes Kaufverhalten ihrer Kunden fest. Bedauerlicherweise hilft der neue Trend nicht jedem der Geschäfte gleichermaßen über die Krise hinweg. Denn seit dem Lockdown sind ihre Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt. Doch immerhin gibt es einige, denen die neu entdeckte Lust am Spielen einen Ausgleich bietet.

Mehr Zeit zum Bauen und Werkeln: Auch Lego, Duplo und Playmobil gefragt

Am stärksten scheint Smyth Toys im Forum zu profitieren. „Die Kunden haben coronabedingt im März/April festgestellt, dass sie sich beschäftigen müssen und Klassiker wie ‘Mensch’ ärgere Dich nicht’ entdeckt“, sagt der Filialleiter. Wie andere Geschäfte auch hat Smyth Toys einen „Click-collect-Service“ eingerichtet. Hier kann man im Internet den gewünschten Artikel bestellen und bekommt eine Uhrzeit zwischen 15 und 18 Uhr zugewiesen, zu der man das Gewünschte dann vor Ort abholen kann. So lässt sich vermeiden, dass die Zahl der „Ins-Haus-Lieferungen“ noch weiter steigt. „Seit Mitte Dezember sind Brettspiele ohne Ende gefragt“, sagt Arnold.

Zu den Favoriten gehören neben den Klassikern wie Stratego, Memory oder Tabu auch die Harry-Potter-Spiele. Lego und Duplo sowie Playmobil, die rund um die Weihnachtszeit immer stärker nachgefragt werden, gehören aktuell ebenfalls zu den beliebten Kaufartikeln. Schließlich haben Mütter und Väter, Omas und Opas zwangsläufig mehr Zeit, mit den Kindern zu bauen und werkeln

Ausgefallene Beratungsvarianten im Lockdown

Bei Spielwaren Bachmann erklärt Inhaberin Marina Lülow, dass bis zum Lockdown im Dezember der neue Trend zum Gesellschaftsspiel auch in ihrem Geschäft sehr deutlich wurde. Vor allem stellt sie fest, dass die Kunden auf besondere Ausführungen achten. Scrabble oder ‚Mensch ärgere dich nicht’ würden lieber etwas hochwertiger, etwa in der Holzausführung gekauft. „Beliebt sind derzeit Spiele wie ‚Killer Cruise, findet den Mörder und rettet die Passagiere’“, sagt Lülow, ein Spiel, das von dem Krimiautor Sebastian Fitzek erdacht wurde. Über Spiele wie dieses kann man sich bei Brachmann montags bis freitags telefonisch von 9 bis 12 Uhr informieren und diese auch über die Internetseite bestellen. Auch hier kann man auf Wunsch die Ware am Geschäft abholen.

Wie schwierig es ist, sich als klassisches Geschäft unter Lockdown-Bedingungen zu behaupten, zeigen die Worte von Astrid Bramschüfer, die bei Bücher bei Dausien in der Salzstraße für Kinderbücher zuständig ist. Sie spricht von einer verstärkten Nachfrage von Quizboxen oder Black Stories, bei denen Rätsel gelöst werden müssen. Doch das Geschäft lebe bei ihnen davon dass die Kunden sich im Laden umschauen, gerne dort stöbern und die Bücher oder Quizboxen in die Hand nehmen wollten. Das aber ist derzeit nicht möglich. Die Buchhändlerin hat schon Quizspiele und Bücher an die Glas-Eingangstür geschleppt, um Kunden hygienekonform eine Auswahl zu präsentieren, „Wir geben uns Mühe“, betont sie. Aber auch ausgefallene Beratungsvarianten könnten das normale Geschäft bei Weitem nicht ausgleichen.

Puzzles haben Hochkonjunktur

Hochkonjunktur hat nach den Angaben von Smyth Toys derzeit noch ein anderes Spielegenre: das Puzzle. Von einem Vertreter für Ravensburger Puzzles habe er Erstaunliches gehört, sagt Christian Arnold. „Dort fahren die Außendienstler in drei Schichten Tag und Nacht Ware aus, um die Nachfrage der Händler halbwegs zu befriedigen.“

Und vom Schachversand Ullrich in Franken, bei dem viele Schachvereine ihr Material beziehen, kam folgende Rückmeldung: Die Nachfrage von Schulen und Vereinen sei zwar eingebrochen, heißt es dort. Aber das Interesse und die Zahl der bestellten Figuren, Spiele und Zubehör von Privatkunden habe kräftig angezogen.

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